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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Genderneutrale Sprache kommt im Alltag an

26.01.2019

Oldenburg Die Landeshauptstadt hat vorgelegt: Ein Merkblatt gibt neuerdings Regeln für eine geschlechterneutrale Sprache der Verwaltung in Hannover an die Hand. Denn: „Verwaltungssprache soll alle Menschen ansprechen. Frauen und Männer und jene, die sich nicht als Frau oder Mann selbst beschreiben.“

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Gender-geschlender

„Wir achten natürlich darauf“, sagt etwa Stephan Klatte, Polizeisprecher in Oldenburg. Auch wenn es, wie er einräumt, „nicht immer ganz einfach ist“. Manchmal stoße die geschlechtergerechte Formulierung auch an ihre Grenzen: „Bei Twitter, das wir als Polizei nutzen, steht für eine Nachricht nur eine bestimmte Zeichenanzahl zur Verfügung.“ Dann greife auch die Polizei auf die Vereinfachung des männlichen Begriffs zurück: „Das tun wir aber, ohne dass wir damit jemanden angreifen wollen“, betont Klatte. „Bei ausgiebigen Pressemitteilungen oder bei internen Papieren wenden wir natürlich eine andere Sprache an.“

Ganz unkompliziert, räumt Klatte ein, sei aber auch das nicht. „Manchmal lösen wir damit auch Irritation aus. Wenn es etwa nicht mehr Radfahrer und Radfahrerinnen sondern Radfahrende heißt, dann hat sich dieser neue Begriff noch nicht bei jedem durchgesetzt.“

Uni arbeitet an Leitlinie

Ähnliches berichtet auch Michael Bruns von der IHK zu Oldenburg: „In unserer Kommunikation versuchen wir natürlich, weibliche wie männliche Zielgruppen zu erreichen.“ Das spiegele sich, wo immer machbar, in den Texten der IHK wieder. Aber: „Dabei achten wir aber auch darauf, dass unsere Sprache nicht unnötig kompliziert wird und sich nicht völlig vom Gesprochenen entfernt. Bei uns heißt es Gründerinnen und Gründer, nicht Gründende.“ Daher gebe es bei der IHK keine Lösung für alle Fälle. „Bei Bedarf ist auch das Gendersternchen kein Tabu.“

Auch die Universität beschäftigt sich dem Thema: „Die Universität achtet traditionell darauf, Formen zu finden, um beide Geschlechter sprachlich zu berücksichtigen“, sagt von Prof. Dr. Sabine Kyora, Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Gleichstellung, und ergänzt: „Nach dem 2018 beschlossenen Gleichstellungszukunftskonzept der Universität wird zudem eine Leitlinie zu geschlechtergerechter Sprache in Verwaltung und Wissenschaft erarbeitet.“

Viel Kontakt mit Menschen hat der Oldenburger Turnerbund, mit 4500 Mitgliedern der größte Sportverein in Oldenburg: „Wir haben nur Vereinsmitglieder und die sind weiblich und männlich“, sagt Frank Kunert, Geschäftsführer des Vereins. Bislang achte der Verein jedoch in seinen Mitteilungen und Schreiben darauf, Männer und Frauen gleichermaßen anzusprechen, auch wenn das mitunter ein „Riesenaufwand sei.“

Englisch hat es leichter

Denn Ansatz aus Hannover, „für alles einen neuen Begriff zu definieren“, nennt er „interessant“. Sprache sei eben etwas „Lebendiges“, das auch dem Wandel unterliege. „Wer weiß“, sagt Kunert, „vielleicht haben wir bald auch nur noch Sporttreibende?“

Und wie wirkt die Diskussion auf Außenstehende? Saskia Repper, 20, stammt aus Orlando, Florida und studiert zurzeit in Oldenburg: „Wenn es nicht zu viele Ressourcen bindet und es niemanden von der Arbeit abhält, dann finde ich das gut“, sagt die 20-Jährige, deren Muttersprache Englisch ist. Worin auch ein Vorteil liegt, findet ihr Freund Zach Shenton, der gerade aus Florida zu Besuch ist: „Das Englische ist in der Beziehung weitaus unspezifischer. Da stellen sich viele Fragen nicht. Aber wenn es in Deutschland komplizierter ist, dann finde ich es gut, wenn auf genderneutrale Sprache umgestellt wird.“

Umfrage zu genderneutraler Sprache

Kommen solche Diskussionen bei den Menschen an? Die NWZ hat nachgefragt: 

Elke Breitenstein, 71, Oldenburg Klaus-Ulrich Breitenstein, 76, Oldenburg

„Mir ist das nicht ganz so wichtig, ich finde andere Probleme drängender.“

Elke Breitenstein (71)

„Ich finde gut, wenn es dadurch einfacher wird. Ich spreche auch gern Menschen einfach mit Du statt mit Sie an.“

Klaus-Ulrich Breitenstein (76)

Andreas Brinker, 37, Oldenburg

„Wir machen es einfach neutral, damit ist allen geholfen. Es wird doch niemandem dadurch etwas weggenommen. Ich finde es wichtig, auch wenn die Diskussion manchmal etwas überspitzt ist.“

Andreas Brinker (37)

Fabio Grundmann, 27, Oldenburg

„Ich finde das gut. Ich habe in Mexiko und Italien gelebt, dort wird zum Teil noch ganz anders mit Frauen umgegangen als es hier der Fall ist.“

Fabio Grundmann (27)

Hier gelangen Sie zur Seite der Landeshauptstadt Hannover und zum Merkblatt mit Empfehlungen für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache zum Herunterladen.

Mareike Weberink Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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