Oldenburg - Sie hat sich ihr „kleines Seniorinnenabenteuer“ gegönnt. So nennt Doris Fuhlbohm die Entstehungsgeschichte ihres ersten Buches. Die 69-Jährige, die es von Berufs wegen gewohnt war, Texte für Vorträge, für Flyer oder Pressemitteilungen zu schreiben, hat nun im Ruhestand ihre schriftstellerische Kreativität ausgelebt. Herausgekommen ist ein Buch, dessen Titel schon nachdenklich macht.
„Das Leben so schön, so gemein, so gefährlich“ steht auf dem Buchdeckel, darunter ein Foto von einer Menschengruppe am Strand. Am Himmel über dem Meer zieht ein Gewitter auf. Titel und Foto stimmen darauf ein, was einen auf den 80 folgenden Seiten erwartet: Geschichten über das Leben, das eben nicht immer schön geradlinig ist, sondern Höhen und Tiefen hat. „12 Frauen – 7 Geschichten“ heißt der Untertitel des Buches (ISBN 978-3-7308-1805-3, Preis 9,90 Euro), für das die Autorin sich ein Pseudonym ausgedacht hat: Dora Frieda.
Bis in die zweite Reihe
Auch dafür gibt es eine Erklärung: Nämlich die klare Abgrenzung zu ihrem beruflichen Leben. Doris Fuhlbohm war nach ihrem Sonderpädagogikstudium in Emden ab 1978 die erste Leiterin des damaligen Jugend- und Freizeitheims „Pferdestall“ in Schortens (Landkreis Friesland), übernahm dann die Leitung des Frauenhauses in Wilhelmshaven und kehrte 1994 ins Schortenser Rathaus zurück, wo sie erst als Frauen- und später als Gleichstellungsbeauftragte arbeitete. Im Jahr 2013 wurde sie in den Ruhestand verabschiedet, den sie zusammen mit ihrem Mann in Oldenburg genießt. „Doris Fuhlbohm war ich als Frauenbeauftragte, als Dora Frieda bin ich in die zweite Reihe gerückt“, sagt sie.
In Abgründe geguckt
In ihrem Berufsleben als Sozialpädagogin habe sie in die Abgründe des Lebens geguckt. „Aber ein Buch darüber schreiben? Nee, das möchte ich nicht“, betont die 69-Jährige. Am kreativen Schreiben hatte die Ruheständlerin aber Spaß. Zunächst als Kolumnistin auf der Seniorenseite der Wilhelmshavener Zeitung. „Das fand ich schon mal cool“, sagt sie. Dann wollte sie mehr. „Erst wollte ich Krimis schreiben. Aber dann lieber über die nette Frau von nebenan, der passiert ja auch was“, erzählt Doris Fuhlbohm, die auch ihre Selbstzweifel nicht verschweigt.
Termine für zwei Lesungen aus dem Buch „Das Leben so schön, so gemein, so gefährlich“ stehen fest.
Sonntag, 3. Oktober: Ab 15 Uhr liest Dora Frieda alias Doris Fuhlbohm in der Evangelischen Familien- Bildungsstätte in Wilhelmshaven, Feldmark 56. Der Eintritt ist frei; Anmeldungen sind erforderlich unter der Telefonnummer 04421/32016.
Dienstag, 5. Oktober: 17 Uhr im Familienzentrum „Pferdestall“ in Schortens-Heidmühle, Alter Brauerweg 1; freier Eintritt, Anmeldung erforderlich unter Tel. 04461/909943 oder sandra.gudehus@pferdestall.de.
Die Zeit der Pandemie nutzte sie dann, um angefangene Geschichten zu Ende zu schreiben und sie beim Oldenburger Isensee-Verlag einzureichen. Von der Zusammenarbeit mit Lektorin Fenna Jürgens schwärmt Doris Fuhlbohm immer noch. Sie habe sie auf so manche Idee gebracht, auch für den Titel des Buches. Frauensozialisation in allen Facetten wollte Fuhlbohm beschreiben. „Unterhaltungswert sollten die Texte haben und nicht so eine Schwere.“ Das ist ihr gelungen.
Schwächen und Stärken
Leichte Kost ist der Inhalt ihrer sieben Geschichten aber nicht. Frauen, die ein unspektakuläres Leben führen, werden mit Ereignissen konfrontiert, die sie aus der Bahn werfen könnten. Zwangsehe, häusliche Gewalt, sexueller Missbrauch, übertriebene Mutterliebe und Betrug sind zum Beispiel Dora Friedas Themen. Sie erzählt von menschlichen Schwächen und Stärken. Inhalt und Stil regen dazu an, darüber nachzudenken, wie man sich wohl selber verhalten hätte.
