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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Konzert: Mit eleganten Ausfallschritten durch stilisierte Tänze

04.04.2018

Oldenburg Es ist in Kunstausstellungen eine gute Methode, Bilder weniger bekannter Maler sinnfällig um die Meisterwerke zu gruppieren. Sie beleuchten das Umfeld und unterstreichen die Einmaligkeit des Großen. Diese informative Methode hat sich Cellist Fabian Boreck auf seinem Gebiet zu eigen gemacht. Bei seinem Konzert in der fast voll besetzten Dreifaltigkeitskirche stellte Boreck den drei ersten Solosuiten von Johann Sebastian Bach kurze Werke der vergleichbaren Zeit voran: Eine Toccata von Francesco Paolo Supriano, eine Sonata von Domenico Galli und ein Ricercar von Domenico Gabrieli.

Boreck, Jahrgang 1987, stellvertretender Solocellist im Staatsorchester, hat über Oldenburg hinaus einen guten Namen als Barockspezialist. In Osternburg spielt er mit viel Leuchtkraft im Ton die Bach-Suiten Nr. 1 G-Dur, Nr. 2 d-Moll und Nr. 3 C-Dur. Boreck neigt dabei selten zu Näseln oder Härte, auch wenn es mal knarrt, sondern vor allem zu Deutlichkeit, starken rhythmischen Impulsen und zu federnder Vitalität.

Die um 1720 herum entstandenen sechs Suiten sind nicht in Originalschrift überliefert. Boreck stützt sich offenbar stark auf die Abschriften durch Anna Magdalena Bach und den Thüringer Zeitgenossen Johann Peter Kellner. Bachs zweiter Frau, einer Sängerin, folgt er in den Bindungen; Kellner, Organist und Cembalist, in der vom Tasteninstrument kommenden stichelnden Virtuosität.

Doch dogmatisch nimmt der Cellist wenig. Zu spüren ist vielmehr sein Sinn fürs Ganze und seine Aufmerksamkeit fürs Kleinteilige. Da kann er sich Freiheiten herausnehmen, ohne dass die Konstruktion ins Wanken gerät. Er rafft und dehnt, nimmt gleichwertige Noten belebend ungleichwertig, tupft tief liegenden Vierteln und Halben jede Schwere weg. Mit Verzierungen hält er Haus.

So wirkt diese Musik wie belebend improvisiert, sie spricht direkt zum Hörer, manchmal sogar wie frisch erfunden. Wann hört man etwa in der Courante der ersten Suite die Sechzehntel-Folgen ab Takt 31 schon mit einem derart vorwärts stürmenden Elan?

Die Préludes zu den Suiten schweben bei Boreck herüber wie eigene fantasievolle Erzählungen. Durch die stilisierten Tanzsätze gleitet er mit eleganten Ausfallschritten, mit wirbelnden Pirouetten, mit kräftigem Zugriff, mit Atem raubenden Schwüngen. Da hat er es Bachs Musik auf einmal richtig leicht gemacht: Ganz von allein entfaltet sie ihre Tiefgründigkeit.

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