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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Als das Theater eine „Bretterbude“ war

07.12.2017

Oldenburg Nichts ist so spannend wie die Geschichte einer Stadt. Und gleichermaßen so amüsant. Wer durch die Jahrhunderte alten und längst vergilbten Gemeindeblätter der Stadt Oldenburg stöbert, entdeckt dort zwischen den Zeilen Ereignisse und Beschlüsse, die sich bis in heutige Zeiten ausgewirkt haben. In unserer neuen Serie, die in loser Folge veröffentlicht wird, stellen wir die besondersten oder auch nachhaltigsten Einträge eines ganzen Jahres vor. Heute: 1879.

Neubau des Theaters Oldenburg

„Das Theater in hiesiger Stadt ist am 21. Februar 1833, also vor 46 Jahren, eröffnet. Das Gebäude, anfangs eine einfache, von einem Privatmann erbaute Bretterbude und nur auf die Dauer weniger Jahre berechnet, gelangte einige Jahre später durch Kauf in das Eigenthum Sr. Kgl. Hoheit, des hochseligen Großherzogs Paul Friedrich August, und wurde dann durch Umbauung mit Fachwerkmauern vergrößert und im Wesentlichen in den Zustand gebracht, in welchem es sich noch jetzt befindet. Der damaligen Größe der Stadt mit etwa 7000 Einwohnern einigermaßen entsprechend, genügt das Theater, nachdem die Einwohnerzahl sich nahezu verdreifacht hat, in keiner Weise dem Bedürfnisse mehr, weder in Bezug auf Größe, noch auf die Anforderungen, welche gegenwärtig an derartige Gebäude mit Recht gestellt werden. Namentlich gibt die leichte und feuergefährliche Bauart des Hauses zu großen Bedenken Anlass. (...) Das neue Theater erhält seinen Platz neben dem jetzigen Theater und zwar an der Südseite desselben, wo der Stadt, vorbehaltlich der Zustimmung des Landtages, ein geeignetes Terrain von den Wallgründen unentgeltlich überwiesen wird. Der Neubau muss spätestens am 1. Mai 1879 begonnen und so rasch gefördert werden, daß, wenn möglich, der Bau am 1. Septbr. 1880 fertig übergeben werden kann. (...) Das Haus muß für mindestens 900 Zuschauer Raum haben und solide und feuersicher ausgeführt werden.“

Straßenreinigung

„Jeder Eigenthümer eines nicht staatsgrundgesetzlich befreiten Grundstücks, auch wenn er dasselbe nur zum Theil benutzt, ist verpflichtet, die an dasselbe grenzenden Straßen bis auf die Mitte der Fahrbahn zu reinigen und von Gras und Unkraut frei zu halten, auch von den Trottoiren und Fußwegen den Schnee zu entfernen und dieselben, wenn sie glatt sind, mit Sand oder Torfmull zu bestreuen. (...) Niemand darf in oder an den Straßen sein Bedürfnis verrichten oder Unreinlichkeiten ausschütten. (...) Das Fensterwaschen über der Straße ist im Sommer nur bis 7, im Winter bis 8 Uhr Morgens gestattet. (...) Heiße Hündinnen dürfen nicht auf die Straße gelassen werden.“

Schutz der Friedenssäule

„Die Friedenssäule soll mit einer Einfriedung, bestehend aus 4 gußeisernen Ecksäulen und einem schmiedeeisernen Gitter, welches in der Mitte der einen Seite mit einer zweiflügeligen, verschließbaren Thür zu versehen ist, umgeben werden. Die Einfriedung hat eine Gesamtlänge von 28,76m und soll von einem Sandsteinsockel und darunter befindlichem Ziegelmauerwerk und Schwellrost getragen werden.“

Hundesteuer steigt

„Die Hundesteuer beträgt für das Jahr 1879: 1. in der Stadt Oldenburg, für einen Hund 6 Mark und für jeden ferneren Hund derselben Haushaltung jedesmal 6 Mark mehr. (...) Die Besitzer von Hunden werden aufgefordert, den Rottmeistern, im Stadtgebiet den Bezirksvorstehern, ihre Hunde vor dem 1. Februar d.J. anzumelden, zur Vermeidung der im §7 des Gesetzes vom 27. April 1853 angedrohten Strafe.“

Kranke im PFL

„Im P.-F.-L.-Hospital sind im Jahre 1878 außer den vom Jahre 1877 im Hospital verbliebenen 88 Kranken im Ganzen 1179 Kranke verpflegt, nämlich 411 Militärpersonen und 768 Personen bürgerlichen Standes. (...) Das Hauspersonal bestand außer dem Hospitalverwalter und dessen Familie zeitweilig im Februar aus 16 (...) und im October aus 11 Personen.“

Impfungen

„Der Impfarzt für die Stadtgemeinde Oldenburg, Herr Dr. med. Kelp, wird vom 24. d. M. an bis zum 25. Juni d.J. jeden Mittwoch und jeden Sonnabend Nachmittags von 3 bis 5 Uhr in der Stadtknabenschule hieselbst die Impfung der in diesem Jahre impfpflichtigen, 1878 geborenen Kinder, unentgeltlich vornehmen. (...) Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, deren Kinder und Pflegebefohlenen ohne gesetzlichen Grund und trotz erfolgter Aufforderung der Impfung oder der ihr folgenden Bestellung entzogen geblieben sind, werden mit einer Geldstrafe bis zu 50 Mark oder mit Haft bis zu 3 Tagen bestraft.“

Sehen Sie historische Fotos aus Oldenburg in unserem Spezial „Stadtgeschichte Oldenburg“.

