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Dialogkonzert im Oldenburger PFL Oldenburg war im 19. Jahrhundert schon eine Zukunftsstadt

Horst Hollmann
Pianist Thomas Synofzik spielte am prächtig restaurierten Érard-Flügel im Oldenburger PFL.

Pianist Thomas Synofzik spielte am prächtig restaurierten Érard-Flügel im Oldenburger PFL.

Piet Meyer

Oldenburg - Über die moderne Idee, Oldenburg den Titel „Zukunftsstadt“ zu verpassen, könnten in der Mitte des 19. Jahrhunderts die heimischen Regenten und Kulturgestalter nachsichtig gelächelt haben. „Sind wir doch längst!“ Eine solche Äußerung legen wir mal den Großherzögen August I. und Peter II. und ihren Hofkapellmeistern August Pott und Albert Dietrich in den Mund. Und da ist etwas dran. Einen solchen Schluss lässt jedenfalls ein Seminar an der Universität zu. Im sehr gut besetzten Kulturzentrum PFL hat apl. Professorin Kadja Grönke in einem Dialogkonzert einen Einblick gegeben.

Durchs Schlüsselloch

Es ist ein Blick durchs Schlüsselloch, sicherlich, aber ein höchst informativer. Mit der von dem 1832 nach Oldenburg gelockten Geigen-Virtuosen Pott gegründeten und ab 1860 von Dietrich weiterentwickelten Hofkapelle „stach Oldenburg sogar Hannover aus“. 37 Oldenburger Musiker standen gegen 32 Hannoveraner. „Es war aber nicht nur eine Mengenlehre“, erläutert Grönke weiter. „Oldenburg glänzte auch mit Qualität.“ Es zeigte sich auch der Zukunft zugewandt. Die Herzöge waren sehr darauf bedacht, das Bürgertum in öffentlichen Konzerten einzubeziehen.

Gewaltige Klänge

Johannes Brahms kam als einer der engsten Freunde von Dietrich mehrmals nach Oldenburg. Clara Schumann, damals eine Ausnahmepianistin, konzertierte im November 1866 zweimal hier, später noch 1868 und 1871. Geschickt hatte Grönke zusammen mit dem Pianisten Thomas Synofzik um diese Auftritte ein Programm entworfen. Zudem konnte der Leiter des Robert-Schumann-Hauses in Zwickau einen weiteren Star unter seine Hände nehmen: Den im Pianohaus Rosenkranz so prächtig renovierten Érard-Flügel von 1850.

Clara Schumann hat Instrumente der Pariser Firma auf ihren Tourneen gespielt. „Egal wo, ihr wurde stets ein Instrument zum Auftritt transportiert“, erzählt Synofzik. Wenn man ihn spielen hört, würde man ihm einen solchen Service auch gönnen. Er nutzt eindrucksvoll die unterschiedlichen Klangfarben und Tonvolumen der einzelnen Register. Gewaltig rauschen die Klänge im Andante nach der schottischen Ballade op. 10 von Brahms auf. Nichts verzärtelt der Pianist in Robert Schumanns Romanze op. 32/2. Überhaupt besticht er ebenso in knorrigen Akkordballungen wie in Kontrast-Bildungen. Nur die Oberfläche zu polieren, ist nicht seine Sache.

Volksnähe zählt

Fünf der mit zwei Zugaben 15 Werke dieses Dialogkonzerts hat Clara Schumann auch in Oldenburg aufgeführt. Doch über den höheren Anspruch hinaus, sind auch Werke zu hören mit der steifen Voraussehbarkeit klassischer Schemata. Nun ja, die Hofkapellmeister selbst waren beschränkte Pianisten, Prinz Peter von Oldenburg in seinem netten Capriccio für seine „geliebte Tochter“ auch.

Doch auch das macht eine Zukunftsstadt aus. Es wird nicht nur nach Sternen gegriffen. Auch Volksnähe zählt.

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