Oldenburg - Schon früh in ihrem Leben wurde sie mit dem Tod konfrontiert. Anna-Lina Angileau war acht Jahre alt, als ihre kleine Schwester den Kampf gegen den Blutkrebs verlor und elf, als ihre mehrfach behinderte große Schwester starb. Eine Familientherapie, besonders aber der Glaube waren es, die ihr durch diese schwere Zeit geholfen haben. Mittlerweile ist Angileau 28 Jahre alt und der Umgang mit schmerzlichen Verlusten gehört sogar zu ihrem Beruf. Nun engagiert sich die Katholikin auch in ihrer Freizeit als Seelentrösterin.
Die Vorgeschichte
In der Oldenburger Kirchengemeinde St. Marien ist die junge Frau seit drei Jahren ehrenamtlich als Katechetin tätig. Sie begleitet Kinder bei der Vorbereitung zur Erstkommunion. „Die Themen Tod und Auferstehung gehören dort selbstverständlich dazu“, erklärt sie den religiösen Hintergrund. Für sie kommt noch ihre persönliche Erfahrung mit den frühen Verlusten dazu. „Ich habe mich schon immer mit dem Thema ,Trauer und Kinder’ befasst“, sagt die 28-Jährige. Das sei ein Resultat ihrer eigenen Lebensgeschichte. „Da ich mit zwei kranken Geschwistern groß geworden bin, ist der Wunsch entstanden, Kinderkrankenschwester zu werden.“ Das wurde die gebürtige Sauerländerin auch. Als Kinderkrankenschwester im Intensivbereich hat sie oft mit dem Tod zu tun – mit verzweifelten Eltern und mit Geschwisterkindern, die hilflos trauern. Im Jahr 2017 entschloss sich Angileau deshalb dazu, eine Ausbildung zur Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche zu absolvieren. Nach zwei Jahren hatte sie die Qualifizierung für den Bundesverband in der Tasche, um dann unter dem Namen „Pusteblume“ Familien im Raum Oldenburg und Umgebung ihre Unterstützung anzubieten. „Bis Corona alles stoppte“, sagt sie.
Die Idee
Gleichzeitig war es die Pandemie, die in der Kirchengemeinde St. Marien eine neue Idee entstehen ließ. „Das Abschiednehmen, Beerdigungen – alles ist jetzt nicht mehr einfach so möglich. Viele Menschen sind auch unruhig und besorgt, ohne dass sie jemanden verloren haben“, weiß Anna-Lina Angileau. Man müsste ihnen die Möglichkeit geben „runterzukommen“. Das war der Ansatz der Idee, die die Trauerbegleiterin und Heinz-Peter Hahn, Pastoralreferent in St. Marien, hatten. Daraus ist ein neues Angebot der Kirchengemeinde entstanden: die Trost- und Ruhetreffen. 20 bis 30 Minuten mit Musik, Texten und Gebeten. „Sie sollen Kraft geben. Und man soll seine eigenen Momente darin finden“, erklärt Angileau, die die Andacht-Texte schreibt, die von Hans-Peter Hahn „abgesegnet“ werden. Zwei dieser Treffen gab es schon. „Die mittlere Generation im Alter von 40 bis 60 war vertreten. Es gab positive Resonanz“, freut sich die 28-Jährige. Gern möchte sie irgendwann auch ein solches Treffen speziell für Familien anbieten.
Das nächste Treffen
Alle vier Wochen sonntags wird zu einem Trost- und Ruhetreffen mit der Trauerbegleiterin in die St.-Christophorus-Kirche, Brookweg, eingeladen. Beginn ist immer um 17 Uhr. Der nächste Termin ist am 16. Mai. „Trost finden mit Maria“ heißt dann das Thema. Anmelden muss man sich nicht. 73 Menschen dürfen in die Kirche. OP-Masken oder FFP2-Masken müssen während des Treffens getragen werden.
