Oldenburg - Noch bevor die Entscheidung über den Bau eines Fußballstadions in Oldenburg gefallen ist, gibt es vollkommen konträre Auffassungen über dessen Baukosten. Während die Bürgerinitiative „Kein Stadionbau“ die Berechnungen anzweifelt und deutlich höhere Baukosten befürchtet, kommt die Initiative Nordweststadion zu einem ganz anderen Ergebnis: Das Stadion könnte sogar günstiger werden als in den Berechnungen. Statt 47,11 Millionen Euro – wie in der von der Stadt vorgelegten Investitionskostenberechnung von IFS – könnte ein Stadion für 7500 Zuschauer für 44,16 Millionen Euro gebaut werden, meint die Initiative Nordweststadion. Sollte sich die Politik für ein 10 000-Zuschauerstadion samt Parkdeck entscheiden, sei dies für 54,71 Millionen Euro statt der in der Investitionsberechnung von IFS genannten 58,38 Millionen Euro zu realisieren. Die Initiative spricht sich „angesichts des marginalen Unterschiedes zwischen den Varianten“ klar für den Bau eines Stadions mit 10 000 Plätzen aus.
Preisrückgang erwartet
Die Initiative beruft sich dabei auf eine Aussage des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) aus dem Februar dieses Jahres. Demnach wird für das laufende Jahr 2024 mit einem Rückgang der Preise für Bauleistungen um 3 Prozent gerechnet. Für 2025 wird ein weiterer Rückgang von 5,5 Prozent erwartet. Die Investitionsberechnung von IFS geht bis zu einem möglichen Baubeginn Mitte 2025 noch von einer Kostensteigerung von 3,5 Prozent aus.
„Sollten sich die Baukosten tatsächlich so günstig entwickeln, würden sich auch die jährlichen städtischen Zuschüsse verringern“, betont die Initiative Nordweststadion in einer Pressemitteilung. „Dadurch würde der jährliche Zuschussbedarf für das ungünstigste Szenario, dass der VfB Oldenburg als Ankermieter dauerhaft in der vierten Liga verbleibt, von mehr als 1,9 Millionen Euro auf rund 1,6 Millionen Euro sinken.“
Diese laufenden Kosten waren für Politik und Verwaltung der entscheidende Faktor. Zuletzt hatte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) angekündigt, 20 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt für die Finanzierung des Baus zu nutzen, um so den Kreditbedarf zu senken. Darüber gibt es in der Politik ganz unterschiedliche Ansichten.
Grundsätzlich erachtet die Initiative die vorliegenden „auf Erfahrungen aus realisierten Projekten, der aktuellen Marktsituation sowie vorliegender Angebote“ basierenden Gutachten als „valide“.
Geringer Anteil
Die Initiative Nordweststadion bewertet die vorgelegte IFS-Kalkulation als eher konservativ. „Der Vorwurf, dass die Einnahmen hochgerechnet und die Ausgaben kleingerechnet wurden, erscheint daher abwegig.“ Exorbitant gestiegene Baukosten sieht man nicht. Die Preissteigerung im Vergleich zu 2017, als eine „kleinere“ Stadionvariante mit 34 Millionen Euro kalkuliert wurde, um 38,5 Prozent sieht sie „im Zusammenhang mit den Umwälzungen rund um die Corona-Pandemie sowie den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine“.
Bei einem Gesamtvolumen im städtischen Haushalt 2024 von 729 Millionen Euro mache ein Zuschussbedarf von höchstens zwei Millionen Euro einen Anteil von 0,3 Prozent an den Gesamtaufwendungen aus – „das kann nicht zu viel sein“, schließt die Initiative Nordweststadion.
Der Oldenburger Stadtrat will am 15. April über den Bau eines für den Profifußball geeigneten Stadions entscheiden. Die Sitzung findet wegen des erwartet großen Zuschauerinteresses in den Weser-Ems-Hallen statt und beginnt um 18 Uhr.
