Oldenburg - Der starke wirtschaftliche Aufschwung nach den Corona-Schließungen – er scheint ins Stocken geraten zu sein, auch im Oldenburger Land. „Das ist das Ergebnis unserer Konjunkturumfrage“, berichtete die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK) am Freitag. Sie hatte im 3. Quartal 280 Firmen im Oldenburger Land befragt.
Das Ergebnis: Der IHK-Klimaindex, ein Stimmungsbarometer der regionalen Wirtschaft, sank zum Vorquartal um fast fünf Punkte auf 111,9 Zähler (Vorquartal 116,8).
„Die wirtschaftliche Entwicklung für die nächsten Monate wird skeptischer beurteilt als noch zuvor“, erläuterte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Hildebrandt. Ein Grund seien die Störungen in Lieferketten und damit verbundene Materialengpässe.
Als Folge können laut der Kammer Liefertermine nicht eingehalten werden, Kundenaufträge müssen abgelehnt oder höhere Preise durchgesetzt werden. Das berichten laut IHK vor allem Industrie, Bauindustrie und Großhandel. Das Exportgeschäft dürfte abflauen, so die Befürchtungen.
Was macht Corona?
Die Umfrage ergab noch einen weiteren Hintergrund für mehr Skepsis: „Es ist die Sorge, dass im Herbst die Inzidenzzahlen steigen dürften. Gastgewerbe und Einzelhandel fürchten wieder Einschränkungen“, heiß es.
Die Sorgen und die konkreten Hindernisse für höhere Umsätze spielen sich vor einem Hintergrund ab, der aktuell eigentlich ganz gut ist: „Was die aktuelle Geschäftslage angeht, so ist sie in fast allen Branchen gut. Der Aufschwung bleibt also insgesamt intakt“, meinte Hildebrandt. Fast ungetrübt sei die Wirtschaftslage bei vielen unternehmensnahen Dienstleistern. „Hier haben die Aufträge zugenommen.“
Der Umfrage zufolge dürften die Investitionen in der regionalen Wirtschaft steigen. Ein wichtiger Punkt dabei: die Digitalisierung. Der IHK-Chef erwartet auch, dass die Beschäftigung weiter steigen wird. Jedoch: Die Umfrage habe ergeben, dass jedes zweite Unternehmen derzeit offene Stellen nicht besetzen könne. Im Gast- sowie Baugewerbe sind es sogar über 80 Prozent.
Angeblich planen viele Unternehmen, mehr auszubilden. Ebenso wollen viele auch ihre Attraktivität steigern – etwa durch eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf.
Blick auf die Sektoren
In der Industrie ist der Auftragsbestand nach wie vor gut, kann aber wegen fehlender Materialteile nicht überall abgearbeitet werden. Im dritten Quartal kamen weniger Aufträge herein. Im Baugewerbe sind Auftragseingänge und -reichweiten zurückgegangen, die Lage bleibt aber insgesamt gut. „Auch weil teilweise Preissteigerungen durchgesetzt werden konnten“, bemerkt die IHK. Es fehle Nachwuchs. Im Einzelhandel hat sich die Stimmung leicht verschlechtert. Punkte dabei sind die unsichere Inlandsnachfrage und Beschaffungsprobleme – auch im Blick auf das anstehende Weihnachtsgeschäft. Im Großhandel bleibt Materialknappheit ein Problem. Für das Verkehrs- und Logistikgewerbe hat sich die Ertragslage durch mehr Aufträge verbessert. Jedoch: Die Treibstoffkosten steigen kräftig, mit Folgen für die Preise. In der Dienstleistungsbranche hat sich die Geschäftslage verbessert – besonders gut bei Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung. Chancen werden oft in Digitalisierungsprojekten gesehen.
