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Demo der „Kulturgesichter0441“ in Oldenburg Kulturfreunde zeigen erhellende Solidarität in düsteren Zeiten

Julius Rabba

Oldenburg - Schon seit über einem Jahr müssen wir nun auf Konzerte, Theaterstücke und Disco-Besuche verzichten. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona Pandemie treffen vor allem die Kulturschaffenden, die nun auf ein sehr dürftiges Jahr zurückschauen.

Um auf diese missliche Lage aufmerksam zu machen, versammelten sich Samstagnachmittag rund 50 Kulturliebhaberinnen und -liebhaber auf dem Schlossplatz und liefen mit Lichtern und Plakaten um die Innenstadt. Organisiert wurde die Demo unter dem Motto „Kulturlichter Oldenburg“ von den Teilnehmern des Projektes „Kulturgesichter0441“ (siehe Infobox).

Zum Hintergrund:

Das Projekt „Kulturgesichter0441“ ist ein Zusammenschluss von Oldenburger Kulturschaffenden, die in Zeiten von Corona zur Unterstützung ihrer Branche aufrufen, und Teil der bundesweiten Initiative #Kulturgesichter. Zu dieser gehören Menschen aus der Veranstaltungsbranche, die seit Mitte März 2020 vom Lockdown betroffen ist.

Im Rahmen der Aktion „Ohne uns ist’s still“ wollen die „Kulturgesichter0441“ dafür sorgen, dass der kulturelle Bereich bei den Bürgerinnen und Bürger nicht in Vergessenheit gerät. Kultur sei nämlich immer da, auch wenn sie momentan nicht frei agieren könne.

Finanziell steht den Oldenburger Kulturschaffenden sprichwörtlich das Wasser bis zum Hals. Auch von den angekündigten Corona-Hilfspakten sei laut der Mit-Organisatorin und Dozentin Manuela Girgsdies bisher nur vereinzelt etwas angekommen. Wirtschaftlich spiele die Kultur allerdings eine große Rolle für die Region, sagt die 44-Jährige, was oft nicht thematisiert werde: Der Veranstaltungssektor sei Deutschlands sechstgrößte – und Niedersachsens drittgrößte – Wirtschaftskraft.

Sehnsucht ist groß

Neben dem Drang der Kulturschaffenden, endlich wieder der persönlichen Berufung nachgehen zu können, wächst auch bei vielen Kulturliebhaberinnen und -liebhabern die Sehnsucht nach inspirierenden Darbietungen. Neben Kulturbetreibern nahmen trotz sehr wechselhaften Wetters auch Außenstehende an der Demo teil. Jinke Fanselau ist eine davon und hat die Aktion mitorganisiert. Für sie sei es nun besonders wichtig, herauszufinden, wie viele Kulturschaffende in Oldenburg momentan betroffen sind und wie man diesen am besten helfen kann. Es seien so viele Leute an der Kultur beteiligt, sagt die 43-Jährige, das werde oft nicht beachtet.

„Auf dem Konzert sieht man meist nur den Sänger und die Band. Wer für das Licht, den Ton und das Essen verantwortlich ist, vergisst man schnell“, sagte Fanselau. Dies solle die Demonstration am Schlossplatz aufgreifen und den Bürgerinnen und Bürgern noch einmal die Relevanz der Kultur für Wirtschaft und Gesellschaft verdeutlichen. Bei den Teilnehmern kam die Aktion bestens an. So sagte Musiker Ulrich von Minden, dass Gastronomie und Kultur mit den richtigen Konzepten sehr wohl wieder öffnen könnten.

Viele Berufszweige

„Der Mensch lebt nicht nur von Essen und Liebe“, so der 56-Jährige, sondern auch von der momentan ausbleibenden geistigen Inspiration.

Auch für die Oldenburger Schausteller bedeutet die Pandemie einen drastischen Verdienstausfall. „Wir standen letztes Jahr komplett still“, resümierte Rick Pasquali, Fachgruppenleiter des Berufsverbands der Schausteller und Marktkaufleute Oldenburg. Der Vorsitzende David Eisenhauer sagte, dass gerade Volksfeste die Menschen wieder zusammenführen und man den positiven Einfluss dieser in der Pandemie miteinbeziehen solle.

David Eisenhauer, Sandy Schmidt und Rick Pasquali (von links). Bild: Julius Rabba

David Eisenhauer, Sandy Schmidt und Rick Pasquali (von links). Bild: Julius Rabba

Aufmerksam machen

Die Belange der Kulturschaffenden sollten wirklich ernstgenommen werden und Aktionen wie eine solche Demonstration können genau das erreichen, sagte die Künstlerin Laura Keppel. Die ungewollte Arbeitslosigkeit sorgt auch bei ihr für Verdienstausfälle. Ihre beiden Kinder Enno (7) und Anton (9) waren ebenfalls dabei, schließlich leiden auch sie indirekt an den Pandemie-bedingten Einschränkungen der Kultureinrichtungen.

Laura Keppel mit Enno (7) und Anton (9)

Laura Keppel mit Enno (7) und Anton (9)

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