Oldenburg - Man könnte ja meinen, auf drei Rädern fühlt man sich als Radfahrer sicherer. Von wegen! Mein erster Eindruck ist: Hilfe, ich kippe um. Seltsam unsicher fühlen sich meine ersten Testfahrten mit dem Lastenrad an. Und ich brauche eine ganze Weile, um zu verstehen, warum das so ist.

Der Grund ist, dass Straßen und Radwege an vielen Stellen einfach schief sind. Das fällt einem als „normaler“ Fahrradfahrer gar nicht auf, weil man das auf zwei Rädern einfach ausgleicht und so immer in der Senkrechten bleibt. Mit seinen drei Rädern passt sich mein Lastenrad dagegen dem Untergrund an. Fällt der Radweg also nach rechts ab, neigt sich das gesamte Dreirad ebenfalls leicht nach rechts. Dadurch entsteht dieses Umkipp-Gefühl.

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Besonders extrem ist dieser Eindruck, wenn eine Abbiegung mich links herum führt, der Untergrund aber nach rechts abfällt. Ohnehin sind Kurven zu Beginn eine Herausforderung. Denn statt wie bei meinem üblichen Fahrrad den Lenker einfach zu drehen, muss ich ihn nun seitlich nach links oder rechts schieben, um den gesamten vor mir befindlichen Kasten in die neue Fahrtrichtung zu drehen.

Übrigens: Von zu zügigen Kurvenfahrten ist generell abzuraten. Denn da ich mich nicht wie beim Zweirad in die Kurve legen kann, besteht die Gefahr, dass es nicht nur beim Kippgefühl bleibt, sondern dass bei zu viel Schwung eines der Vorderräder abhebt und ich tatsächlich auf der Seite lande.

Diese Widrigkeiten sind in erster Linie Gewöhnungssache. Nach ein paar Tagen weiß ich, wie ich mein Gewicht verlagern muss und greife zum Beispiel mit der rechten Hand links an den Lenker, wenn ich stark nach links einschlagen muss. So kann ich aufrecht sitzen bleiben, ein Tipp des Fahrradhändlers.

Mit der Zeit werden mir zudem die Vorteile der Bauweise bewusst. An der roten Ampel halte ich mich zu Beginn noch instinktiv am Ampelmast fest – muss ich gar nicht, ich kann ja nicht umkippen. Auch mit zwei Kindern in der Transportbox bemerke ich die hohe Stabilität, insbesondere nach dem Anhalten: Kein Kippeln an der Ampel; keine Gefahr, dass das Rad umkippt, wenn die Kinder ein- oder aussteigen.

Ungewohnt ist allerdings, dass ich wegen des Aufbaus meine vorderen Räder gar nicht sehe. Ob ich bei schmalen Radwegen schon nah am Kantstein oder am Graben bin, lässt sich nur erahnen. Hier ist also ein gutes Fahrgefühl gefragt.

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)