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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Kontaktanzeige trifft mitten ins Herz

10.07.2018

Oldenburg Die Worte trafen mitten ins Herz. Als Elfi H. in der Nordwest-Zeitung die gelb unterlegte Anzeige las, war es um sie geschehen. „Komm, gib mir deine Hand. Lehn dich bei mir an. Fühl dich wohl und erfahre Geborgenheit bei mir“, stand da geschrieben. Und Elfi H. wusste: Den muss ich kennenlernen.

Das ging allerdings nicht nur ihr so. Mehr als 40 Frauen wollten mit dem 1,91 Meter großen „Endsechziger“ reisen, bummeln oder aufs Weinfest gehen. Eine sehr erfreuliche Resonanz für Friedrich B., der das Inserat geschaltet hat. Zuvor hatte er sein Glück bei der Internet-Vermittlung Elitepartner versucht. „Dort musste ich viel Geld bezahlen, es war aber niemand dabei, der aus der Nähe kam“, sagt er. Als er etwas geknickt wegen der vergeblichen Suche auf seiner Terrasse saß, ersann er den Text für die NWZ, der sich als Volltreffer erweisen sollte.

Dass liebevoll formulierte Anzeigen die Chancen erhöhen, ist sicher nichts Ungewöhnliches. Was dieses Inserat aber so besonders macht: Es hat auf beiden Seiten sofort gefunkt. Und zwar so sehr, dass Friedrich B. nur knapp zehn Tage nach dem ersten Treffen mit seiner Auserwählten alle anderen Damen, die ihm geschrieben hatten, per Anzeige informierte: „Die Richtige war auf Anhieb dabei. Danke an euch alle für die netten Zeilen. Es überfordert mich, euch alle anzurufen.“ Mit charmanten Worten wünschte er allen Frauen einen wunderbaren Sommer. Und schredderte die Schreiben.

Mit fünf Frauen hatte er sich verabredet. Das erste Treffen war „erfreulich“, aber mehr auch nicht. Elfi H. stand in seiner Terminliste auf Platz fünf, Friedrich B. wollte sie gleich am Samstag zum Essen einladen. Das ging Elfi H. aber zu flott, sie wollte es vorsichtig angehen lassen, lieber erst einmal Kaffeetrinken. Friedrich B. rückte die Nummer fünf kurzentschlossen auf Platz zwei, war er sich zu dem Zeitpunkt seiner Sache doch schon sehr sicher. Das erste Treffen fand bei einem Bäcker in der Nähe statt, beide wohnen im Oldenburger Stadtnorden nur fünf Autominuten voneinander entfernt.

Freizügige Bilder

Elfi H. war von dem Inserat so angetan, dass sie ihrem Brief – anders als bei früheren gelegentlichen Kontaktanschreiben – gleich ein Bild beigefügt hatte. Das war in der Anzeige zwar gar nicht erbeten, aber so hoffte sie, ihre Chancen zu erhöhen. Der Plan ging auf. Anders als bei anderen Frauen, berichtet Friedrich B. Einige Damen hätten Bilder mit freizügigen Ausschnitten geschickt, eine Anwärterin präsentierte sich gleich im Bett. „Obwohl ich für weibliche Reize sehr empfänglich bin, hat mich diese ,Offenheit‘ erschreckt und eher nicht neugierig gemacht“, so B.

Die schnelle Entscheidungsfähigkeit sieht Friedrich B. in seiner beruflichen Laufbahn begründet. 20 Jahre war er als Innendienstleiter bei einem Landkreis beschäftigt und hat als Personalverantwortlicher viele Bewerbungsgespräche geführt. „Da hat man 15 Minuten Zeit, um zu entscheiden. Das lernt man.“ Und auch das schöne Schreiben ist mit früheren Erfahrungen verbunden: „Ich habe als freier Journalist und Redenschreiber gearbeitet“, erklärt er sein sprachliches Geschick.

Mit dieser Anzeige dankte Friedrich B. allen Frauen für ihre Zuschriften.

Elfi H. zumindest war auf Anhieb überzeugt: Wer so toll formuliert, muss ein gefühlvoller Mensch sein. Aber nicht nur das: Vor allem begeistert sie die Unternehmungslust ihres neuen Partners. „Er hat so viele tolle Ideen.“ Eine Lesung von Axel Hacke in Oldenburg, die Oper „Nabucco“ in Westerstede und eine Berlin-Reise sind nur einige der geplanten Programmpunkte. Ein dickes Plus verzeichnete der Frischverliebte auch mit einem selbst gebackenen Erdbeerkuchen, den er beim ersten Treffen zuhause servierte.

Etwas geschummelt

Beide können es noch kaum fassen, das passende Pendant für ihre Lebensvorstellungen gefunden zu haben. Sich seiner Sache so schnell so sicher zu sein, ist bestimmt ein besonderes Glück. Aber haben die Frischverliebten vielleicht einen Ratschlag, wie es auch anderen gelingen kann? „Authentisch sein und nichts Falsches versprechen, das kommt sowieso raus“, sind sich beide einig. Obwohl: Auch Friedrich B. hat ein bisschen geschummelt, räumt er reumütig ein. Der „Endsechziger“ war bereits siebzig. „Das hat er aber gleich gestanden, und ich habe ihm verziehen“, sagt seine Liebste lachend.

Ansonsten steht für beide fest, dass man nicht schlecht über vergangenen Beziehungen reden sollte. Für sie zählt aber ohnehin nur die gemeinsame Zukunft.

Irmela Herold
Redakteurin
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2152

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