Berichterstattung über das Halteverbot in der Fahrradstraße Quellenweg

An frühere Wohnungen in Quartieren anderer Großstädte, in denen die abendliche Stellplatzsuche oft länger dauert als die Heimfahrt, kann ich mich noch gut erinnern. Seit einiger Zeit lebe ich im Quellenweg. Hier konnte ich bis vor Kurzem mein Auto direkt vor meinem Haus auf fremdem Grund abstellen – und das auch noch kostenlos.

Damit ist es nun vorbei. Stattdessen bekomme ich allerdings etwas, worüber ich mich viel mehr freue, nämlich eine Fahrradstraße vor meiner Haustür. Diese ist zwar nur ein klitzekleiner lokaler Beitrag zur dringend benötigten Verkehrswende. Aber immerhin. In der Folge verfügen nun nicht mehr alle Anwohner im Quellenweg über zusätzliche kostenlose Parkplätze direkt vor der Haustür.

Millionen von Stadtbewohnern jenseits des Quellenwegs – nicht wenige haben nicht mal auf dem eigenen Grundstück einen Stellplatz – beweisen aber, dass das nicht zwingend zu sozialer Vereinsamung und Boykott durch Dienstleister führen muss. Ich werde das schaffen und meinen Nachbarn traue ich es auch zu.

Stephan Maaß per E-Mail

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Ich bin sehr irritiert über die Haltung vieler Bürger nicht nur zur Thematik Quellenweg: Immer wieder fordern Bürger, dass Autos auf öffentlichen Verkehrsflächen geparkt werden können. Es gibt aber kein Grundrecht auf Parken auf Verkehrsflächen! Gerade in Oldenburg mit hohem Eigenheimanteil bei der Bebauung gibt es viele Grundstücke, bei denen trotz vorhandener Fläche keine ausreichende eigene Parkfläche, Carport oder Garage existiert. Es gibt auch alte Bebauung, wo ehemalige Garagen mittlerweile als Wohn- oder Arbeitsflächen genutzt werden. Und vorhandene Autos werden oft selbstverständlich kostenfrei vor dem Haus auf der Straße geparkt. Dies ist m.E., insbesondere im Zuge eines Verkehrswandels, nicht länger akzeptabel. Eine Hintergrundbebauung ohne ausreichende Parkmöglichkeit ist ganz privates Problem. Alternativen (auch für Besucher) wären kostenpflichtige Sammelparkplätze.

Udo Herreilers Oldenburg

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Um mal auch die andere Sicht zu Wort kommen zu lassen: Wir als Quellenweganwohner sind sehr einverstanden mit dem Konzept der Fahrradstraße. Die auf der Straße und dem Gehweg parkenden Autos gefährden seit Jahren Sicht und Sicherheit von Fußgängern und Fahrradfahrern, wir selbst haben schon einige Stürze und Unfälle deshalb mitangesehen. Die Schulkinder haben keinen freien Weg. Auch ich als (Seh-)Behinderte werde regelmäßig vor meinem Eingang/meiner Ausfahrt zugeparkt und fühle mich dadurch gefährdet. Dass parkende Autos zur Verkehrssicherheit beitragen sollen, erscheint uns ein zynisches Argument.

Wir beobachten auch, dass manche Anwohner mehrere Autos/Campingbusse/Motorräder etc. besitzen. Das sollen sie machen, aber es muss ja nicht der öffentliche Raum dafür zum Parken herhalten.

Wir als ehemalige Hamburger wundern uns eh über den Oldenburger Anspruch, immer direkt vor seinem Haus parken zu können (auch als Besuch).

Wir freuen uns auf weniger Autoverkehr und parkende Autos im Quellenweg. Und das, obwohl natürlich auch wir (als Car-Sharing-Nutzer, beruflich und als Gastgeber) uns mit dem Halteverbot (neu) arrangieren müssen.

Mascha und           Karsten Kirchner Oldenburg

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Niemand hat ein Recht darauf öffentlichen und von der Allgemeinheit finanzierten Grund mit seinem privaten Pkw zu besetzen. Das Privileg des zumeist kostenlosen Parkens entlang vieler Straßen gehört großenteils abgeschafft.

Die Stadt weist in ihrer Stellungnahme deutlich darauf hin, dass die Anlage von Fahrradstraßen Teil der Mobilitätswende ist – gut so. Die Umsetzung am Quellenweg ist nur eine erste Maßnahme. Weitere, mit Änderungen und Einschnitten verbundene, werden folgen müssen.

Bei der Anlage von Bushaltestellen gilt eine Entfernung von 400 Meter als durchaus zumutbar. Warum dieses für Abstellmöglichkeiten von Pkw für viele als unzumutbar langer Weg gesehen wird, erschließt sich mir nicht. Der Großteil der Bevölkerung bewegt sich eh zu wenig. Der Quellenweg hat eine Länge von rund 1,5 Kilometern. Es gibt sechs Querstraßen, in denen geparkt werden kann. Zu lange Wege entstehen also gar nicht.

Noch ein praktischer Vorschlag: In private Zufahrten rückwärts rein- und vorwärts wieder rausfahren, gefährdet den Radverkehr nicht.

Andreas Siek Oldenburg