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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Luca – ein ungeklärter Fall

11.11.2017

Oldenburg Manchmal packt Luca einfach seine Koffer. Dann geht er aus dem Haus und macht Urlaub, der ungeklärte Fall der Oldenburger Familie Jakob. „Er kann es dann kaum erwarten“, sagt Melanie Jakob, seine Mutter. Welcher 17-jährige Junge möchte in den Ferien schon zu Hause rumhängen? Luca jedenfalls nicht. Jedenfalls nicht die ganze Zeit.

Ein ungeklärter Fall ist Luca, weil er laut Befund der Ärzte kerngesund geboren wurde, sich dann aber überhaupt nicht so verhalten hat. Seinen Eltern fiel das auf, als ihr Baby einfach nicht trinken wollte und niemand ihnen sagen konnte, warum. Ein Arzt fand schließlich heraus, dass das Herz des kleinen Jungen so sehr raste, dass er zum Trinken keine Kraft mehr fand. „Fast wäre es zu spät gewesen“, sagt seine Mutter.

Jahrelang rätselten die Ärzte, was Luca eigentlich fehlt, und sie fanden so einiges: Er ist gefährlich dünn, sein Herz stolpert manchmal, genau wie seine Füße. Auch Züge von Autismus haben sie ausgemacht. Einen Grund für all das haben sie nie gefunden.

Melanie und Kay Jakob leben auch ohne Diagnose mit ihrem Sohn und haben noch drei weitere Kinder bekommen.“ Laurent (15), Lucien (13) und Liliane (10) „wachsen über sich hinaus“, wie ihr Vater stolz erzählt. Das heißt, sie lernen dazu und werden immer selbstständiger.

Keine ruhige Minute

Luca ist in den Jahren nicht selbstständiger geworden. Und er weicht vor allem seiner Mutter kaum von der Seite. „Wir sind – so“, sagt die 42-Jährige, während sich Luca strahlend an ihren Arm klammert. „Er ist dabei, wenn ich koche, er quetscht sich mit mir in den Abstellraum, wenn ich die Wäsche mache.“ Lässt Luca kurz von seiner Mutter ab, dann ist sie es, die ihm in Gedanken bei jedem wackeligen Schritt durchs Haus folgt. „Wenn er in einen anderen Raum geht, dann weiß ich sofort, ob da ein Bauklotz auf dem Boden liegt, über den er fallen könnte“, sagt sie. Sie weiß, wenn irgendetwas nicht stimmt, sie hört es an der Art, wie er dann atmet. Nachts kommt es vor, dass Luca sich die Windel vom Körper reißt, dann ist wieder jemand bei ihm, um ihn zu wickeln.

Deshalb sind auch Melanie und Kay Jakob froh, wenn Luca sich ein paar Tage Urlaub gönnt. „Dann können wir abspannen, für uns und für unsere anderen drei Kinder“, sagt Kay. Ein Jahr hat es gedauert, bis sie sich dazu durchringen konnten, Luca für wenige Tage abzugeben, an den Wochenenden und in den Ferien. Den Betreuern im Haus Regenbogen in Oldenburg vertrauten sie.

Was passiert, wenn es kein Wochenende und keinen Kurzurlaub mehr voneinander gibt, hat Familie Jakob vor etwa einem Jahr erlebt. Zu den Winterferien 2016 gab es plötzlich keine Möglichkeit mehr, Luca kurzzeitig im Haus Regenbogen unterzubringen. „Wir müssen auf Kiola warten“, hatte Ute Dorczok gesagt, die das Haus Regenbogen leitet und gleichzeitig dem Förderverein für das Projekt Kurzzeitwohnen im Oldenburger Land vorsteht.

„Für uns brach eine Welt zusammen“, erinnert sich Melanie Jakob. „Besonders schlimm war es für Luca.“ Als er seine Koffer nicht mehr packen durfte, trauerte er. Allein hält er es kaum eine Viertelstunde aus, und immer dieselben ausgebrannten Eltern – das genügt seinen Ansprüchen nicht. Luca protestierte auf seine Weise und stellte das Essen ein. Für einen 1,70 Meter großen Jungen, der ohnehin kaum 40 Kilo wiegt, ist das eine ernste Gefahr. Für die ganze Familie bedeutete es einen weiteren Stresstest.

Fast musste Luca gehen

„Es stand wirklich auf der Kippe, ob wir Luca ganz weggeben“, sagt Melanie Jakob. Genau das haben die Eltern nie gewollt, und in diesem Punkt flammt die 42-Jährige auf: „Wenn Kinder mit Behinderungen ganz normal mit anderen zusammenleben sollen, dann in der Familie. Wir brauchen die Inklusion nicht in der Schule, wir brauchen sie hier.“ Ihre Familie kann das, sie muss nur ab und zu Kraft schöpfen dürfen.

Dass die Jakobs wieder in die Spur gefunden haben, verdanken sie dem Lopshof in Dötlingen. Monatelang hatten sie vergeblich nach einer Alternative gesucht, bevor sie auf das wenig bekannte Betreuungsangebot im Kreis Oldenburg stießen. Wahrscheinlich lassen sie Luca dort, auch wenn das neue Kiola-Gebäude in Oldenburg fertig ist.

Am Bedarf für Kiola ändert das nichts. „Ich weiß, wie viele Eltern es gibt, die eine solche Einrichtung dringend brauchen“, sagt Melanie Jakob. „Ich werde mich immer für Kiola engagieren.“

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