Oldenburg - Der Eintrag in die Geschichtsbücher der Stadt ist ihm gewiss: Nach Hans Fleischer (1956 bis 1961 und 1964 bis 1981) ist in Oldenburg mit Jürgen Krogmann (SPD) ein amtierender Oberbürgermeister wiedergewählt worden – mit deutlichem Vorsprung zwar, aber weit entfernt von einem Erdrutschsieg. Nach Auszählung aller Wahllokale kommt der Amtsinhaber nach dem vorläufigen Endergebnis auf 54,07 Prozent der Stimmen. Sein Herausforderer Daniel Fuhrhop liegt bei 45,93 Prozent.
Der Sieg bringt die SPD in eine deutlich verbesserte Verhandlungsposition mit ihrem möglichen Partner im Stadtrat. Die Kommunalwahl hatten die Grünen noch gegen die Sozialdemokraten gewonnen (31,19 Prozent zu 29 Prozent). Beide Parteien verfügen jetzt über jeweils 16 Sitze, was gemeinsam für eine deutliche Mehrheit im 51-köpfigen Stadtrat reicht. Andere Formen der Zusammenarbeit im Rat sind deutlich weniger realistisch.
„Wenn es gut läuft, dann läuft es so wie heute“, hatte Jürgen Krogmann gehofft. Mit dem Wahlergebnis ist er deshalb sehr zufrieden. Offenbar habe er auch tendenziell Grünen-Wähler angesprochen. „Zwei Jahre haben wir mit ,Fridays for Future’ diskutiert, rund 100 Beschlüsse gefasst“, bemerkte der OB.
Als Aufgabe für die Zukunft sieht er es, eine von ihm beobachtete Spaltung zwischen dem Bereich der Innenstadt inklusive des Uni-Umfelds und den restlichen Stadtteilen einzudämmen. „Wir müssen uns wieder gemeinsam als Oldenburger aufstellen, so dass jeder das Gefühl hat, dass er mitgenommen wird.“ Aufgabe sei es auch, den Ratsbeschluss zur Klimaneutralität Oldenburgs bis 2035 umzusetzen. Die energetische Sanierung und der Ausbau der Schulen stehe nun ganz weit oben auf der Tagesordnung. Dort müssten vom Rat Beschlüsse über die Finanzierung der kostspieligen Maßnahmen gefasst werden.
Zu möglichen Zusammenarbeiten im Rat wollte er sich nicht äußern – das sei Sache der Parteien. „Ich setze auf die Oldenburg-Partei, um den besten Weg für unsere Stadt zu finden“, so Krogmann abschließend.
Zufrieden zeigte sich ebenfalls die Oldenburger SPD-Vorsitzende Nicole Piechotta. Besonders mit Blick auf andere Uni-Städte, in denen Grüne in Rathäusern und Räten die Politik bestimmen, sei es ein starkes Zeichen ihrer Partei, dass man weiterhin den Oberbürgermeister stelle.
Der von den Grünen unterstützte parteilose Daniel Fuhrhop richtete einen Glückwunsch an Krogmann aus. Persönlich im Wahlzentrum in der BBS3 trafen sie sich nicht. Er habe klare inhaltliche Unterschiede zu Krogmann aufgezeigt und dies auf seine Art rübergebracht. „Und viele Leute fanden das offenbar ganz gut.“
Auch Daniel Fuhrhop (rechts) bekam Applaus (von den Grünen), als er im Wahlzentrum vorbeischaute.
Der politische Neuling Fuhrhop hat nach eigenen Angaben im Wahlkampf Geschmack an der Übernahme von Verantwortung gefunden. Einer Partei werde er nicht beitreten. Aber nach seiner Zeit zuletzt als Wissenschaftler und Buchautor habe er große Lust, eine verantwortliche Position zu übernehmen. In welchem Bereich, das ließ er offen, aber er wolle sich weiter „den Themen widmen, mit denen ich mich in dieser Kampagne gezeigt habe“. Ob er dies in Oldenburg tun werde, verriet er nicht.

