Oldenburg/Varel - Es ist eine alarmierende Zahl, die Dr. Rupert L. Dernick nennt: „10 Millionen Haus- und Facharzttermine werden mit einem Kabinettsbeschluss vernichtet“, meint der Kinder- und Jugendarzt aus Varel mit Blick auf die Entscheidung der Landesregierung, im Haushalt 2024 keine weiteren Mittel für die Universitätsmedizin Oldenburg vorzusehen. Dernick ist Sprecher der Kinder- und Jugendärzte im Bereich Wilhelmshaven/Friesland/Wesermarsch und Lehrbeauftragter der European Medical School.
Um die ärztliche Versorgung auch in Zukunft sichern zu können, bedürfe es schon jetzt der Ausbildung. Aber: „Es gibt zu wenig Medizinstudienplätze.“ Experten fordern mindestens 5000 neue Studienplätze pro Jahr in Deutschland. Niedersachsen ist Schlusslicht mit der bundesweit geringsten Ärzteausbildungsquote.
Geld fehlt jetzt
Bereits in diesem Jahrzehnt würden zusätzlich 1400 Hausärztinnen und -ärzte und dazu 1000 ambulante Fachärztinnen und -ärzte im Nordwesten benötigt, hat die Universität Oldenburg errechnet. Ohne finanzielle Mittel im kommenden Jahr werde sich der Ausbau von derzeit 120 Medizinstudienplätzen pro Jahr auf 200 zwangsläufig weiter verzögern, warnt auch die Universität. Ab dem Wintersemester 2026/27 sind 200 Studienplätze in Oldenburg geplant. Dafür müssen aber schon vorher die Voraussetzungen geschaffen werden. Allein um das erforderliche Personal kontinuierlich aufbauen zu können, wäre für 2024 eine erste Aufstockung um 10,7 Millionen Euro auf 53 Millionen Euro notwendig gewesen. Geld, das die Landesregierung nicht eingeplant hat. „Das Land verliert nun weitere wertvolle Zeit für die Sicherung seiner Krankenversorgung“, beklagt sich auch Dekan Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang.
Einfache Rechnung
Wenn der Aufwuchs in Oldenburg nach dem Nein aus Hannover nicht im geplanten Zeitrahmen umgesetzt werden könne, rechnet Dernick ab 2035 bei der Ärzteversorgung mit einer Katastrophe: Dann seien 30 bis 40 Prozent der jetzt tätigen Haus- und Kinderärztinnen im Ruhestand, Nachwuchs sei schon jetzt knapp und könne durch die aktuellen Studentenzahlen nicht gedeckt werden. Gingen von den für Oldenburg zusätzlichen 80 Medizinstudenten nur die Hälfte in eine Praxis und versorgten an 220 Arbeitstagen im Jahr 40 Patienten pro Tag (viele Ärzte versorgen auch 100 und mehr) und das über 30 Jahre gerechnet wird (die Arbeitszeit einer fertigen Ärztin bis zur Rente), bedeuteten 80 Studienplätze 10 Millionen fehlende Facharzt-, Haus- und Kinderarzttermine. Die „vernichteten“ Kapazitäten seien auch nicht aufzuholen, betont Dernick: „Es wird und kann ja nicht in den Folgejahren 280 Studienplätze geben.“
