Oldenburg - „Pflege steht im Regen“, „Mehr von uns ist besser für alle“ oder auch „Löhne rauf für relevante Jobs“ – Schlagworte und Forderungen gab es am Montagmittag reichlich. Vor dem Haupteingang des Klinikums Oldenburg hatten rund 40 Pflegerinnen und Pfleger ihre Mittagspause dazu genutzt, auf die anhaltend schlechte Situation in ihrem Berufsfeld hinzuweisen – so wie es bundesweit Tausende von Kollegen am Tag der Anhörung zum „Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“ taten.
„Das macht uns sauer“
„Da steht die bedarfsorientierte Personalbemessung aber gar nicht auf der Tagesordnung“, so Nils Lotze. „Und das macht uns sauer.“ Eine solche Verbesserung ist für den Betriebsratsvorsitzenden des Klinikums aber zentral. Bereits vor mehr als einem Jahr hätten Deutsche Krankenhausgesellschaft, Deutscher Pflegerat und die Dienstleistungsgewerkschaft „Verdi“ eine Neufassung dieser vor rund zehn Jahren abgeschaffte Personalbemessung gefordert – eine PPR 2.0. „Geschehen ist bisher aber nichts.“ Da die Politik nicht reagiere, müssten die Beschäftigten nun endlich Flagge zeigen. Rund 1200 Pflegende gibt es laut Lotze im Klinikum – „mindestens 100 fehlten aber, damit wir unserem eigenen Anspruch an Pflege und unserer Arbeit gerecht werden können“.
Pfleger geben auf
Unterstützung erhält er von Michael Albert. Seit 1985 arbeitet der heute 60-Jährige als Krankenhauspfleger. Einer der wenigen, die es nach eigenen Angaben so lange aushalten. Die meisten seien vorher „fertig“ und würden oftmals in andere Berufe wechseln. Das aber dürfe doch nicht sein – „gerade in einem so wichtigen Bereich. Und das kostet Leben, wenn man ehrlich ist.“
Debatte ist notwendig
Albert ist sich sicher, dass es noch nicht zu spät ist: „Sobald sich die Arbeitsbedingungen verbessern, können wir auch Nachwuchs rekrutieren.“ Heutzutage gingen viel zu viele auch gute Pflegerinnen und Pfleger verloren. „Die wollen möglichst alle auf Dauer weg vom Bett.“ Notwendig sei dafür aber die gesellschaftliche Debatte, wie das deutsche Gesundheitssystem aufgestellt werden soll. Es lohne beispielsweise ein Blick nach Skandinavien mit einem deutlich besseren Patienten-Personal-Schlüsse – und einem ganz anderen Selbstverständnis für die Pflege. Letztlich sei das aber auch ökonomisch sinnvoll.
Kein Zweifel hat er daran, dass die Fallpauschale abgeschafft gehöre, die der Arbeit am Menschen im Wege stehe. Lotze, Albert und ihren Kolleginnen geht es an diesem Montag vor allem auch darum, von der Politik das Einhalten von Versprechen einzufordern – nicht nur vom amtierenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der immer wieder auf den Plakaten auftaucht. „Das hat aber gar nichts mit der Person zu tun“, so Albert. Auch seine Amtsvorgänger hätten zuvor vielfach versprochen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Geschehen sei bisher allerdings nichts. „Wir müssen immer mehr Patienten in kürzer Zeit durchschleusen.“
Gerade jetzt in der Pandemie, in der täglich so viele Menschen alles gäben, um Leben zu retten, müsse die Bundesregierung entschlossen handeln. Noch in dieser Legislaturperiode müsse es Verbesserungen für die Krankenhauspflege in Gang gesetzt werden.
