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Vater von autistischem Jungen berichtet „Hinter uns liegen sehr schwierige Wochen“

Vater und Sohn essen nach ereignisreichen Wochen gemeinsam Pommes (von links): Wladislav und Viktor Litau.

Vater und Sohn essen nach ereignisreichen Wochen gemeinsam Pommes (von links): Wladislav und Viktor Litau.

Oldenburg - Voller Hoffnung war die Familie von Viktor Litau vor zwei Monaten, als sich zeigte, dass die Therapie ihres autistischen Sohnes Wladislav erste Erfolge zeigte. Doch leider entwickelte sich die Situation nicht so positiv weiter, wie erhofft.

Ein kurzer Rückblick: Wladislav Litau leidet unter einer extremen Form von frühkindlichem Autismus. In der Vergangenheit hat er immer wieder sich selbst und andere Menschen mit seinem aggressiven Verhalten verletzt. Die einzige Möglichkeit, den Jungen zu beruhigen, bestand für den Vater darin, mit seinem Sohn im Auto durch Oldenburg zu fahren. Das haben die beiden 1,5 Jahre lang gemacht.

Ende des vergangenen Jahres dann ein Durchbruch: Nach mehrfacher Berichterstattung durch die NWZ erhielt Wladislav einen stationären Therapieplatz in der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie im Marien Hospital Papenburg Aschendorf. Die Situation des Jungen verbesserte sich deutlich, das aggressive Verhalten nahm ab und Wladislav zeigte Interesse an Musik und Tieren.

Das Probewohnen

„Deshalb sind wir im Februar einen Schritt weiter gegangen. Wladislav war zum Probewohnen in einem Heim in der Nähe von Bremen. Das hat gut funktioniert, der Junge hat sich dort sehr wohl gefühlt“, berichtet sein Vater. Doch leider sei es bei dem Probewohnen geblieben. Für die Einrichtung sei es zu schwer, genügend geeignetes Personal zu finden, um eine adäquate Betreuung zu gewährleisten, teilte der Einrichtungsleiter in einem Schreiben an die Familie mit. Und dieser Rückschlag markiert den Beginn einiger sehr schwieriger Wochen für die Familie. „Als wir Wladislav aus Bremen abgeholt haben, ist er immer unruhiger geworden“, berichtet Viktor Litau. Sein Sohn habe gemerkt, dass er zurück nach Aschendorf gebracht werde. „Da hat Wladislav voll aufgedreht und ist in eine sehr aggressive Phase verfallen. Wahrscheinlich hat es ihm in Bremen so gut gefallen, dass er nicht zurück in die Klinik wollte“, vermutet sein Vater. „Die Aggressionen sind irgendwann sogar so extrem geworden, dass Wladislav an ein Bett fixiert werden musste.“ Auch nach einiger Zeit sei sein Sohn immer noch sehr aggressiv gewesen und habe sich selbst zum Teil schwer verletzt.

Schwere Verletzungen

„Wladislav hat sich so heftig auf die Lippe gebissen, dass er operiert werden sollte“, erinnert sich Viktor Litau. Doch das Krankenhaus sagte die Operation kurzfristig ab, was den Vater sehr wütend machte. „Das war eine schlimme Zeit, meine Nerven lagen blank, ich habe mich total hilflos gefühlt“, berichtet Viktor Litau, dessen Sohn daraufhin zurück nach Aschendorf gebracht wurde. Die Verletzungen sind mittlerweile fast verheilt. In Aschendorf hat Wladislav dann nach einiger Zeit ein neues Medikament erhalten, das ihm gut zu bekommen scheint. „Die Entwicklung der letzten Tage ist sehr gut“, freut sich Viktor Litau. „Wladislav muss seinen Helm nicht mehr tragen, weil er viel entspannter und das aggressive Verhalten kaum noch vorhanden ist“, so der Vater, der dank dieser Entwicklung neue Hoffnung schöpft. Momentan würden Gespräche mit einer weiteren Einrichtung in Wilhelmshaven geführt, die Wladislav eventuell aufnehmen könnte. „Da ist aber noch nichts sicher“, sagt Viktor Litau. „Die Geschichte geht also weiter.“

Wolfgang Alexander Meyer
Wolfgang Alexander Meyer Redaktion Oldenburg
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