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Oldenburger Mittwochskrimi Nach den Morden gab’s erstmal Frühstück

Oldenburg - Wäre er doch bloß nicht so fest eingeschlafen! Dann hätte im Haus an der Karlstraße 2 vielleicht kein Blut fließen müssen. In der Nacht zum 22. Februar 1910 tötete der 20-jährige Adolf Denker seinen Vater Gerhard, seine Mutter Margarethe und seinen Bruder Jonny in deren Betten. Eigentlich wollte Adolf seine Eltern „nur“ bestehlen. Doch dann klingelte der Wecker. Und die Familie musste „ruhiggestellt“ werden.

Von dieser grausigen Tat eines durch und durch kriminellen jungen Mannes erzählt Dirk Faß in seinem Buch „Wahre Kriminalgeschichten aus dem Oldenburger Land (1)“. Auch Helmuth Meinken greift den Fall in seinem Buch „Mörder – Henker – Spökenkram“ auf. Er lässt die Geschichte von der Tante des Täters schildern: der Witwe Helene Schlee, die in der Achternstraße 8 wohnte. Ebenfalls ein Tatort Denkers. Zum Glück, kann man sagen. Denn sonst wäre ihm die Polizei wohl nicht so schnell auf die Schliche gekommen.

Kriminelle Karriere

Als Intensivtäter würde man Adolf Denker heute bezeichnen. Seine kriminelle Karriere startete er im Alter von 16 Jahren mit der Unterschlagung von 18 Mark im Betrieb seines Lehrherrn, Kaufmann Adolf Helms in Nadorst. Er entkam mit einem gestohlenen Fahrrad, wurde in Osnabrück erwischt und vom Amtsgericht Oldenburg das erste Mal bestraft.

Tatort-Führungen

Kriminalfälle aus Oldenburgs Vergangenheit stellen Etzard Behrends und Christine Krahl bei thematischen Führungen vor.

Tatortführung (Innenstadt): freie Plätze am Mittwoch, 18. November, ab 17 Uhr; Dauer rund 1,5 Stunden; Treffpunkt am Eingang zum Schloss; 9 Euro

Tatort Osternburg: Die regulären Führungen sind derzeit ausgebucht, neue Termine gibt es ab kommendem Frühjahr.

Tickets gibt es bei der Touristinfo im Lappan und im Internet unter ticket2go.

Feste Gruppen können die Tatort- und andere Stadtführungen auch zu exklusiven Terminen buchen. Infos und Anmeldung unter museen@stadt-oldenburg.de oder t  235-2881.

Sein Vater, einst Polizist, dann Buchhalter, setzte sich für Adolf an. Er sorgte dafür, dass der Sohn seine Lehre fortsetzen konnte. Aber der hielt nicht lange durch. Auch eine Stelle als Schreiber verließ er schon bald – mit dem Monatsgehalt, ohne Wissen seiner Eltern und verschwand nach Hannover, um ein abenteuerliches Leben zu führen.

Durch Schwindeleien, Unterschlagungen, Diebstähle und Unterschriftenfälschung kam Adolf Denker zu Geld, um es schnell zu verprassen. Opfer waren auch seine Eltern. Wegen schwerer Urkundenfälschung wurde er im Oktober 1909 vom Landgericht Hannover zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Kaum zurück in Oldenburg machte er mit seinen Gaunereien weiter.

Die Nacht der Bluttat

Um Bares ging es Adolf Denker auch, als er am Abend des 21. Februar 1910 in das Haus seiner Tante einbrach. Doch da war nichts zu holen. Aber der Kriminelle war ja flexibel. 400 bis 500 Mark, so vermutete er, bewahre sein Vater zu Hause auf. Ob Denker von Anfang an vorgehabt hatte, seine Familie zu töten, darüber gab er später unterschiedliche Angaben. Fakt ist: Er hatte sich einen Dolch besorgt und auch ein Beil lag in der Tatnacht griffbereit.

Um 6 Uhr klingelte der Wecker im Zimmer des Bruders Jonny. Der schlief zwar trotzdem weiter. Da er aber auf keinen Fall beim Diebstahl stören sollte, schlug Adolf mit dem Beil auf ihn ein und stach mehrfach mit dem Dolch zu. So erging es auch seinen Eltern. Sie hatten keine Chance. Adolf wusch sich, zog sich an und frühstückte dann erst mal. Er wischte noch seine blutigen Fußspuren weg, fand lediglich 24 Mark und wollte verschwinden. Doch draußen warteten zwei Polizisten, die ihn eigentlich wegen des Einbruchs bei seiner Tante befragen wollten. Auf der Polizeiwache kam dann heraus, welch grausame Tat der junge Mann begangen hatte.

Das Schwurgericht zu Oldenburg verurteilte Adolf Denker im Juni 1910 zum Tode (wegen des Bruders) und zu zweimal lebenslänglich (wegen der Eltern). Das Fallbeil fiel am 18. Oktober 1910 in der Strafanstalt Vechta.

Susanne Gloger
Susanne Gloger Redaktion Oldenburg
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