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Satirischer Ausblick auf das Jahr 2023 Wenn Architekten aus dem Flötenteich eine blaue Lagune machen

Der Flötenteich wird zur „Blauen Lagune“.

Der Flötenteich wird zur „Blauen Lagune“.

Geising/Böker

Oldenburg - Das Jahr 2022 ist Geschichte, es war ein schlechtes. In Europa ist in der Ukraine ein Krieg ausgebrochen. Es ist nicht der erste nach Ende des Zweiten Weltkriegs, der Jugoslawienkrieg in den 90er Jahren mit seinen 200 000 Toten ist vielen aus dem Gedächtnis geraten. Der Wunsch nach Frieden ist groß, die Folgen für uns alle noch nicht wirklich absehbar. Wie wird das Jahr 2023 in Oldenburg? Wir wagen trotz der angespannten Situation einen nicht ganz ernst gemeinten Ausblick.

Januar

Da hat Oberbürgermeister Jürgen Krogmann aber etwas gründlich missverstanden. „Geben ist seliger denn Nehmen“, heißt es in der Bibel. Krogmann deutet das in „Nehmen ist seliger denn Geben“ um und greift in den Sammelbeutel, den ihm die Kinder am Dreikönigstag in Erwartung einer großzügigen Spende traditionsgemäß zum Rathaus bringen. Die Kleinen schauen bedröppelt aus der Wäsche, der OB freut sich über die Finanzspritze, zumal der städtische Haushalt eine gewisse Entlastung vertragen kann.

Februar

Auch das Finanzdezernat hat eine neue Einnahmequelle ausgemacht. Auf dem Dach des Alten Rathauses sollen Solaranlagen und ein kleines Windkraftrad montiert werden – mit 30 Metern Höhe. Mit dem daraus gewonnenen Strom wird das Gebäude beheizt, der Rest wird ins Stromnetz eingespeist und verkauft. Möglich macht das ein Sondervertrag mit dem Stromversorger.

März

„Dagobert“ Krogmann lässt sich vorausschauend einen Geldspeicher bauen, damit er ab und an ein Bad in seinen Talern nehmen kann. Vorbild ist Dagobert Duck. Überhaupt blickt die Stadt auf Amerika als leuchtendes Vorbild. Nicht nur die Comicfigur in Entengestalt hat es den Stadtoberen angetan, die Kulisse für den Film „Die blaue Lagune“ aus dem Jahr 1980 mit Brooke Shields und Christopher Atkins in den Hauptrollen dient als Vorlage für den Bau des Flötenteichbades. Das Wasser des benachbarten Flötenteichs wird, wie der Vorlage der Architekten zu entnehmen ist, türkisblau gefärbt und laufend gereinigt. Für den Sommer werden Palmen aufgestellt, die im Winter unter dem Dach des neuen Bades vor Eis und Schnee geschützt werden. Das Bad und der Teich werden komplett mit Erdwärme beheizt.

april

Schon nach wenigen Wochen schmeißt die erst im Dezember gewählte neue Baudezernentin Christine-Petra Schacht das Handtuch. Sie sieht sich außerstande, die im Klimaschutzplan 2035 für Oldenburg formulierten Ziele auch nur annähernd zu erreichen. Ein Nachfolger soll allerdings schnell gefunden werden. Im Gespräch ist „General“ Adrian Mende, wie er in Anspielung auf sein Generalbau-Unternehmen gern genannt wird. Er ist dafür bekannt, aus kleinen Flächen das Maximale herauszuholen. Das gilt für die Größe der Neubauten, aber auch und vor allem für finanzielle Gewinne – womit er bei der Oldenburger Stadtverwaltung genau an der richtigen Adresse ist.

Mai

Auf Vorschlag von Pressesprecher Maik Günther soll das August-Carreé des Evangelischen Krankenhauses zu einem Kulturzentrum umgewidmet werden und würde dann in unmittelbarer räumlicher und thematischer Konkurrenz zum Kulturzentrum PFL stehen. Protest der Ärzteschaft, Mitarbeiter und der Patienten verhindern diesen Vorstoß – sie möchten nicht durch laute Musik gestört werden, die Nachbarschaft übrigens auch nicht.

Juni

Der Abbau des aus Containern zusammengebauten WM-Stadions („Stadium 974“) in der katarischen Hauptstadt Doha ist abgeschlossen. Doch wohin nun mit den 974 Behältern, die teils unbrauchbar geworden sind? Die Oldenburger Grünen melden sich zu Wort und schlagen vor, es halb so groß mit 22000 Sitz- und Stehplätzen in Oldenburg wieder aufzubauen. Der Transport der Container erfolgt mit einem Schiff nach Wilhelmshaven, über die Bahn nach Oldenburg, wo sie abgeladen und neben der Weser-Ems-Halle wieder zusammengesetzt werden – ein ökologischer Traum.

