Oldenburg - Die starke Inflation und die hohen Energiepreise zwingen das Oldenburger Studentenwerk zum Handeln: Zum Wintersemester 2022/23 erhöht es die Mieten in allen Wohnheimen um durchschnittlich 52,22 Euro. Die Gaskosten seien derzeit fünfmal so hoch wie im vergangenen Jahr. Diese Mehrkosten könne man nicht mehr auffangen, ohne sie zumindest teilweise an die Bewohner weiterzugeben, berichtete das Studentenwerk.
Eine derartige Mieterhöhung habe es seit Bestehen des Studentenwerks nicht gegeben. Auch die Mensapreise seien nicht mehr lange auf einem niedrigen Niveau zu halten, befürchtet das Studentenwerk.
Studenten in Geldnot
Tarek Probst (24), Stellvertretender Vorsitzender des Allgemeinen Studierenden Ausschusses (Asta) der Uni Oldenburg, beobachtet diese Entwicklung mit großer Sorge: „Uns berichten jetzt schon Studierende, dass sie wegen der Inflation am Ende des Monats im Supermarkt stehen und nicht wissen, wie sie Lebensmittel bezahlen sollen.“
Einige Studierende müssten wegen der steigenden Energiepreise wieder zu den Eltern ziehen, berichtet Probst. Er sorge sich ernsthaft, dass im kommenden Semester junge Menschen wegen Geldnot kein Studium aufnehmen könnten.
Bafög bereits erhöht
Um Studierenden finanziell unter die Arme zu greifen, hat der Deutsche Bundestag im Juni bereits eine Erhöhung des Bafög-Satzes beschlossen. Der Förderhöchstsatz steigt um 5,75 Prozent von 861 Euro auf 931 Euro an. Für Probst ist das nicht genug: „Die Erhöhung gleicht nicht mal die Inflation aus.“ Die Inflation lag zuletzt bei mehr als sieben Prozent, im Mai waren fast acht erreicht worden.
Auch der von der Bundesregierung beschlossene Heizkostenzuschuss in Höhe von 230 Euro sei nicht geeignet, um die Situation von Studierenden zu verbessern. Dieser soll ab Ende August an Studierende mit Anspruch auf Bafög oder Wohngeld ausgezahlt werden. „Aber nur elf Prozent der Studierenden erhalten Bafög. Den anderen 89 Prozent hilft das nicht.“
Der Asta fordert von der Politik zielgerichtete Maßnahmen: eine Energiekostenhilfe für alle Studierenden und eine Fortführung des 9-Euro-Tickets statt des teureren Semestertickets.
Rekord an Darlehen
Bis zum 31. Juli ist der Beitrag für das Wintersemester fällig. Der Asta stellt Darlehen für Studierende aus, die sich die 394 Euro nicht auf einen Schlag leisten können. „Wir zahlen jedes Jahr mehr Darlehen aus“, sagt Probst, 2021 insgesamt 110 000 Euro. Aber fürs Wintersemester, das könne man schon absehen, vergibt der Asta so viele Darlehen wie noch nie.
