Oldenburg - „Ein Knaller, eine tolle Idee, das Bahnhofsviertel kann sich zum Kiez entwickeln“ – CDU-Ratsherr Thomas Theilsiefje lobte das Bauprojekt an der Ecke Kaiserstraße/Bleicherstraße in höchsten Tönen. Zuvor hatte Dennis Poelmeyer von Capital Real dem Bauausschuss am Donnerstagabend die Pläne für das ambitionierte Vorhaben auf dem 300 Quadratmeter großen Grundstück am Alten Stadthafen präsentiert, um das es in den vergangenen Jahren heftige Diskussionen gab.
Anlass war die mehr als 60 Jahre alte Avia-Tankstelle, die an dieser Stelle ortsbildprägend ist. Die hätte zur Überraschung vieler abgerissen werden können, weil sie nicht unter Denkmalschutz stand.
Bei einer Bereisung des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege sei der Tankstelle laut Baudezernent Sven Uhrhan im Jahr 2013 zwar eine „Denkmalwertigkeit“ bescheinigt worden. Mehr aber auch nicht. Das Grundstück wurde 2018 mit der Tankstelle drauf verkauft, und ein Jahr später lehnte die Denkmalpflege eine Unterschutzstellung ab, so Uhrhan. Dieser Entscheidungsprozess sei vielen offenbar nicht bewusst gewesen. Die Tankstelle hätte vom Investor sofort abgerissen werden können.
So sieht der Entwurf aus. Bild: 9grad
Wurde sie aber nicht. Die historische Anlage wird nun in den Neubau integriert und überbaut, wie Poelmeyer dem Ausschuss mitteilte. Er kündigte an, Miet- oder Boardingwohnungen erstellen zu wollen. Eine Entscheidung über die Nutzung sei noch nicht gefallen. Boardinghäuser sind hotelähnliche Anlagen, die „ein Zuhause auf Zeit“ bieten und von Unternehmen gern genutzt werden, die Angestellte nur für einen befristeten Zeitraum für spezielle Projekte beschäftigen.
Oberbürgermeister Jürgen Krogmann und Stadtbaurat Sven Uhrhan hatten das Verhalten des Landesdenkmalamtes (NLD) bei der Einschätzung der Denkmalwürdigkeit für die einstige Avia-Tankstelle (Baujahr 1955/56) kritisiert. „Um den Sehgewohnheiten der Oldenburger gerecht zu werden, wäre ein Erhalt der Tankstelle an diesem Ort natürlich wünschenswert – kann aber aus Gründen des Denkmalschutzes nicht mehr gefordert werden. Insofern wäre nun auch das Translozieren ins Museumsdorf Cloppenburg denkbar“, steht in einem Schreiben, das die Untere Denkmalschutzbehörde (gehört zur Stadt) verfasst hatte. Mit dem „Überbau“ scheint nun eine andere Lösung gefunden worden zu sein.