Tingeltangel

„Auf dem Gebiete der musikalischen und deklamatorischen Vorträge in öffentlichen Lokalen sind vielfache, die Ordnung und Sitte verletzende Ausschreitungen hervorgetreten, welche je länger je mehr als eine Gefahr für das sittliche Volksleben erkannt und Gegenstand des öffentlichen Ärgernisses geworden sind. (...) Ein großer Theil der Tingeltangel wird thatsächlich unter dem Schutze einer erlangten Theaterconcession betrieben. (...) Die Polizeibehörde ist berechtigt und verpflichtet, Whirtschaften, in denen solche Lustbarkeiten dem Publikum geboten werden, einer strengen polizeilichen Aufsicht zu unterwerfen und unsittliche Vorstellungen und Vorträge zu inhibiren.“

Schlachthof

„Bei der Wahl eines Platzes zur Ausführung einer Schlachthausanlage, welche allen Bedürfnissen der Schlächter sowie des Publikums entsprechen soll, sind folgende Momente maßgebend: 1. Der Platz muß in der Nähe der Stadt liegen; 2. derselbe muß bequeme und ungestörte Zufahrtswege besitzen oder solche erhalten können; 3. derselbe muß in Rücksicht auf Vergrößerung der ganzen Anlage genügend umfangreich sein; 4. derselbe muß am unteren Laufe eines Flusses liegen, damit das Blut- und Schmutzwasser nicht durch die Stadt zu fließen braucht. Diese letzte Bedingung war die Veranlassung von mehreren in Vorschlag gebrachten Plätzen außer dem Haarenthore (wo die Stadt Weiden besitzt), sowie außer dem Heiligengeistthore (...) abzusehen, und nur auf solche das Augenmerk zu lenken, welche an der unteren Hunte oder am unteren Oeljestrich (Die Doktors Klappe, die Dammbleiche, der Weihdamm) belegen sind. In Betreff der Anlage eines Schlachthauses wurde beschlossen: dem Magistrat für den Ankauf des sogenannten Weihdamms und der dem Zimmermann Logemann gehörigen Dammwiese die Summe von 15000 Mark zur Verfügung zu stellen.“

Realschule

„Die Realschule entspricht in gegenwärtiger Organisation nicht mehr den Ansprüchen, die man an eine solche Anstalt in der Hauptstadt des Landes zu machen berechtigt ist, besonders in Beziehung auf die Berechtigungen für den Staatsdienst, die an ihr Reifezeugnis geknüpft sind. (...) Um nun den beiden Bedürfnissen – der Realbildung ohne Latein, namentlich bis zum Abschluß des sechsjährigen Cursus, und anderseits den Berechtigungen der Realschule I. Ordnung – entgegenzukommen, bietet sich ein Ausweg, der mit geringeren Mitteln zu erreichen ist und wenigstens für die nächste Zeit unseren Verhältnissen mehr entspricht, nämlich die Erweiterung der Anstalt zu einer lateinlosen Realschule mit 9-jährigem Cursus, an welcher für die oberen Classen Gelegenheit zu facultativem Unterrichte im Lateinischen geboten wird.“

Weitere Einträge

 „Anlieferung von ca. 2000 Stück Hausnummer-Schildern für die Stadt Oldenburg.“  „Trotzdem die Witterung bis vor Kurzem in der That gewiß eine ungünstige genannt werden mußte, ist die Frequenz der Frauen-Badeanstalt sehr gut gewesen, so daß offenbar diese Anlage einem wirklichen Bedürfniß entsprochen hat.“
„Der Antrag des Magistrats betreffend Erwerbung eines Areals vor dem Hause des Uhrmachers Haven zur Verbreiterung der Haarenstraße wurde angenommen und erforderliche Kosten im Betrage von 1200 Mark bewilligt.“
 „Das gewöhnliche Feuer-Alarmsignal, welchem die zum activen Dienste pflichtigen Mannschaften zu folgen haben, soll sich von demjenigen für außerordentliche Nothhülfe, welchem alle männlichen Bewohner der Stadt – soweit sie nicht durch körperliche Gebrechen behindert sind – folgen müssen, deutlich unterscheiden“.

Weitere Jahrgänge der Oldenburger Gemeindeblätter finden Sie in unserem Online-Spezial „Zurück geblickt“.

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Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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