Oldenburg - Wenn Kinder in der Kita toben, Schüler auf dem Schulhof bolzen oder Studenten beim Unisport aktiv sind, passiert schnell mal ein Unfall. Dafür gibt es die Schüler-Unfallversicherung – an diesem 1. April seit 50 Jahren. Fürs ganze Oldenburger Land macht das der GUV an der Gartenstraße 9.
Große Errungenschaft
Und so ist es geregelt: Die Versicherten oder ihre Eltern zahlen keine Beiträge. Die Kosten für die Heilbehandlung, die Rehabilitation und mögliche Renten zahlt die öffentliche Hand. Auch bei Ausflügen, Exkursionen, im Hort sowie auf dem Weg von oder zur Bildungseinrichtung greift der Schutz. „Das ist eine gewaltige soziale Errungenschaft im Vergleich zu dem Zustand von vor 50 Jahren“, sagt Dr. Stefan Hussy, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).
Johanna Verse vom GUV in Oldenburg (GUV OL) sagt: „Prävention wie auch die medizinische, soziale und berufliche Rehabilitation erfolgen mit allen geeigneten Mitteln zentral aus einer Hand.“
Auslöser war der Unfall einer niedersächsischen Schülerin im Sportunterricht: beim Hangeln riss dem Kind eine Sehne im rechten Arm. In der Folge versteifte ihr Handgelenk – mit entsprechender Beeinträchtigung. Mit Bundesgerichtshof unterlagen die Eltern mit ihrer Klage. Für die Karlsruher Richter gab es keine Gesetzesgrundlage, um eine Entschädigung zu regeln. Der Präzedenzfall führte zum Erlass des „Gesetzes über Unfallversicherung der Schüler und Studenten sowie Kinder in Kindergärten“, der Gründung der gesetzlichen Schülerunfallversicherung (SUV).
Auch für die öffentlichen Unfallversicherungsträger war das ein Meilenstein: Zwölf Millionen zusätzliche Versicherte mit ganz anderen Anforderungen und Bedürfnissen – ein „neuer schwer berechenbarer Versichertenkreis“, wie es damals hieß – kam hinzu. „Gemeint war, dass Kinder und Jugendliche mit den in ihrem Alter typischen Eigenschaften, Erfahrungen und Verhaltensweisen einen neuen Ansatz in Prävention und Begleitung bei uns erforderten“, sagt Michael May, Geschäftsführer des GUV OL. Neugieriges, spontanes sich Ausprobieren und Erleben als auch Fehler zu machen, müsse Kindern und Jugendlichen möglich sein, „ohne dass sie gravierende Konsequenzen wie schwere oder gar lebensbedrohliche Verletzungen erleiden“.
14 878 & 1662 Unfälle
Mit der Beratung zu Sicherheit und Gesundheitsschutz und den Rahmenbedingungen begleitet der GUV OL seine Mitgliedskommunen dabei, das Nötige zu veranlassen: „Durch Präventionsprojekte wie ,Zu Fuß zur Schule/Schulexpress’ oder ,Schlaue Köpfe tragen Helm’ möchten wir frühzeitig auf sicherheits- und gesundheitsbewusstes Verhalten als auch Risikokompetenz von Kindern und Jugendlichen hinwirken“, sagt May.
2019 waren bundesweit 17,6 Millionen, landesweit 1,8 Millionen und in Oldenburg und umzu (altes Oldenburger Land) über 150 000 Kinder und Jugendliche gesetzlich unfallversichert. Die Zahl der Schülerunfälle ist deutlich gesunken. Dennoch: 2019 wurden dem GUV OL 14 878 Unfälle in Tagespflege/Kita/Schule und 1662 auf dem Weg dahin oder nach Hause gemeldet. „Das ist ein Ansporn für uns, unsere Präventions- und Rehabilitationsarbeit fortzusetzen“, sagt May.
