Oldenburg - Wenige Tage nach der Wahl zum neuen Stadtrat und noch vor dem Start der neuen Ratsperiode überrascht die AfD mit einer Personalie: Nicht die gewählte Lidia Bernhardt wird dem künftigen Stadtrat angehören, sondern der AfD-Kreisverbandsvorsitzende Andreas Paul. Bernhardt, die in dieser Ratsperiode mit dem Nachrücker Gerhard Vierfuß die AfD-Fraktion bildet, war Spitzenkandidatin der Partei im Wahlbereich 5 (Süd) und hatte mit 637 persönlichen Stimmen die meisten der AfD-Kandidaten erhalten. Paul kam im Wahlbereich 4 (Nordost) auf 611 Stimmen. Paul kandidiert auch als Direktkandidat für den Deutschen Bundestag, steht aber nicht auf der zwölfköpfigen Landesliste und dürfte somit kaum Chancen gegen die beiden politischen „Schwergewichte“ Dennis Rohde (SPD) und Stephan Albani (CDU) haben.

Gegenüber unserer Redaktion bestätigte Lidia Bernhardt den Verzicht auf den Sitz im Rat. Durch einen Pflegefall in der Familie sei sie zeitlich sehr eingespannt. Schon in der letzten Ratsperiode sei es nicht immer einfach gewesen, alles unter einen Hut zu bekommen. Als alleinige Vertreterin der AfD würde die Arbeitsbelastung zu hoch werden, befürchtet sie. In einer Zweier- oder Dreierkonstellation hätte dies anders ausgesehen. Viele Wählerinnen und Wähler, die sie zur ihrer Wiederwahl beglückwünscht hätten, habe sie bereits über die Entscheidung informiert, so Bernhardt. Sie ist nach eigenem Bekunden dabei auf Verständnis gestoßen. Sie kündigte an: „Ich werde mich auch weiter engagieren und Herrn Paul unterstützen, wo ich kann.“

Die AfD konnte die eigenen Erwartungen bei der Kommunalwahl nicht erfüllen. Die Partei hatte mit einer Stärkung gerechnet, kommt mit 2,72 Prozent der Stimmen (2016: 4,76 Prozent) aber nur noch auf einen Sitz im Stadtrat (vorher zwei).

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)