Oldenburg - Der Streit um den Namen Carl von Ossietzky Universität Oldenburg entwickelte sich zu einer Posse. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident und spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder entschuldigte sich dafür im Namen der Landesregierung bei Rosalinde von Ossietzky-Palm, der Tochter des Friedensnobelpreisträgers, am 3. Oktober 1991 beim Festakt zur Namensgebung.
Hier die Chronologie:
6. Juni 1972: Am 6. Juni schlägt das studentische Mitglied des Gründungsausschusses, Hans-Henning Adler, vor, die Universität nach dem Nazi-Gegner und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky zu benennen.
21. April 1973: Die Nordwest-Zeitung (NWZ) startet eine Leserbefragung zur Namensgebung und stellt neben Carl von Ossietzky vier weitere Persönlichkeiten (Graf Anton Günther, Wilhelm Heinrich Schüßler, Gustav Stresemann, Karl Jaspers) sowie den Namen „Universität Oldenburg“ zur Abstimmung. Das Resultat: Über die Hälfte der 3111 Teilnehmer spricht sich für „Universität Oldenburg“ aus.
1. Februar 1974: Der Gründungsausschuss beschließt einstimmig die Benennung der Universität nach Carl von Ossietzky.
7. Februar 1974: Das SPD-geführte Kultusministerium genehmigt die Grundordnung mit Ausnahme der Namensgebung.
6. Juni 1974: In einem Gespräch mit dem Konzilsvorstand bestätigt das Ministerium seine ablehnende Haltung. Begründung: Eine Namensgebung sei nicht mehr zeitgemäß.
16. Oktober 1974: Einen Tag nach Semesterbeginn bringen Studenten in großen Lettern den Namenszug „Carl-von-Ossietzky Universität“ weithin sichtbar am Turm des Allgemeinen Verfügungszentrums an.
14. Mai 1975: Um eine Abstimmungsniederlage im Landtag aufgrund eines CDU-Antrags zum Entfernen des Schriftzugs zu vermeiden, kündigt die SPD/FDP-Regierung die Entfernung der Lettern an.
27. Juni 1975: Unter dem Schutz von 200 Polizisten entfernen Maler den Schriftzug.
2. Juli 1975: In der Nacht bringen Studenten den Namenszug „Carl-von-Ossietzky Universität“ an gleicher Stelle wieder an.
18. Dezember 1976: Erste Informationsveranstaltung des Oldenburger Bürgerkomitees „Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg“, das sich am 5. August gebildet hat. In Briefen äußern sich u.a. Alfred Andersch, Heinrich Albertz, Willy Brandt, Axel Eggebrecht, Ossip K. Flechtheim, Helmut Gollwitzer, Günter Grass, Robert Kempner, Siegfried Lenz, Rosalinde von Ossietzky-Palm zum Anliegen der Universität.
4./5. Mai 1978: Zusammen mit der internationalen Liga für Menschenrechte, dem DGB-Landesbezirk Niedersachsen und dem Bundesjugendring veranstaltet die Universität Oldenburg demonstrativ „Ossietzky-Tage“ anlässlich des 40. Todestages des Friedensnobelpreisträgers. Im Rahmen der Veranstaltung enthüllt Rosalinde von Ossietzky-Palm ein durch Spenden von Universitätsangehörigen finanziertes Mahnmal der Kölner Künstlers Hans-Peter Reinartz. 2005 erhält es seinen endgültigen Standort vor dem Hörsaalzentrum.
Februar 1980: Das Verwaltungsgericht Oldenburg entscheidet, dass nur der Landtag berechtigt ist, über Namen von Universitäten zu entscheiden und verwirft die Beschlüsse von Konzil und Senat.
17. April 1991: Der Landtag billigt mit Zustimmung aller Fraktionen die Novellierung des Niedersächsischen Hochschulgesetzes (NGHG). Sie ermöglicht der Universität, sich den gewünschten Namen zu geben.
29. Mai 1991: Das Konzil beschließt daraufhin erneut die Namensgebung der Universität nach Carl von Ossietzky.
