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Negativpreis für Tierexperimente Uni Oldenburg bekommt „Herz aus Stein“ für Forschung an Singvögeln

Die Organisation „Ärzte gegen Tierversuche“ greift die Universität Oldenburg wegen Versuchen mit der Mönchsgrasmücke an. Zwölf Exemplare des Singvogels wurden für Forschungszwecke getötet.

Die Organisation „Ärzte gegen Tierversuche“ greift die Universität Oldenburg wegen Versuchen mit der Mönchsgrasmücke an. Zwölf Exemplare des Singvogels wurden für Forschungszwecke getötet.

Oldenburg/Köln - Der bundesweite Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ vergibt den Negativpreis „Herz aus Stein“ in diesem Jahr an die AG Neurosensorik der Universität Oldenburg. Die Tierschützer protestieren mit der Verleihung gegen Versuche an Singvögeln.

Der Negativpreis soll „auf besonders grausame und absurde Tierversuche aufmerksam machen und eine herzlose Forschung anprangern“, heißt es in einer Mitteilung. Für diesen Dienstag ist eine Übergabe der „Auszeichnung“ geplant.

Vorwürfe zurückgewiesen

Die Universität lehnt die Annahme des Negativpreises ab. Tierversuche würden dort, wo möglich, durch tierfreie Methoden ersetzt, heißt es in einer Stellungnahme. Es würden so wenige Tiere wie möglich verwendet und deren Belastung möglichst gering gehalten. Das Ergebnis der Versuche gebe Aufschluss über die magnetische Karte von Zugvögeln. Die Forschung helfe, bedrohte Zugvogelarten zu schützen.

Meinung
Eine männliche Mönchsgrasmücke sitzt auf einem Baum.

NWZ-KOMMENTAR ZUM NEGATIV-PREIS „HERZ AUS STEIN“ Kritik der Tierschützer überzeugt nicht

Hintergrund der Vorwürfe ist die Tötung von zwölf Mönchsgrasmücken durch die Arbeitsgemeinschaft Neurosensorik der Universität. Den Vögeln wird eine Substanz, die Nerven markiert, durch ein Fenster im Schädel in das Gehirn injiziert. Ziel ist es, die Reaktion auf magnetische Reize kennenzulernen. Das Wissen soll unter anderem dabei helfen, Schutzgebiete für bestimmte Vogelarten zu finden.

„Neugierde befriedigen“

Die „Ärzte gegen Tierversuche“ bezweifeln, dass die Tierversuche tatsächlich einen praktischen Nutzen bringen. „Ich halte das für ein vorgeschobenes Argument, um die Neugierde zu befriedigen“, erklärte Sprecherin Gaby Neumann unserer Redaktion. In Oldenburg würden „seit 20 Jahren Tiere getötet“; dass dies bedrohten Vogelarten geholfen hat, könne sie nicht nachvollziehen. „Die Singvogelforschung in Oldenburg ist als reine Neugierforschung ohne jeglichen Nutzen zu werten“, erklärt Tierärztin Dr. Corina Gericke. Deshalb stehe die Neurosensorik an der Universität Oldenburg regelmäßig in der Kritik.

Schutz bedrohter Arten

Die Universität verweist demgegenüber auf Erfolge zum Beispiel bei der Ansiedlung von Vogelarten in neue Brut- oder Winterquartiere. Solche Umsiedlungen seien schwierig, da Zugvögel dank ihrer hervorragenden Orientierung schnell wieder in gewohnte Gebiete zurückkehrten. „Vollständig zu verstehen, wie die Vögel navigieren und ihren Weg finden, kann Umsiedlungsprojekte wirkungsvoll unterstützen, die Navigationssysteme können ,ausgetrickst’ werden“, hält die Universität dagegen.

Weit verbreitet

Die Mönchsgrasmücke komme so häufig vor, dass nach Fang eines Tieres ein Artgenosse, der sonst durch die Konkurrenz gestorben wäre, sofort das Revier übernehme. „Der Fang weniger Mönchsgrasmücken zu Forschungszwecken hat daher keinerlei Einfluss auf die natürliche Population“, begründet die Universität die Wahl dieser Tiere. Die Fangmethode sei weltweit seit Jahrzehnten etabliert und werde zum Beispiel auch eingesetzt, um Vögel zu beringen.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche ist nach eigenen Angaben ein bundesweiter Zusammenschluss von Ärzten, Tierärzten und Naturwissenschaftlern. Der Verein hat fünf ausgewählte Tierversuche öffentlich zur Abstimmung gestellt. Knapp die Hälfte der rund abgegebenen 4200 Stimmen zum „Herz aus Stein“ seien auf den Versuch in Oldenburg entfallen, teilte der Verein mit.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)
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