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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Klinikum Oldenburg stellt Mitarbeiter frei

09.02.2019

Oldenburg Das Klinikum Oldenburg hat mit sofortiger Wirkung zwei Mitarbeiter, gegen die im Fall des Patientenmörders Niels Högel wegen Meineids ermittelt wird, vom Dienst freigestellt. „Eine mögliche Falschaussage vor Gericht torpediert die Bemühungen des Klinikums Oldenburg um schonungslose, lückenlose Aufklärung und kann vom Klinikum Oldenburg nicht toleriert werden“, teilte der Vorstand des größten Oldenburger Krankenhauses am Freitag mit.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hatte zuvor Meineid-Verfahren gegen vier ehemalige Kollegen des Patientenmörders Högel eingeleitet, die als Zeugen im Mordprozess durch große Erinnerungslücken aufgefallen waren. Gegen einen weiteren Ex-Mitarbeiter ermittelt die Behörde wegen uneidlicher Falschaussage. Nur zwei der Zeugen sind aktuell noch im Klinikum beschäftigt; nach Informationen der NWZ handelt es sich dabei um einen Leitenden Oberarzt und einen stellvertretenden Stationsleiter.

Das Klinikum hat nach eigenen Angaben am Donnerstag aus der NWZ von den Ermittlungen erfahren. Vorstandschef Dr. Dirk Tenzer bat die Öffentlichkeit, die Zeugen „nicht vorschnell“ zu verurteilen. Er betonte, das Klinikum stehe „nicht nur zu seiner historischen Verantwortung, sondern auch zu seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“. Er forderte die Staatsanwaltschaft auf, den Vorwurf der Falschaussage jetzt „schnellstens“ zu prüfen.

Über eine Freistellung von Mitarbeitern, gegen die im Fall Högel wegen des Vorwurfs „Tötung durch Unterlassen“ ermittelt wird, denkt das Klinikum hingegen nicht nach. „Bei den möglichen Straftaten durch Unterlassen, die teilweise mehr als 17 Jahre zurückliegen, haben wir bis heute keine gesicherten Erkenntnisse, was den Personen konkret vorgeworfen wird“, sagte Tenzer auf Nachfrage der NWZ. „Bis heute haben wir trotz jahrelanger Bemühungen keine Akteneinsicht im Verfahren gegen die fraglichen Mitarbeiter von der Staatsanwaltschaft erhalten.“ Nach Informationen der NWZ ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen fünf ehemalige Klinikum-Mitarbeiter, die trotz deutlicher Hinweise Högel nicht gestoppt haben sollen. Sie sollen dafür gesorgt haben, dass Högel zunächst intern versetzt und schließlich mit einem guten Zeugnis entlassen wurde. Zwei dieser Mitarbeiter, ein Chefarzt und ein Stationsleiter, sind auch heute noch im Klinikum tätig.

Akteneinsicht dürfte das Klinikum freilich auch im Meineid-Verfahren kaum erhalten haben. Den Fall bewertet Tenzer dennoch anders: „Wir haben in den letzten vier Jahren unsere Mitarbeiter klar aufgefordert, an der Aufklärung der Taten mitzuwirken. Wenn nun Meineidverfahren eingeleitet werden, können wir nicht ausschließen, dass gegen diese Forderung durch diese Mitarbeiter aktuell verstoßen wurde, weshalb wir uns – auch zu deren Schutz – für eine Freistellung entschieden haben.“

Der Vorstand verteidigte am Freitag auch noch einmal das Vorgehen des Hauses, allen Mitarbeitern einen Anwalt als Zeugenvorstand zu stellen und zu bezahlen. Man werde das auch in Zukunft tun. Beamte der Soko „Kardio“ hatten es bei ihrer Aussage vor Gericht als auffällig und ungewöhnlich bezeichnet, dass nahezu alle Mitarbeiter des Klinikums mit Rechtsanwalt zu polizeilichen Vernehmungen in der Sache Högel erschienen waren. Auch zur Zeugenaussage vor Gericht hatten sich die meisten Mitarbeiter von einem Anwalt begleiten lassen.

Högel arbeitete von 1999 bis 2002 im Klinikum Oldenburg. Er soll dort nach den Erkenntnissen der Sonderkommission „Kardio“ mindestens 36 Patienten ermordet haben. Ende 2002 wechselte er von Oldenburg nach Delmenhorst, wo er mindestens 70 weitere Patienten getötet haben soll. Högel steht zurzeit in Oldenburg vor Gericht, wo ihm der Prozess wegen 100-fachen Mordes gemacht wird.

„Das Klinikum unterstützt seit 2014 vorbehaltlos die Aufklärung im die damaligen Vorfälle in unserem Hause rund um Niels Högel“, betont Klinikvorstand Dirk Tenzer.

Mehr Berichte gibt es im Spezial zum Krankenpfleger-Prozess.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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