Oldenburg - Ruhig, klug und warm: So kommt Günter G. A. Markleins „Weihnachten in Oldenburg“ daher. Auf 80 Seiten stimmt der 80-Jährige, der wie Fontane viel hält von der Weisheit und Erfahrung zurückliegender Zeiten, auf das Fest ein. Sein Blick reicht weit zurück und weit über Oldenburg hinaus: in vergangene Advents-, Winter- und Neujahrstage, voller Erinnerungen und Stimmungen aus der Heimat: von Wangerooge bis ins Oldenburger Münsterland.
„Die Weihnachtszeit ist immer auch eine Zeit der Besinnung. Wir besinnen uns zurück auf das, was uns erdet, uns Halt und Energie für das neue Jahr gibt“, sagt Marklein. Oft sei das die Heimat und alles, was damit zusammenhänge. Er nimmt den Leser mit ins weihnachtliche Oldenburger Land mit Anekdoten, Bräuchen und Traditionen rund um die Weihnachtszeit – „und wärmt so ein bisschen auch das Herz“, sagt Marklein.
Winter- und Weihnachtsstimmung in Bad Zwischenahn
Marklein/Isensee
Winterlicher Abend im Ammerland – passend zur stimmungsvollen Kamingeschichte von Hermann Löns.
Marklein/Isensee
Holzmodeln fürs Weihnachtsgebäck
Marklein/Isensee
Klootschießen – ein Phantasiebild aus früherer Zeit
Marklein/Isensee
Klootschießen – die Bahnwieser in Aktion
Marklein/Isensee
Klootschießen – in Unterhosen und auf Socken tritt der Ostfriese an.
Marklein/Isensee
Klootschießen – der erste Wurf
Marklein/Isensee
Klootschießen – der mobile Schnapsstand
Marklein/Isensee
Winterfreuden im Oldenburger Land
Marklein/Isensee
„Weihnachten in Oldenburg“ – Autor Günter G. A. Marklein (li.) mit Verleger Florian Isensee
Karsten Röhr
Holzmodeln fürs Weihnachtsgebäck
Marklein/IsenseeBunt und Besinnlich
Es ist eine bunte Mischung. Helene Lange erinnert sich an ihre Winter- und Weihnachtstage in Oldenburg – nicht nur an das adventliche Stadtleben bei Schnee und Eis, an die Bescherung, auch an die Spekulatius, das „Heiligenchristzeug“: „Das allerbeste gab es bei Bäcker Schütte in der Schüttingstraße. Es war mit allerlei altertümlichen Formen ausgestochen; wir hatten besondere Lieblinge darunter: Josua und Kaleb mit der Weintraube und dem Elefanten.“
Marklein unternimmt nicht nur eine festliche, historische Reise durch das ehemalige Herzogtum, die von Sankt Martin übers Jul- zum Weihnachtsfest und den Rauhnächten reicht. Er hat ein Gespür für Erinnerungen, bei denen bis heute etwas mitschwingt, er nimmt Anleihen bei Alma Rogge, bei August Hinrichs, bei Hermann Hesse, bei Hebbel, er zitiert die Weihnachtsgeschichte in alten Lettern aus dem Lukasevangelium, er bringt sogar die Rezepte für Neujahrskuchen, Pfeffernüsse, Berliner, Ölkrabben und Grünkohl unter und streut mit „Unter dem Schornsteinkleid“ wohl „eine der eindrücklichsten und schönsten Geschichten von Hermann Löns“ ein, atmosphärisches Gold vom Kaminfeuer im winterlichen Zwischenahn.
Winterfest
Nicht Weihnachten, aber Heimat ist für viele auch das: Auf einen seiner Ausflüge nimmt Marklein die Leser gegen Ende mit zum Klootschießen zwischen Oldenburgern und Ostfriesen in Varel im Januar 1937, vor 15.000 Zuschauern: Der Oldenburger Fritz Fiene nordet noch seine Leute ein: „Jungens, wenn ji dittmal nich gewinnt, denn so kamt ji nich heel von’ Platz!“ Und dann geht’s los, im schneidenden Ostwind wogt das Spiel hin und her, während das Publikum das „Sudeltelt“ belagert mit Grogs und dampfender Fleischbrühe, fliegende Schnapshändler sind hier genau richtig, auch die fliegenden Händler mit Korinthenstuten und selbst der Wurstmaxe findet mit seinem beräderten Stand an diesem langen Tag seinen Weg übers Feld und alle Gräben. Ein Spektakel der Spitzenklasse, mit alten Bildern in schwarz-weiß.
Erschienen ist „Weihnachten in Oldenburg“ im Isensee-Verlag, es hat 80 Seiten und kostet 12,95 Euro.
