OLDENBURG - „Gomez“ konzentriert sich, beobachtet den Ball aufmerksam, nimmt ihn ins Visier und legt einen kurzen Sprint ein. Doch plötzlich bleibt er stehen. Die Leine an seinem Halsband zwingt ihn dazu. Denn „Gomez“ trägt weder Nationaltrikot noch Stollenschuhe und steht auch nicht in Polen oder der Ukraine auf dem Rasen. Er ist ein 14 Monate alter Schäferhundrüde und gehört Anke Kilian, der Zuchtwartin der Ortsgruppe Oldenburg des Vereins für Deutsche Schäferhunde.
Die Ortsgruppe feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen (NWZ
berichtete) und veranstaltete am Sonntag eine große Zuchtschau auf ihrem Vereinsgelände.Mehr als 70 Hunde wurden im Vorfeld für die Schau angemeldet. Erwartet wurden etwa 300 Besucher. Aber bei einem Wetter, bei dem man eigentlich keinen Hund vor die Tür jagt, ist das schon eine ganze Menge.
Der Ablauf „ist ein bisschen wie bei einem Schönheitswettbewerb“, so der erste Vorsitzende der Ortsgruppe, Thomas Koch. Die Zuchtrichter bewerten den Körperbau und die Pigmentierung des Fells und messen die Tiere. Außerdem wird das Gebiss kontrolliert und auch das Wesen fließt in die Bewertung mit ein, wie der Zuchtrichter und Körmeister Bernhard Erdmann erläutert.
Dazu werden sie bei einer Stand- und einer Laufmusterung vorgeführt. Bei der Laufmusterung werden die Hunde an der Leine im Kreis geführt und von einer zweiten Person mit Spielbällen oder lautem Pfeifen und Rufen gelockt. So werden die Hunde aufmerksam und nehmen eine Haltung ein, die die Betrachtung der Anatomie erleichtert. Außerdem können die Zuchtrichter den Hund so in der Bewegung begutachten.
Da man die jüngeren Tiere nicht mit den ausgewachsenen vergleichen kann, werden sie zudem in verschiedene Altersklassen von der Nachwuchs- über die Junghund- und Jugend- bis zur Gebrauchshundklasse unterteilt. Letztere umfasst ausgewachsene Hunde ab 24 Monaten.
In dieser Klasse tritt auch Willie Engelke aus Langwedel mit vier Tieren an. Der 59-Jährige betreibt schon seit mehr als 30 Jahren die Zucht als Hobby und hofft auf Platzierungen im vorderen Drittel. Schließlich habe er die Hunde gut vorbereitet. Aber letztendlich „muss man abwarten wie der Richter das sieht“.
Anke Kilian, die neben „Gomez“ noch mit zwei weiteren Hunden antritt, ist da weniger optimistisch. Aber die Teilnahme sei trotzdem wichtig, damit sich „Gomez“ an die vielen Menschen und anderen Hunde gewöhne. Vermutlich gut verstanden haben dürfte er sich mit „Poldi“.
Und bei solchen Namen sollten zumindest die Übungen mit dem Ball in jeder Hinsicht rund laufen...
