Oldenburg - Wagner-Opern sind das Idealbild einer „durchkomponierten Form“: ohne zeitliche Lücken, ohne Zwischentexte, ohne Wiederholungen, ohne spontanes Beiwerk.
Von der Anlage her sind Liederzyklen ein kleiner Schritt zu einer stärkeren Zusammenbindung der unterschiedlichen Einzellieder hin zu einem organischen Ganzen. Beim 3. Liederabend im Kleinen Haus des Staatstheaters wurde dieser Aspekt bei der Interpretation der „Dichterliebe“ von Robert Schumann auf 16 Gedichte von Heinrich Heine verstärkt, ja radikalisiert.
Pausenloser Fluss
Der junge, 1996 in Tübingen geborene Tenor Johannes Leander Maas und sein etwas älterer und sehr versierter Begleiter Daniel Strahilevitz trugen den Zyklus der 16 Lieder, die in sich schon thematisch und tonartlich von Schumann verzahnt wurden, in einem nicht abreißenden pausenlosen Melodiefluss vor.
An das Verklingen des Nachspiels des einen Liedes setzten schon die einleitenden Klaviertakte des nächsten Liedes an. Weil Robert Schumann diese innige Verknüpfung der Lieder schon kompositorisch angelegt hat, war dieses Experiment einer durchkomponierten „Dichterliebe“ möglich. Zudem wurden noch zwischen die knappen, aber sehr aussagekräftigen Nach- und Vorspiele Schumanns drei Teile aus seinem bekannten Klavier-Zyklus „Kinderszenen“ eingepasst, darunter die „Träumerei“ und „Der Dichter spricht“. Ohne Zweifel waren diese Klavier-Preziosen behutsam in die „Dichterliebe“ eingepasst worden, aber spätestens hier erwies sich, dass Schumanns sparsame Abschlüsse der Lieder die angemessenere kompositorische Lösung sind.
Da Johannes Leander Maas die Lieder sehr engagiert und volltönend, ja forciert und die Stimme in den sehr hohen Lagen stemmend anging, mag auch ein pragmatischer Gedanke beim Einschieben der Klavierstücke aus den „Kinderszenen“ mitgespielt haben: dem Sänger und seiner Stimme durch diese pianistischen Einschübe ein wenig Luft zu verschaffen.
Stimme mit Potential
Maas verfügt über eine naturhaft schöne Stimme mit viel Potential. Auch seine Gestaltung der einzelnen Situationen und Szenen weist ihn als sensiblen und einfühlsamen Liedsänger aus, der keineswegs einfach nur Opernhaftes auf die kleinere Liedform überträgt.
Aber natürlich versteht sich der Opernsänger Johannes Leander Maas auch auf die große, opernhafte Pathosgebärde: Auf dem Programm standen noch vier Lieder von Richard Strauss, die die große Geste vertragen. Diese vier Lieder, darunter die „Heimliche Aufforderung“, sang Maas betont theatralisch, kraftvoll, eben opernständchenhaft. Hier und da ließ er auch einen den Texten angemessenen Sarkasmus und Ironie aufblitzen.
