Oldenburg - Tierisch geht es in zahllosen Bilderbüchern ab. Die Geschichten drehen sich um unzählige Tierarten. Manche Spezies taucht oft auf, manche seltener, andere kaum. Das Frettchen ist so ein Exot. Doch nun führt auch dieses Raubtier ein Bilderbuchleben. Dafür ist in erster Linie Ulrike Peine-Müller verantwortlich.
Ihrer Fantasie ist das Frettchen Fredo entsprungen. Im Jahr 2018 wurde die 69-Jährige in den Ruhestand verabschiedet – nach 43 Jahren als Lehrerin, davon 30 Jahre als Leiterin der Grundschule Moorriem in Eckfleth (Kreis Wesermarsch). „Als 150-prozentige Lehrerin und Schulleiterin hatte ich ja ein bisschen Angst vor dem sogenannten schwarzen Loch“, sagt sie.
Doch in diesen Abgrund ist die agile Frau nie geraten. Sie hat sich lieber einen Traum erfüllt. „Ein Bilderbuch wollte ich schon immer mal machen“, erzählt sie. Als eines ihrer beiden Enkelkinder fünf Jahre alt wurde, war die Zeit dafür gekommen.
Die Vorgeschichte
Die Geschichte vom Frettchen Fredo übersetzte die erfahrene Pädagogin in eine Sprache für Kinder im Grundschulalter. Viertklässler der Schule in Eckfleth wurden dann darum gebeten, von Fredo Bilder zu malen.
Daraus entstand das Bilderbuch fürs Enkelkind. „Noch vor Corona“, betont die Pensionärin. „Ich habe dann später auch Kopien anderweitig verschenkt. Es kamen positive Resonanzen“, freut sie sich. Das „Projekt Bilderbuch“ sollte damit nicht zu Ende sein. Im Dezember 2020 traute Ulrike Peine-Müller sich, Klaus Henicz zu fragen, ob er Fredo professionell ein Gesicht geben könnte.
Der Oldenburger Künstler und ehemalige Förderschullehrer hatte nicht nur an der Grundschule Moorriem unterrichtet, sondern dort 2016 das Bilderbuch „Wuddeldick“ illustriert, das Lehrerin Ines Hünlein verfasst und die pädagogische Mitarbeiterin Anke Koopmann ins Plattdeutsche übersetzt hatte.
„Ich war als Schulleiterin eine Förderin des Projekts“, so die 69-Jährige. Nun wollte sie Henicz für ihr eigenes Projekt begeistern.
Fredo nimmt Gestalt an
Der bat sich drei Tage Bedenkzeit aus. Der zweifache Großvater bekam dann nach einem Besuch in einem Bremer Buchladen beim Durchblättern von Bilderbüchern aber schnell Lust aufs Frettchen Fredo. Er rief Ulrike Peine-Müller, die mit ihrem Mann in Ganderkesee lebt, an und sagte: „Schick mir deinen Text.“ Die Autorin erinnert sich noch ganz genau: „Das war um 18 Uhr. Vor Mitternacht hatte ich die ersten Skizzen.“
Erst mit Aquarellfarben auf Papier, dann am IPad illustrierte Klaus Henicz (71) die Geschichte von Fredo. Der wandert durch den Wald, findet sich selber bemerkenswert, trifft auf andere Tiere, die sich vergleichsweise aber viel interessanter finden. Davon lässt sich das Frettchen nicht beirren. Das ist die Absicht der Autorin. „Ich bin ich. Ich bin einmalig. Ich bin gut so, wie ich bin.“ Das möchte Peine-Müller den Kindern vermitteln. Themen, die sie auch im Unterricht behandelt hat – einfach: „Die Kinder stark machen.“
Klaus Henicz hat das Ganze in ausdrucksstarke Bilder gebracht – und viele Details hinzugefügt. Es gibt viel zu entdecken beim Durchblättern. „Für die Enkelkinder“ lautet die Widmung im Buch. „Vielleicht zur Einschulung“, schlägt Ulrike Peine-Müller vor, die längst neue Ideen zu Fredo hat.
„Fredo ist ein Frettchen“ ist im Oldenburger Isensee-Verlag erschienen, ISBN 978-3-7308-177-6, 26 Seiten, 19,90 Euro.
