Oldenburg - Psychische Störungen und Erkrankungen frühzeitig erkennen, Vorboten einer Erkrankung wahrnehmen, um eine Verschlimmerung oder Chronifizierung möglichst zu verhindern oder zumindest abzumildern: Darauf zielen die Empfehlungen des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Austausch mit dem Sozialpsychiatrischen Verbund für die Stadt Oldenburg ab. Mithilfe von Früherkennung und Frühbehandlung sollen sozial ausschließende Folgen einer psychischen Erkrankung vermieden werden. Wie Christina Kok und Dr. phil. Peter Orzessek vom Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt in ihrem Bericht aus der Fortschreibung des Sozialpsychiatrischen Plans, der den Mitgliedern des Sozialausschusses vorgestellt wurde, ausführen, bestehe auch bei psychischen Störungen durch eine frühzeitige Intervention eine große Chance, einen ungünstigen Verlauf abzumildern oder einen chronischen Krankheitsverlauf zu verhindern. Die Forschung habe gezeigt, dass alle häufigen und zur Chronifizierung neigenden psychiatrischen Störungen einen langjährigen Vorlauf haben und frühe Anzeichen meist unbemerkt bleiben. Deshalb wurde das Thema „Früherkennung psychischer Störungen“ vom Sozialpsychiatrischen Dienst als Schwerpunktthema festgelegt und im Sozialpsychiatrischen Verbund arbeitskreisübergreifend bearbeitet. Die Empfehlungen richten sich an Leistungsträger, Leistungsanbieter, Leistungsempfänger, Politik, Verwaltung, Forschung, Lehre und die interessierte Öffentlichkeit. Alle sollen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten aufgerufen fühlen, zu prüfen, ob und wie sie die Empfehlungen umsetzen können. Die Empfehlungen im Überblick:Niedrigschwellige Informationsangebote zu psychischen Störungen etablierenQuartiersbezogene Öffentlichkeitsarbeit ausweitenNetzwerkarbeit ausbauen Fortbildungen zum Thema „Früherkennung psychischer Störungen“ in Präsenz und berufsgruppenübergreifend anbieten Aufklärung über unbegründete Ängste vor den Folgen der Annahme von Hilfen mit der Botschaft: Hilfen angstfrei annehmenBetriebliche Suchtvereinbarungen einführen beziehungsweise aktualisieren und Schulung von Fachkräften etablierenKidstime etablieren und weiterentwickeln: Angebote für Kinder von Eltern mit schweren psychischen Erkrankungen, da die Kinder selbst ein erhöhtes Risiko tragen, zu erkrankenKooperationen der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit Schulen und in diesem Zusammenhang Beratungen zur Aufklärungsarbeit anbietenMehr Sitze für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Früherkennung als Suizidprophylaxe im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie Patenschaftsmodell einführenAusbau der Kapazitäten für Diagnostik und Behandlung bei Menschen mit Verdacht auf eine demenzielle Erkrankung Kooperation zwischen der Karl-Jaspers-Klinik und dem Sozialpsychiatrischen Dienst im Bereich Früherkennung von PsychosenPsychoedukation nach Belastung durch ein traumatisches Erlebnis

Der Sozialpsychiatrische Plan wird jährlich im Austausch mit dem Sozialpsychiatrischen Verbund fortgeschrieben. Im Sozialpsychiatrischen Verbund arbeiten alle Anbieter von Hilfen für psychisch kranke Menschen zusammen. Grundlage für den Sozialpsychiatrischen Plan ist das Niedersächsische Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke (NPsychKG).

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg