Oldenburg - Wie bekommt man mehr Menschen in die Busse? Die für den Nahverkehr zuständige VWG hat im Verkehrsausschuss ein Gutachten vorgestellt, das konkrete Vorschläge macht. Der „Speckgürtel“ der Stadt soll demnach günstiger fahren. Aber auch für Oldenburg könnten sich Angebote ändern.
Neue Zonengrenzen in Oldenburg
Bislang ist die Stadtgrenze auch die Tarifgrenze. Innerhalb Oldenburgs kostet ein Einzelticket 2,55 Euro. Wer aus den direkt angrenzenden Ortschaften mit dem Bus fährt, muss eine Fahrkarte der Preisstufe B (3,70 Euro) lösen. Wer aus Ofen oder Hundsmühlen in die Innenstadt möchte, zahlt also deutlich mehr, obwohl der Fahrtweg kürzer ist als zum Beispiel für die Krusenbuscher. „Wenn man nach Metjendorf oder Ofenerfeld fährt, da gibt es eine durchgehende Bebauung, da merkt man gar nicht, dass man über die Stadtgrenze fährt“, so VWG-Geschäftsführer Michael Emschermann im Ausschuss.
VWG-Geschäftsführer Michael Emschermann. Bild: VWG
Abhilfe könnte laut Gutachten eine sogenannte neutrale Zone schaffen. Das bedeutet, dass die angrenzenden Ortschaften Wahnbek, Ofenerfeld, Metjendorf, Wehnen, Ofen, Petersfehn, Wildenloh, Friedrichsfehn, Hundsmühlen, Tungeln und Südmoslesfehn aus tariflicher Sicht quasi eingemeindet würden. Auch Abotickets würden dadurch günstiger.
Die Gutachter rechnen mit 5 bis 12 Prozent mehr Fahrgästen. Dies würde nach den Berechnungen aber nicht die Mindereinnahmen ausgleichen: 214.000 Euro müssten wohl aus öffentlichen Haushalten zugeschossen werden.
Zonen zusammenlegen
Um den Weg über die Schiene aus dem Umland nach Oldenburg günstiger zu gestalten, bringt das Gutachten die Zusammenlegung von Tarifzonen ins Spiel. Konkret geht es um Wardenburg und Hatten (Bahnhalt Sandkrug), Bad Zwischenahn und Edewecht (Bahnhalt Bad Zwischenahn) sowie Wiefelstede und Rastede (Bahnhalt Rastede). Kunden bräuchten statt eines Einzeltickets der Preisstufe C (4,85 Euro) nur noch eines der Preisstufe B (3,70 Euro), weil auf dem Weg nach Oldenburg eine Zone wegfiele. Über diese Maßnahme müssen die Gemeinden und Landkreise mit entscheiden.
Bei der Nachfrage gehen die Gutachter von einer Steigerung von 12 bis 18 Prozent aus bei Mindereinnahmen von 47.000 Euro.
Nachtzuschlag abschaffen
Aus Oldenburger Sicht positiv: Abgeschafft werden könnte der Nachtzuschlag (1 Euro). „Da sind wir mit den letzten im VBN, die den noch erheben“, so Emschermann. Die Einnahmen würden dadurch nach Berechnung der Gutachte um 20.000 Euro sinken.
Kurzstrecke wiederbeleben
Innerhalb Oldenburgs wieder eingeführt werden könnte die 2014 abgeschaffte Kurzstrecke. Damals gab es dafür feste Zonen. Diesmal schwebt der VWG eine Regelung vor, nach der man von jeder Haltestelle aus zum Preis von 1,50 Euro drei Stationen fahren darf. Die Mindereinnahmen könnten im Idealfall durch mehr Fahrgäste ausgeglichen werden.
Umsetzung bereits im neuen Jahr?
Für die Umsetzung braucht es neben der Unterstützung der Kommunen die Zustimmung in den Gesellschafterversammlungen des VBN (Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen) und ZVBN. (Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen). Diese Gremien sind für Tariffragen zuständig. Emschermann sprach im Ausschuss davon, dass erste Maßnahmen bereits zum neuen Jahr greifen könnten.
Reaktionen aus der Politik
Die Politik reagierte grundsätzlich positiv. Allerdings sind die Bestrebungen einiger Fraktionen, einen für Fahrgäste kostenlosen Nahverkehr oder ein 365-Euro-Ticket einzuführen, damit nicht vom Tisch. „Dies kann nur der erste Schritt hin zu einem neuen Mobilitätskonzept sein“, sagte Pierre Monteyne (Grüne). Christiane Ratjen-Damerau (FDP) hätte sich mehr Innovation gewünscht. Jan-Martin Meyer (Piraten) kritisierte in Richtung Emschermann, dass das Gutachten „zu der Lösung kommt, zu der Sie kommen möchten“.
Der VWG-Geschäftsführer warnte indes erneut vor zu viel Hoffnung in die Wirkung von kostenfreien oder sehr günstigen Fahrscheinen, gerade wenn sie nur in der Stadt gelten. Schließlich habe man hier vor allem viele Pendler. „Tarifliche Maßnahmen allein in Oldenburg werden das Verkehrsproblem nicht lösen.“
