Oldenburg - Birthe Backendorf (56) hat selbst vier Kinder. Sie ist eine der acht Frauen in der Stadt, die Kindern an den Grundschulen Ohmstede und Ofenerdiek künftig ehrenamtlich helfen, „empathisch und wertschätzend miteinander umzugehen, Konflikte konstruktiv zu bewältigen, teamfähig zu werden“ und so „einen Beitrag zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu leisten“. So beschreibt die neue Oldenburger Regionalgruppe von „Seniorpartner in School“ (SiS) die Arbeit, wenn sich „das Wollknäuel vertüddelt hat“, so die Regionalgruppenleiterin Heike Schulte-Bernd über so manchen Schülerstreit.
Das Ziel
Birthe Backendorf sagt: „Wir wollen uns sinnvoll in die Gesellschaft einbringen. Besonders liegen uns die Kinder am Herzen.“ Die Grundschule sei „eine sehr prägende Zeit“. Aber die Schulen stünden „vor zahlreichen Herausforderungen in allen möglichen Bereichen“. Die „Seniorpartner“ könnten „Zeit, die wir als Senioren gewonnen haben“, investieren, um „Konflikte der Schüler direkt aufzufangen“ und zu gewährleisten, „dass einfach jemand da ist und zuhört“. An die Kinder gewendet sagte die Mediatorin Ruth Reichert auf der Gründungsveranstaltung in dieser Woche: „Wenn ihr mal Sorgen habt, könnt ihr zu uns kommen, oder wenn es mal gekracht hat. Gemeinsam tüfteln wir, wie’s wieder gut wird.“Gearbeitet wird ab Herbst in Zweier-Teams wöchentlich einen Vormittag in der Schule. Die meisten der Oldenburger „Seniorpartner“, alle aus der Generation 50+, sind gerade erst in den Ruhestand getreten.
Alle haben eine 100-stündige Mediations-Ausbildung in der Kinder- und Jugendmediation absolviert, ermöglicht durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Birthe Backendorf sagt: „Wir wollen uns für die Kinder und für die Zukunft unserer Gesellschaft einsetzen, etwa im Blick auf gewaltfreie Kommunikation.“ Dabei liefen die Gespräche mit den Kindern vertraulich ab, auch gegenüber der Schule und den Eltern.
Birthe Backendorf, die stellvertretende Leiterin der Regionalgruppe ist, sagt: „Wir sind glücklich über die Schulen, die dafür offen sind.“ Kindern werde es durch diese generationenübergreifende Arbeit erleichtert, sich in der Schule wohlzufühlen, gut klarzukommen, das Miteinander einzuüben und ihre sozialen Kompetenzen zu stärken.
So beschreibt es auch die SiS-Landesvorsitzende Rita Rosenbaum, eine ehemalige Grundschulleiterin: „Wir kommen aus allen Berufen, haben Lebenserfahrung, wir spenden Zeit und sind geduldig. Wir setzen uns in der Gewaltprävention ein, als Brücke zwischen Alt und Jung, wir tragen zur Integration bei und fördern Respekt, Toleranz und Achtung.“ Das diene auch dem Unterricht und dem Lernerfolg, „denn von Streit gestresste Kinder können nicht lernen“.
Schulleiter und Stadt
Der Sinn und Gewinn steht für Oliver Grewe, Leiter der Grundschule Ofenerdiek, außer Frage: „Wir haben einen großen Bedarf an Schulmediation – wie jede Schule. Die ausgebildeten ,Seniorpartner in School’ bringen die Zeit mit, etwas zu besprechen und bieten auch dort Unterstützung, wo wir nicht weiterkommen.“ Nicole Gourdon-Brand, Leiterin der Grundschule Ohmstede, sagte, das Mitmenschliche in der Grundschule sei gar nicht hoch genug einzuschätzen und entsprechend zu behandeln. Die Seniorpartner seien ein Glücksfall, weil sie mit ihrer Zeit, Ausbildung und Erfahrung den Blick auf „Anliegen, Nöte, Gefühle und Befürfnisse“ richteten.
Dies sei auch wegen der „Auswirkungen der letzten Jahre“, die täglich in der Schule zu spüren seien, eine Bereicherung, sagte Katharina Keestra mit Blick auf die Folgen von Corona. Das Lernen, über Bedürfnisse zu sprechen, sich zu respektieren und einander zuzuhören, helfe nicht nur in der jeweiligen Situation, sondern lege auch Fundament fürs ganze Leben.
Heike Schulte-Bernd ist unter Tel. 04486/8646 und Birthe Backendorf unter 0441/36181536, Mail rgl-oldenburg@sis-niedersachsen.de, zu erreichen.
