Oldenburg - Was im September 2020 voller Zuversicht begonnen hatte, wurde wegen der Corona-Lage ausgebremst: Vor einem Jahr startete der Gehörlosen-Sportverein (GSV) Oldenburg das bilinguale Familienturnen mit Gebärden- und Lautsprache. „Als erster Sportverein deutschlandweit“, sagt der 1. Vorsitzende André Danke. Nach drei Terminen war jedoch Schluss. Für acht Monate.
Mittlerweile wird aber wieder geturnt. Wer das spezielle Angebot kennen lernen möchte, ist zum Tag der offenen Tür mit einem „Großen Familienturnen“ willkommen. Am Sonnabend, 4. September, von 13 bis 17 Uhr, gibt es viele kostenlose Mitmachaktionen in der Sporthalle des Bildungszentrums für Technik und Gestaltung (BZTG), Taastruper Straße. Dafür muss man sich bis zum 30. August anmelden unter www.gsv-ol.de/turnen2021.
Das Sportliche
André Danke, 45 Jahre alt und von Geburt an hörgeschädigt, erklärt, an wen sich das Familienturnen richtet: „An Eltern mit hörgeschädigten Kindern, an gehörlose Eltern mit ihren Kindern und an Familien mit Kindern von ein bis sechs Jahren.“ Alle zwei Wochen mittwochs von 16 bis 17.30 Uhr wird es in der Turnhalle der Grundschule Hogenkamp, Wieselweg 20, angeboten.
Das anderthalbstündige Programm beginnt mit einem Begrüßungsritual und Aufwärmspielen. An verschiedenen Turnstationen werden dann die Wahrnehmung des Gleichgewichts und die Koordination von Bewegungsabläufen trainiert. Dabei werden die Kinder angeleitet und ermutigt, eigenständig Bewegungserfahrungen zu machen.
Im Abschlusskreis wird gemeinsam gespielt. Das Team besteht aus hörenden und gehörlosen Übungsleiterinnen und Übungsleitern. „Wir können alle die Gebärdensprache“, sagt André Danke.
Die Vorbilder
Bei diesem bilingualen Angebot geht es neben dem sportlichen Miteinander auch darum, dass hörgeschädigte Kinder erfahren, dass es auch hörgeschädigte Erwachsende gibt. Da nämlich hörgeschädigte Kinder zu 90 Prozent hörende Eltern hätten, kämen sie nur selten in den Kontakt mit erwachsenen Gehörlosen, heißt es in der Beschreibung dieses Projektes, das aus einer Kooperation der Oldenburger Frühförderstelle „dico – Bilinguale Entwicklungsbegleitung Schußmann & Brüggemann Partnerschaft“ und des GSV entstanden ist. Zur Identitätsentwicklung von hörgeschädigten Kindern seien selbstbetroffene Erwachsene Vorbilder unermesslich.
Fördermittel für das Familienturnen gibt es u. a. vom Landessportbund und der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung. „Aber sie sind zeitlich begrenzt“, erklärt Danke, „eigentlich bis Sommer 2021, doch durch die Zwangspause läuft es etwas länger.“ Voraussichtlich bis 2023 könne der GSV den Kindern eine kostenlose Mitgliedschaft anbieten.
Die Zielgruppen
Rund 100 Mitglieder habe der GSV zurzeit, darunter 16 Kinder bis zum Grundschulalter, so der Vorsitzende. „80 bis 90 Prozent unserer Mitglieder sind gehörlos.“ Zur Zielgruppe des Vereines gehören auch Hörgeschädigte und Hörende. „Gemeinsam geht’s besser“ heißt das Motto des GSV. Zu seinen Abteilungen zählen neben dem Familienturnen Kegeln, Darts, Rommé, Kartenspielen und der Frauentreff. Der Trainingsbetrieb im Badminton ruht im Moment. Information zu den Trainingszeiten und Trainingsorten gibt es auf der Homepage.
