Oldenburg - Ralf Gehling ist bei seinem ersten Oldenburg-Besuch begeistert: „Ich glaube, es ist das einzige unserer Reviere, an dem nur Polizei steht“, so der neue Leiter der Bundespolizeiinspektion Bad Bentheim, zu der auch das Revier Oldenburg gehört. Üblich ist der Schriftzug „Bundespolizei“. So aber, da ist der 57-Jährige sicher, sei das viel besser. „Der Bürger unterscheidet doch nicht zwischen Landespolizei und Bundespolizei.“
Der Polizeidirektor muss es wissen. Schließlich kennt er beide Behörden. Seit mehr als 40 Jahren ist der Münsteraner Polizist, hat 1978 im mittleren Dienst bei der Landespolizei in Nordrhein-Westfalen angefangen und wechselte 2009 –schon im höherer Dienst angekommen – zur Bundespolizei. Dazwischen liegt eine spannende Vita: Gehling war in der Einsatzhundertschaft, der Altstadtwache Düsseldorf, bei der Wasserschutzpolizei und beim Landeskriminalamt, hat Auslandsverwendungen in Bosnien-Herzegowina, im Kosovo und beim Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen in Den Haag sowie im Sudan, in Djibouti und in Somalia. Überall hat er mitgewirkt, demokratische Polizeistrukturen aufzubauen. Seit dem 20. März ist er nun Leiter der Bundespolizeiinspektion Bad Bentheim. „Ich bin gerade noch rechtzeitig raus gekommen“, schildert er. Viele Flieger gingen nach seinem Abflug aus Mogadischu nicht mehr.
Muss einem der deutsche Nordwesten da nicht langweilig vorkommen? „Überhaupt nicht. Die Polizeiinspektion bietet viel, unter anderem 184 Kilometer Grenze.“ Dazu ein großer Teil Niedersachsens mit ganz unterschiedlichen Bereichen und polizeilichen Aufgaben. „Das ist ein gewaltiger Bereich, sehr vielfältig“, weiß er schon nach wenigen Wochen. Hier gibt es mehrere Bahnhöfe, an der Grenze, die in Schengen-Staaten ja eigentlich keine mehr ist, vor allem aber auch Rauschgiftkriminalität und Menschenhandel. „Sehr spannend“ ist für den auslandsaffinen Polizisten gerade auch der Bezug zu den Niederlanden. „Das ist eine wunderbare Kooperation.“ Das gelte übrigens auch für die Zusammenarbeit mit der Landespolizei. „Wir unterstützen uns gegenseitig ausgezeichnet.“
„Die Inspektion läuft“, sieht der 57-Jährige keinen Grund, etwas Grundlegendes zu ändern. Und dennoch sieht er auch Luft nach oben: „Ich hätte gerne noch mehr Kollegen auf Streife und in den Zügen.“ Für insgesamt 35 Polizisten ist das Gebiet des Reviers Oldenburg aber zu groß, um überall sein zu können. „Da kann ich leider nicht jeden Bahnhof mit Personal besetzen.“ Seine Hoffnung: Die laufende Einstellungsoffensive und das anhaltende Interesse junger Menschen am Polizeiberuf.
