Oldenburg - Kein Name steht so für Verrat wie seiner: Judas. Aber jetzt traut er sich ins Scheinwerferlicht, auf einer Bühne, in einem Theater. In einer selbst inszenierten Show spricht er über seine Motive, sein Leiden, sein Leben und vor allem über uns. Judas Iskarioth – der Verräter Jesu, der Antiheld des christlichen Abendlandes erhebt seine Stimme mit Macht gegen alles, was Jahrhunderte lang über ihn gesagt worden ist.
2000 Jahre hat er geschwiegen, der Mann, dessen Name unzertrennlich mit dem von Jesus verbunden ist. Sie nannten ihn Messias und nagelten ihn dennoch an Kreuz. Aber erwarten Sie keine Entschuldigung, keine Rechtfertigung. Er will nur einiges richtig stellen an dem Verrat. Eine ganz menschliche Geschichte macht sich hier auf den Weg mit und ohne Schuld und Reue: Er ist charmant, witzig, aber er wütet auch und manchmal ist er verzweifelt. Im Prinzip ein Mensch wie du und ich. Ohne Licht kein Schatten, ohne Judas kein Jesus. Und ein Kuss, der den Lauf der Welt verändert hat.
Das Stück „Judas“ feiert am Samstag, 23. Oktober, im Theater k der Kulturetage seine Premiere. Lot Vekemans, eine niederländische Theaterautorin hat den mitreißenden Text geschrieben, eine andere Geschichte über „ihren Held“. Sie sagt: „Judas wird von Menschen verhöhnt, damit sie ihre eigenen Seelen reinwaschen. Es ist auffällig, dass in Porträts, die über die Jahrhunderte entstanden sind, Judas immer hässlicher und böser dargestellt wurde“. Mit diesem Text gelingt ihr eine geschichtliche Gradwanderung.
Das Theaterstück „Judas“ wurde bisher an vielen deutschen Bühnen gespielt und gefeiert. Nun ist es zum ersten Mal in Oldenburg in der Kulturetage zu sehen. Kai Janssen spielt die Rolle des Judas in der Regie von Ulf Goerges eindrücklich als Psychogramm eines Menschen, der um Rehabilitation kämpft und der dies immer wieder im Dialog mit dem Publikum versucht. Denn: Wir können nicht wissen, wer wir heute ohne seine Tat wären. Wir wissen aber, spätestens nach dieser Show, dass wir ohne ihn nicht die wären, die wir sind. Und er entlässt sein Publikum mit der Frage: Steckt nicht in jedem von uns auch ein Judas?