Juli

Apropos Stadium: Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit hatte Christine-Petra Schacht, gelernte Landschaftsarchitektin, das Rosenbeet am Friedensplatz vor der Parteizentrale der Grünen mit deren voller Unterstützung umpflügen lassen, um dort zukünftig Gemüse anbauen zu können. „Urban Gardening“ ist das Stichwort, wofür sich die Ökopartei noch viele andere Flächen im Stadtgebiet ausgeschaut hat – den Pferdemarkt beispielsweise. Nicht entgangen ist ihnen, dass die Bügel zum Anketten der Fahrräder vor ihrer Zentrale kaum genutzt werden. Der Oldenburger ist es gewohnt, sein Rad direkt vor den Geschäften in der Innenstadt abzustellen oder sie bestenfalls an den Plätzen vor den Eingängen zur Fußgängerzone zu „parken“.

August

Der Hochsommer geht langsam zu Ende, die Erntesaison bricht an. An die nicht benutzten Fahrradbügel sollen im Herbst Weinreben gesetzt werde, die die verkehrsplanerische Pleite dann verdecken werden. Das Ziel bleibt erreicht, Parkraum für Autos wurde reduziert.

September

Kurz vor der endgültigen Entscheidung für einen Stadionneubau, der Plan mit den Containern ist geplatzt, weil andere schneller waren, ist der gültige „Bebauungsplan“ für das Marschwegstadion rechtlich „angefasst“ worden, um spätere Anstoßzeiten zu ermöglichen. Das hat fatale Folgen: Theoretisch darf der Anpfiff nun auch um 20 Uhr oder sogar noch später erfolgen, allerdings dürfen in den Abendstunden nur noch 1500 Zuschauer kommen. Tagsüber sind es auch nicht viele mehr – bei 2000 ist wegen der fehlenden Parkplätze im Umfeld Schluss.

Oktober

Bis zur Eröffnung eines neuen Stadions wird die Zeit zu knapp. Der VfB stellt den Spielbetrieb ein, das war’s dann mit dem Profi-Fußball in Oldenburg. Der Kampf um die Marktanteile ist entschieden, der Fußball hat gegen den Basketball verloren. Das ärgert den Deutschen Fußballbund. Weil der SV Meppen sportlich abgestiegen war, verschwindet die Liga im Nordwesten von der fußballerischen Landkarte. Der DFB überlegt, dem SVM und VfB mit einer „Wildcard“ den Spielbetrieb in der Dritten Liga weiter zu ermöglichen. Die Basketballbundesliga hatte es vorgemacht. Sportlich abgestiegen erkauften sich die „Skyliners Frankfurt“ im Sommer 2022 für 700000 Euro den Liga-Erhalt. Auch, weil ein anderes Team wegen der finanziellen Belastung nicht aufsteigen wollte. Da die benachbarten Gießen 46ers ebenfalls abgestiegen waren, wäre der Bundesligabasketball auf der Landkarte im Großraum Frankfurt verschwunden. Marktführer in der Region sind ohnehin die Fußballer von Eintracht Frankfurt. So funktioniert das Geschäft, das hat nun auch der DFB erkannt.

November

Ungeachtet dessen hält die Stadt am Ausbau ihrer zentralen Sportstätte fest. Schließlich ist für viel Geld am Marschweg eine Flutlichtanlage installiert worden. Bei den Gründungsarbeiten für das Fundament sind die Bauarbeiter wie erwartet auf Müll gestoßen, der mit beträchtlichem finanziellen Aufwand nun entsorgt werden muss.

Dezember

„Stille Nacht, heilige Nacht (...) Schlafe in himmlischer Ruh’.“ Ein paar Liedzeilen fehlen, aber in der Stadt kehrt nach der ganzen Aufregung um den Stadionneubau und das Bau-, Umwelt- und Verkehrsdezernat Ruhe ein. „Erst wäg’s, dann wag’s“, ist über dem Eingang zum Alten Rathaus zu lesen. Kritiker interpretieren das so: „Zu langer Stillstand ist Rückschritt.“ Und manche Entscheidungen dauern in der heutigen schnelllebigen Zeit eben einfach zu lange. Die Stadionfrage war mehr als 30 Jahre diskutiert worden.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg
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