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Schwangerschaft und Abtreibung Hilfestellung in Oldenburg zwischen gesellschaftlichen Fronten

Ein positiver Schwangerschaftstest kann Grund zur Freude sein. Aber das ist nicht immer so. In dafür vorgesehenen Beratungsstellen gibt es für beide Fälle Unterstützung.

Ein positiver Schwangerschaftstest kann Grund zur Freude sein. Aber das ist nicht immer so. In dafür vorgesehenen Beratungsstellen gibt es für beide Fälle Unterstützung.

dpa/Brichta

Oldenburg - Freude und Erleichterung. Unsicherheit und Nervosität. Aber auch Angst und Verzweiflung. Eine bestätigte Schwangerschaft kann eine ganze Palette von Gefühlen freisetzen. Unterstützung braucht in dieser Situation nahezu jeder Mensch. Hier setzt das neue kostenfreie Beratungsangebot den Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Landesverband Oldenburg, an. Eva Langen ist dort die neue Ansprechpartnerin für Hilfestellung auf dem Weg zur Geburt – jedoch auch für das schwierige Thema Abtreibung.

Zur Person

Eva Langen studierte Pädagogik sowie Erziehungs- und Bildungswissenschaften. Die 30-Jährige arbeitete zunächst in der Kinder- und Jugendhilfe. Zuletzt war sie Jugendbildungsreferentin beim Deutschen Roten Kreuz in Oldenburg. Über Fortbildungen erlangte sie die Qualifikation, um nun die Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung beim DRK-Landesverband Oldenburg anbieten zu können.

Wie vielfältig die Gespräche mit den Ratsuchenden werden, kann die 30-Jährige selbst noch gar nicht einschätzen. Die Beratungsstelle ist gerade erst geschaffen worden. Das DRK hatte sich auf eine Ausschreibung des Landes beworben, das für die Finanzierung sorgt. Es soll das bereits bestehende Schwangerschaftsberatungsangebot in der Stadt, das auch regional genutzt wird, ergänzen. Die verschiedenen Träger sowie die entsprechenden Fachdienste der Stadt seien gut vernetzt, sagt Langen. Statt Konkurrenz gebe es Austausch.

Konfliktberatung

Eine der Kernaufgaben ist die sogenannte Schwangerschaftskonfliktberatung. Dieses Gespräch ist verpflichtend, wenn es um einen möglichen Schwangerschaftsabbruch geht. Dieser ist bis zur zwölften Woche straffrei möglich. Ausnahmen: Bei medizinischen Gründen oder wenn die Schwangerschaft beispielsweise aus einer Vergewaltigung resultiert, kann auch später abgetrieben werden.

Straffrei heißt allerdings nicht: von allen akzeptiert. Legaler Schwangerschaftsabbruch ist ein gesellschaftlicher Konfliktherd. Unversöhnlich gegenüber stehen sich dabei diejenigen, die die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper einfordern, und diejenigen, die nach eigener Aussage ungeborenes Leben schützen wollen. Zwischen diesen Fronten stehen viele schwangere Frauen und deren Partner – und beratende Menschen wie Eva Langen.

„Es muss einem bewusst sein, dass das Thema konfliktbehaftet ist“, sagt die 30-Jährige. Von Anfeindungen gegenüber Beratungspersonal habe sie glücklicherweise wenig gehört. Dass jedoch beim DRK gewisse Arbeitsschutzmaßnahmen vorhanden und Supervisionen möglich sind, weiß sie.

Wichtig ist es ihr, herauszustellen, dass sie in der Beratung keine Entscheidung über eine Abtreibung trifft, ja noch nicht einmal eine Empfehlung ausspricht. Ihre Aufgabe ist es, die Schwangere dabei zu unterstützen, selbst die Richtung zu finden. „Ihr soll klar werden, mit welcher Entscheidung sie gut leben kann.“ Dabei gebe es kein richtig und falsch. „Wir schauen uns im Gespräch die Möglichkeiten an, mit dem Kind zu leben, gehen aber auch auf die Selbstbestimmung der Frau ein.“ Wichtig sei es zudem, sich bewusst zu machen: Eine Entscheidung gilt immer nur für das Hier und Jetzt. Fünf Jahre später könnte sie ganz anders ausfallen.

Weitere Themen

Die Konfliktberatung ist übrigens nur ein Teil von Langens Arbeit. Die Unterstützung derjenigen, die sich bereits klar für ein Kind entschieden haben, gehört ebenfalls dazu. Ob finanzielle Förderung, Elternzeit, Vorbereitung auf die Geburt – die Zahl der möglichen Fragen scheint schier unendlich. Langen berät und vermittelt an weitere Institutionen – übrigens auch werdende Väter, wie sie hervorhebt. Die buchstäblichen „Herren der Schöpfung“ seien ebenfalls herzlich eingeladen, mit und ohne werdende Mutter. Langens zentrale Botschaft: „Hilfe holen ist in Ordnung!“

Beratungsangebote

DRK: Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle, Maria-von-Jever-Straße 2; Beratungszeiten dienstags und donnerstags 8 bis 16 Uhr, freitags 8 bis 12 Uhr, Abendsprechstunde nach Vereinbarung möglich; Terminvereinbarung unter Tel. 0441/92179-34 oder sskb@lv-oldenburg.drk.de.

AWO: Familienberatungsstelle, Cloppenburger Straße 65, telefonische Sprechzeiten montags und donnerstags 8.30 bis 12 Uhr, dienstags und mittwochs 13 bis 16 Uhr; Kontakt unter 0441/973770 oder info@beratungsstelle-oldenburg.de.

SkF: Sozialdienst katholischer Frauen, Peterstraße 22-26; telefonische Sprechzeiten montags bis donnerstags 8 bis 16 Uhr, freitags 8 bis 12 Uhr; Kontakt unter Tel. 0441/25024 oder info@skf-oldenburg.de.

Pro Familia: Beratungsstelle Oldenburg, Rosenstraße 44, Öffnungszeiten dienstags und donnerstags 9 bis 12 Uhr und 16 bis 18 Uhr, freitags 9 bis 12 Uhr; Kontakt unter Tel. 0441/88095 oder oldenburg@profamilia.de.

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)
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