Oldenburg -  Wie steht es in einer Zeit, in der Menschen trotz der Corona-Pandemie auf die Straßen gehen, um sich für die „Black Lives Matter“-Bewegung einzusetzen, um die Akzeptanz an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg? Begegnen die internationalen Studenten auch in Oldenburg Rassismus? An der Uni Oldenburg ist Seith Onyango (29) Vertreter der Studenten aus dem Ausland. Durch ein Austauschprogramm seiner früheren Universität in Kenia kam er nach Oldenburg. Mit der NWZ spricht er über das Thema Rassismus.

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Glauben Sie, die internationalen Studenten (Internationals) sind an der Uni gut integriert?

Seith OnyangoWas die Freizeitbeschäftigungen angeht, sind wir echt gut versorgt. Wir können am Hochschulsportprogramm- und weiteren Freizeitaktivitäten teilnehmen und so soziale Kontakte knüpfen. Leider ist es dafür an der Uni etwas schwerer. Bei Gruppenarbeiten möchten deutsche Mitstudenten oftmals unter sich bleiben. Sie wollen die Internationals nicht gerne in ihre Gruppen aufnehmen, weil sie auch während der Arbeitsphasen unter sich nicht auf Englisch, sondern auf Deutsch miteinander reden. Wenn ein International dann keine Gruppe findet, in der er mitarbeiten kann, schafft er den Stoff oftmals nicht und muss den Kurs im schlimmsten Fall wiederholen.

Wie könnte man dem entgegenwirken?

Die Kundgebung

Nachdem am vergangenen Wochenende rund 1300 Menschen in Oldenburg gegen Rassismus demonstriert haben, soll es wieder eine Aktion geben.

Am Sonntag, 14. Juni, findet ab 14 Uhr unter dem Motto „Fight racism – auch hier!“eine Kundgebung auf dem Pferdemarkt statt.

Organisiert wird die Veranstaltung von einem Bündnis aus dem AStA der Uni Oldenburg, der Hochschulgruppe ausländischer StudentInnen (HGAS), dem Autonomen Feministischen Referat (FemRef) , Black Lives Matter Oldenburg, Fridays for Future, Seebrücke und der Interkulturellen Arbeitsstelle (IBIS).

Die Kundgebung ist laut Veranstalter auf 300 Menschen beschränkt.

OnyangoWenn die Professoren die Gruppen immer festlegen würden, hätten wir solche Probleme nicht, aber das ist leider nur selten der Fall. Außerdem wäre es gut, wenn intensive Deutsch-Sprachkurse auch während der Semesterferien kostenlos für alle Studenten angeboten werden würden. Die mangelnden Sprachkenntnisse sind oft ein Hindernis zur besseren Integration. Um die internationalen Studenten an der Uni mit den anderen Studenten gleichzustellen, wäre es außerdem gut, wenn in allen Komitees die auch für Internationals zuständig sind, mindestens ein International mit im Vorstand sitzen darf. So würden bestimmt einige Missverständnisse vermieden werden.

Können Sie Beispiele von rassistischen Vorfällen aus Oldenburg nennen, die an Sie herangetragen wurden?

OnyangoJa klar. Ein Student hat beispielsweise am Lappan auf seinen Bus gewartet und wurde aus dem Nichts von einem Jugendlichen angesprochen, ob er nicht etwas Cannabis dabei hätte, da er welches kaufen wollte. Er hatte natürlich keins dabei und hat auch gar nicht verstanden, wieso er angesprochen wurde. Bei einem anderen Fall wollte ein dunkelhäutiger Student Bus fahren, wurde allerdings von dem Busfahrer nicht durchgelassen, weil dieser meinte, sein Semesterticket sei eine Fälschung. Was natürlich auch nicht stimmte. Solche und ähnliche Situationen führen dazu, dass sich Internationals verunsichert und diskriminiert fühlen. Eine hat deswegen auch mit Depressionen zu kämpfen und ist auf therapeutische Hilfe angewiesen. Es ist allgemein schwer ein Zimmer in einer WG zu finden, weil sich auf Anfragen von dunkelhäutigen Internationals oft keiner melde. Dementsprechend müssen diese dann oft auf eine teurere Einzelwohnung zurückgreifen, die finanziell natürlich schwerer zu stemmen ist. Ein sehr emotionaler Vorfall war auch, als ein International sein gemeinsames Kind mit einer Deutschen im Elternraum der Uni abholen wollte und abgewiesen wurde. Eine der Beteiligten hat die Security gerufen, die ihn hinausführen sollte, obwohl er nur sein Kind abholen wollte. Solche Vorfälle entstehen durch Stereotypen und mangelnde Akzeptanz.

BLACKLIVESMATTER AM SCHLOSSPLATZ Wut und Trauer über Rassismus auch in Oldenburg

Timo Ebbers Christian Schwarz
Oldenburg

Welche Bedeutung hat die „Black Lives Matter“-Bewegung für Sie?

OnyangoDie „Black Lives Matter“-Demonstrationen sind wichtig und geben mir und anderen Rückhalt. Je mehr Menschen an der Demo teilnehmen, umso größer wird das Verständnis für dieses Thema. Ich finde es wichtig, dass die Menschen, die sich vielleicht nicht mit dem Thema Rassismus beschäftigen, darauf aufmerksam gemacht werden. Aus diesem Grund demonstriere auch ich wieder am Sonntag. In der Hoffnung, Rassismus zu bekämpfen und die Integration von minoritären Menschen zu fördern.