OLDENBURG - Was lange währt, wird endlich gut, mag sich mancher Vertriebener aus dem oberschlesischen Leobschütz denken. Die alte Rathausglocke der Stadt, die jahrzehntelang in Oldenburg aufbewahrt wurde, kehrt im Frühjahr 2009 in ihre alte Heimat zurück. Dies erklärte Christiane Maaß, Pressesprecherin der Stadt, der NWZ . Maßgeblich für die Rückführung eingesetzt hatten sich in Oldenburg lebende Leobschützer, unter ihnen Winfried Kruppa.

Kruppa hat den 17. März 1945 noch genau in Erinnerung. Leobschütz, die Stadt, in der er damals seine Berufsausbildung machte, wurde von halb 10 morgens bis zum späten Nachmittag aus der Luft bombardiert. Kruppa gelang durch Feuersbrünste und Trümmer die Flucht in sein 20 Kilometer entferntes Heimatdorf Schönwiese. Für die Stadt Leobschütz jedoch war das Bombardement verheerend - ganz besonders für das Rathaus, von dem außer dem Glockenturm nichts mehr übrig blieb.

Gerettet werden konnte auch die Rathausglocke – und dies gleich zweimal. Zum einen vor den Bombenangriffen, zum anderen davor, für die Waffenproduktion der Nationalsozialisten eingeschmolzen zu werden. Denn zu diesem Zweck war die Leobschützer Glocke nach dem Bombardement nach Hamburg gebracht worden. Das Kriegsende kam jedoch früher.

„Nach dem Krieg wurden etwa 1 400 Menschen aus dem früheren Kreis Leobschütz in Oldenburg angesiedelt“, erinnert sich Winfried Kruppa. Oldenburg wurde Patenstadt von Leobschütz – und deshalb landete die alte Rathausglocke in der Huntestadt. Eine Zeit lang zierte sie den Oldenburger Schlossplatz, um dann schließlich im Stadtmuseum ausgestellt zu werden, wo sie sich bis heute befindet.

Dass die Glocke jemals wieder in ihre alte Heimat zurückkehren würde, hätte zu Zeiten des Eisernen Vorhangs wohl niemand erwartet. Dann jedoch kam die politische Wende, Polen wurde EU-Mitglied. Und 2006 bauten die Stadtväter mit EU-Unterstützung das zerstörte Rathaus in Leobschütz komplett wieder auf. Es fehlte nur die Glocke. Dass die Polen diese gerne in ihrem Rathaus sähen, erklärte zuletzt der aktuelle Leobschützer Bürgermeister, Jan Krowka, bei einer Visite im August in Oldenburg.

Unter den organisierten Vertriebenen aus Leobschütz unterstützen nicht alle die Übergabe der Rathausglocke nach Polen. „Befürworter und Gegner halten sich bei uns in etwa die Waage, aber eine knappe Mehrheit ist dafür“, meint Winfried Kruppa.