Oldenburg - Hertie, Wöltje, Wiener Konditorei, Möbelhaus Ullmann, Brinkmann. Beste Zeiten – aber lange her an der Heiligengeiststraße. Leerstände und Langeweile ziehen sich zunehmend, schon bis Lappan und Lefferseck. Das Pendel hat sich Richtung Rathaus geneigt.
Doch nun wächst Hoffnung in dem vernachlässigten Viertel. Das Finanzamts-Areal ist noch ein ungefangener Fisch. Wie spannend wird es dort genau? Auch der neue Komplex mit Hotel und Gastronomie entlang der Haaren steht noch nicht. Aber das Thema Gesundheit in all seinen Facetten breitet sich aus und lädt den Bereich auf. Die medizinische Nutzung des Ullmann-Hauses ist nur der jüngste Baustein. In der Grünen Straße ist inzwischen mehr Lauf als in mancher Fußgängerzonen-Straße im Zentrum.
Das spannendste Projekt aber entsteht gerade in der CCO-Brache, die aus der ganzen Ecke seit Jahren die Energie gezogen hat.
„Offen für alle“
Auf der Fläche von Spielemax (heute Schlosshöfe) entsteht unter dem Titel „Core“ ein neuer Kern, in dem das Leben pulsieren und die Stadt noch einen Tick urbaner werden soll – mit einer Mischung „aus innovativer Wirtschaft und Forschung, Gastronomie und Kultur, offen für alle“, sagt Alexis Angelis, einer der Anschieber und Gesellschafter, die das CCO gekauft haben. Erdacht wurde es im Oldenburger Zusammenspiel der Projektentwickler von „Neufundland“ mit Frank Reiners von der BDO und den Digital-Experten von „peak lab". Finanziell beteiligt sind auch Loys, Schumacher, timecon und Wernsing. Im Januar soll „Core“ starten. Projektleiterin Lisa Bürger sagt: „Neue Ideen, neues Oldenburg. Dieser Ort für Begegnungen wird vieles verändern.”
Zentrales Element wird der „Innovationsmarktplatz“ im Erdgeschoss, der der Kommunikation, dem Zusammensein und dem Essen und Trinken gewidmet ist – gastronomisch ähnelt er der „Markthalle 9“ in Berlin oder der „Markthalle 8“ in Bremen. Verträge mit Gastronomen wie Achim Barghorn von „Käthe Kaffee“ (das seinen Standort an der Kaiserstraße parallel weiter betreibt), Florian Schröder vom vietnamesischen „Royals & Rice“ (bleibt parallel auch im Quartier am Waffenplatz) oder Marcel Schafft vom „Herrlich’s gutes Essen“ und seinem neuen Imbiss-Konzept sind unter Dach und Fach. Insgesamt sollen es sieben Stände mit internationalem „Straßenessen“ und eine Bar werden. In Markthalle und Forum steigen 150 Sitzplätze als Holztribüne auf. Jeder kann hier hingehen, sich hinsetzen, seinen Computer ausklappen, sich stärken.
Geld verdient werden soll damit natürlich auch: Über Business-Partnerschaften und buchbare Arbeitsplätze. Das gesamte erste Obergeschoss wird Raum für flexibles und modernes Arbeiten bieten: 150 Arbeitsplätze (ab 150 Euro im Monat), dazu Meeting- und Veranstaltungs-Räume. Die Fassade zur Heiligengeiststraße kann man aufschieben.
Im „Core“ entstehen mietbare Arbeitsplätze.
Für die ehemalige Saturn-Fläche (heute Schlosshöfe) wurde die OLB gewonnen, die ein Beratungszentrum für Finanzdienstleistungen plant. In der Summe werden weit über 300 Arbeitsplätze angesiedelt. Das Hotel „Acara“ und „Fitness First“ bleiben Mieter.
„Wie Berlin und Hamburg“
Schon die Vorstellung hatte elektrisiert. Über 700 Menschen wollten Ende Februar auf entkernter Spielemax-Fläche wissen, was unter „Core“ zu verstehen ist. Alexis Angelis sagt: „Das ist ein revolutionäres Ding – für Oldenburg und die Region.“ Es sei auch für andere Städte wie Münster denkbar. Auf 2500 Quadratmetern ist es als zentrale, gut sichtbare Schnittstelle für die heute oft verstreuten Aktivitäten und Institutionen der innovativen Wirtschaft und Wissenschaft gedacht.
Xing-Redakteurin Lena Bücker sagt: „Oldenburg macht hier etwas, das es sonst nur in Berlin und Hamburg gibt.“ Für Wissenschaftsminister Björn Thümler „passt Core wunderbar in die Stadt und untermauert unseren Ansatz, dass Forschung und Lehre sich auf eine ganz andere Art und Weise mit Wirtschaft und ganz normalen Menschen begegnen kann.“
Kernidee ist es, die Anstrengungen zahlreicher Unternehmen, aber auch der Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen im Bereich Innovation und Digitalisierung an dieser Stelle aufzugreifen und zu verstärken. Angelis sagt: „Das ist ein Thema, das viele Kommunen beschäftigt.“ Hier gelinge es, ein Innovations-Schaufenster als Plattform in die Innenstadt zu bringen. Die Entwicklung sei letztlich durch Corona noch verstärkt worden. Alexis Angelis: „Man muss agiler und flexibler werden. Was wir hier machen, ist ja auch ein Angebot an Unternehmen und Hochschulen, Ressourcen flexibel zu nutzen.“ Das Ganze werde eine Art „Lebensschnittpunkt bilden“, ohne Abgrenzung zwischen Freizeit, Arbeiten und Kultur: „Das soll ein cooler Ort werden, auch für Studenten. Die Attraktivität des Ortes soll dazu beitragen, dass man da hinwill – auch zum Beispiel, um sich mit einem Bewerber von Auswärts zu verabreden: „Lass’ uns mal im Core treffen.“ Perfekt müsse es am Ende nicht aussehen: „Wir schaffen da eine Welt, die nicht geleckt ist, sondern inspirierend“, sagt Angelis.
Core-Planer (v.li.): Projektleiterin Lisa Bürger, Alexis Angelis (Angelis & Partner) und Frank Reiners (BDO)
