Oldenburg - Auf dem Klingelschild steht so schlicht wie kryptisch „P & P Goods“, in dem großen Eckhaus an der Nadorster Straße/Ecke Eßkamp, darunter „Prostdigga“. Ein paar Stufen hoch, über der Geschäftsstelle der Öffentlichen und dem „Baguette Haus“, lösen Shervin Safari Khaledi (40) und Marcel Naber (27), Oldenburger Gründer der neuen Generation, das Rätsel: P & P Goods handelt mit Produkten aller Art, es wirbt, und es beteiligt sich an anderen Unternehmen. Das Spektrum reicht von der Belieferung eines Großteils der Covid-Testzentren von Oldenburg bis Bremerhaven und Emden mit Schutzausrüstungen bis hin zu Lifestyle-Produkten wie einer eigenen Kuscheltier-Linie mit Giraffen, Nashörnern und Tigern – Plüsch-Spieltiere, die sie über ihre chinesische Agentin, die in Duisburg sitzt, nach eigenen Vorgaben bei Partnern in Asien fertigen lassen.
Cool – mit Gefühl
„Wir gucken ganz nüchtern im Netz, was auf dem Markt gerade Trend ist“, sagt Marcel Naber, der nach seinem Wirtschafts-Abi an der BBS Wechloy BWL im Fernstudium studiert. „Das besorgen wir oder lassen es selbst produzieren.“ Dazu gehörten auch „Nacht- und Nebelaktionen am Wochenende – wir fühlen uns mit den Kunden als Teil eines Teams.“
Bei aller kühlen Wirtschafts-Arithmetik steckt hinter P & P auch eine Portion Emotionalität: Paul und Pepe heißen Khaledis zweijährige Zwillinge, das Etikett hat der P&P-Geschäftsführer mit den Profilen seiner Söhne verziert. Auch die Kontakte in die Stadt und die Region sind erstmal persönlicher Art: „Wir haben ein sehr gutes Netzwerk hier“, sagt Khaledi, der vor dem Schritt in die Selbstständigkeit für Ströer gearbeitet hat, eines der größten deutschen Unternehmen für Außenwerbung. Über „einen Kumpel in Berlin, der sehr Amazon-fit war“, hat er sich das Know-How für den Online-Vertrieb angeeignet.
„Prostdigga“
„Prostdigga“ ist das andere Unternehmen der beiden Geschäftsfreunde, hier ist Naber der Chef. Nachdem er sechs Jahre ein Surferleben auf der ganzen Welt geführt hat, von Australien bis Afrika, finanziert durch erste eigene Online-Shops, ist er heute Spezialist für den Markenaufbau und das Branding, auch bei erfolgversprechenden jungen Unternehmen, die das Team komplett begleitet. Manchmal steigen sie als Gesellschafter ein.
Prostdigga? „Der Name ist beim Bier-Pong entstanden“, sagte Naber. Der Handelsregistereintrag aber ist mindestens so lang wie der von P & P Goods: Er reicht vom Markenaufbau und Handel mit Textilien und Getränken über Werbung und Marketing bis zu Unternehmensbeteiligungen. Von der fröhlichen Trinkspiel-Runde bis heute hat sich eine Menge getan: „Das geht ganz gut durch die Decke“, sagt Naber.
Den Namen haben sie sich schützen lassen, genauso wie „Prost Perle“, inzwischen auch „Vinodigga“ – den 2020er-Riesling dazu beziehen sie von einem Winzer aus der Pfalz, aus Deidesheim. Für die weitere Vermarktung von „Prost Digga“ und „Prost Perle“ verhandeln sie gerade mit großen Brauereien. Der Ständer in ihrem Büro hängt voll mit Digga- und Perle-Shirts, Sweatshirts und Hoodies, auf dem Tisch liegen bedruckte Tassen, Baumwollbeutel, Handyhüllen und Sticker. „Wir von ,Prostdigga’ vertreiben Kleidung, die für einen freshen Style & ein Statement stehen“, schreiben sie auf ihrer Internetseite, über die sie die Kollektion verkaufen. „Ende Januar kommen neue Shirts, neue Designs“, sagt Khaledi, „und alles wird in Oldenburg gedruckt, bei Flexdruck.“
6 quadratmeter Platz
Das Team hinter ihrer neu gegründeten „Monkey Media Agency“, unter der sie ihre Marken künftig zentralisieren, ist klein: fünf feste und fünf freie Mitarbeiter, Männer und Frauen. Alle sind auf ihrem Gebiet Experten, von der Amazon-Produktrecherche und Nischenanalyse bis zum Social-Media-Marketing.
Aber immerhin so ernst, dass ihr Unternehmen wächst und gedeiht – „und dafür haben wir uns nicht einen Cent geliehen“, sagt Naber. Gestartet sind sie vor einem Jahr auf sechs Quadratmetern in einer angemieteten Lagerhalle, seit gut einem Monat treiben sie ihre Projekte jetzt auf 110 Quadratmetern voran. „Fände ich gut, wenn irgendwann mal über uns steht: Und angefangen sind sie in einer Garage“, lacht Naber. Schaffen könnten diesen oder einen ähnlichen Weg aus seiner Sicht auch noch viel mehr junge Leute: „Ich sage nur: machen, machen, machen.“
