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Mit dem Bestattungsrad zum Friedhof Trauerzug erweist Geerd Hilmers auf Fahrrädern die letzte Ehre

Jan Hilmers, Berit Reiners (geb. Hilmers) und ihr Sohn Benjamin haben ihrem Vater bzw. Großvater Geerd Hilmers den letzten Wunsch erfüllt: Die Urne mit der Asche des Verstorbenen wurde mit dem Bestattungsrad von Michael Olsen zur Beerdigung von der Lambertistraße zum Gertrudenkirchhof gebracht.

Jan Hilmers, Berit Reiners (geb. Hilmers) und ihr Sohn Benjamin haben ihrem Vater bzw. Großvater Geerd Hilmers den letzten Wunsch erfüllt: Die Urne mit der Asche des Verstorbenen wurde mit dem Bestattungsrad von Michael Olsen zur Beerdigung von der Lambertistraße zum Gertrudenkirchhof gebracht.

Sascha Stüber

Oldenburg - Es war sein letzter Wille: Mit dem Bestattungsrad von Michael Olsen sollte die Urne mit der Asche von Fahrradhändler Geerd Hilmers von seinem Wohn- und Geschäftshaus in der Lambertistraße abgeholt und zu seiner Beisetzung auf den Gertudenkirchhof gebracht werden. Seine Familie erfüllte ihm diesen Wunsch. Am Freitag erwies ein vielköpfiger Trauerzug dem Verstorbenen die letzte Ehre.

Sonst im Verborgenen

Geschmacklos und pietätlos? Oder ein Anlass, das Thema Tod und Sterben und den Umgang damit aus dem Verborgenen ans Licht der Öffentlichkeit zu holen? Die Urne von Geerd Hilmers jedenfalls, der wie sein Vater auch ein Leben lang mit dem Handel und der Reparatur von Fahrrädern zu tun gehabt hatte, wurde auf dem mit Blumen und Kränzen dekorierten Rad über die Alexanderstraße zum Gertrudenkirchhof gebracht. In aller Öffentlichkeit, die allerdings kaum Notiz von dem Trauerzug nahm. Hilmers war 89 Jahre alt geworden.

Abschied nehmen

In früheren Zeiten gehörte der Tod eines Menschen zum Leben dazu wie seine Geburt. Der Leichnam wurde in seinem Zuhause aufgebahrt und die Familie, Freunde und Nachbarn konnten Abschied nehmen. Der direkte Nachbar hatte die Aufgabe, an den Türen der Nachbarschaft zu klingeln und die Todesnachricht zu überbringen.

Pastorenpadd angelegt

Nach einigen Tagen wurde der Sarg geschlossen und mit dem von Pferden gezogenen Bestattungswagen zum Friedhof gebracht. Vorneweg lief der Pastor, für den in der Mitte der holprigen mit Kopfsteinen gepflasterten Straßen bei ihrem Bau ein schmaler Weg aus Klinkern angelegt worden war. Der sogenannte „Pastorenpadd“, der heute noch beispielsweise in der Wichelnstraße zwischen dem Eversten Holz und den Dobbenwiesen zu sehen ist.

Bis zur Eröffnung des Friedhofs Eversten im Jahr 1878 mussten die Toten aus Eversten am Eversten Holz entlang zum Pferdemarkt gebracht werden.

„Da der Trauerzug die Stadttore nicht passieren durfte, ging der weitere Weg um die Stadt herum zum Neuen Haus an der Südseite des Pferdemarktes (ehemaliges Finanzamtsgelände). Von dort wurde der Sarg von Eingesessenen aus Eversten über den auf der Westseite des Pferdemarktes verlaufenden Totenweg zum Gertrudenkirchhof getragen“, schreibt Georg Bredehorn in seinem im Isensee-Verlag erschienenen Geschichtsbuch „Eversten“.

Und heute? In der Regel werden Särge und Urnen vor der Öffentlichkeit und der Nachbarschaft verborgen. Die Leichenwagen haben Milchglasscheiben und Vorhänge, damit den Passanten der Blick auf den Sarg erspart bleibt. Beisetzungen finden oftmals anonym und in Friedwäldern statt.

Geerd Hilmers hat sich das anders gewünscht. Den Weg über die Alexanderstraße, den er in seinem Leben so oft mit dem Rad gefahren war, wollte er auch zu seiner eigenen Beerdigung mit dem Fahrrad zurücklegen.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg
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