Oldenburg - Manche Baumarten haben eine Zukunft in der Stadt, andere sind nicht (mehr) als Straßenbäume geeignet. Ein Grund dafür ist auch der Klimawandel. Die Stieleiche beispielsweise, die seit Jahrzehnten das Verkehrsgrün in Oldenburg beherrscht, hat in den jüngsten trockenen und heißen Sommern sehr gelitten. In einer ausführlichen Analyse geht der Fachdienst Stadtgrün, Planung und Neubau der Eignung bestimmter Baumarten als Stadtbaum vor dem Hintergrund des Klimawandels nach.
Seit längerem orientiere man sich bei Neuanpflanzungen an einer Liste verschiedener Institute und Baumschulen, die Baumarten auf die Klimaveränderungen hin testen, hatte Thorsten Logemann vom Fachdienst im vergangenen Jahr gesagt. Damals, im August 2020, war die Lage heikel – wie auch schon im Sommer davor: Regenschauer hatten wenig Wirkung gezeigt und die städtischen Mitarbeiter mussten die Straßen- und Stadtbäume wieder regelmäßig bewässern.
Die Vergangenheit
Aus Gründen des Naturschutzes wurden in der Vergangenheit überwiegend (fast 50 Prozent) vier heimische Baumarten im Straßenraum gepflanzt, heißt es laut der Bestandsaufnahme der Stadt. Diese Bäume, die natürlicherweise an Waldstandorten wachsen, seien an Straßen aber ganz anderen Bedingungen ausgesetzt: beengter Wurzelraum und Versiegelung. Weiterer Stress für sie entstehe als Folge des Klimawandels. Diese Baumarten seien alle durch die Hitze und Trockenheit der letzten Sommer stark geschädigt und als Folgeerscheinung von Krankheiten und/oder Schädlingen befallen worden; zum Beispiel die Stieleiche durch den Eichensplintkäfer, Stammrisse beim Ahorn und das Eschentriebsterben durch einen Pilz.
Dabei treten laut der Analyse der Stadt diese Probleme nicht nur bei jungen, vor kurzem gepflanzten Bäumen auf, sondern auch an älteren, gut eingewachsenen Exemplaren. Fazit: Ihre Verwendbarkeit zumindest an den Extremstandorten sei damit für die Zukunft stark eingeschränkt.
Die Zukunft
Rund 40.000 Bäume wachsen zurzeit im Verkehrsgrün der Stadt Oldenburg
Hauptbaumarten: Sie unterteilen sich (bis 1990 gepflanzt) in 15.600 Eichen (hauptsächlich Stieleichen), 6.690 Birken (Sandbirke), 2.490 Ahornbäume, 2.340 Linden, 1.670 Erlen
bis 2020 gepflanzt: 2.480 Eichen (Stieleichen), 890 Birken (Sandbirken), 830 Linden (z.B. Sorte Greenspire)
Dazu gehören Arten, die aus regenarmen Regionen mit höheren Temperaturen stammen. Ein Beispiel ist der Eisenholzbaum (im Iran und Kaukasus beheimatet), von dem mehrere Exemplare am Julius-Mosen-Platz gepflanzt wurden. Aber es gibt auch einheimische Baumarten, die relativ stadtklimafest sind. In der Analyse werden die Traubeneiche als gut und die Mehlbeere, der Feldahorn sowie die Sandbirke mit Einschränkungen für den innerstädtischen Bereich als geeignet bezeichnet.
Die Forschung
Man orientiere sich bei der Planung an einer Liste verschiedener Institute und Baumschulen, die Baumarten auf die Klimaveränderungen hin testen, so der Fachdienst Stadtgrün. Alle Forschungen und Tests kämen zu dem Ergebnis, dass Bäume aus Nordwestamerika, Zentralasien und teilweise aus Südosteuropa die besten Voraussetzungen mitbringen, um die Aufgaben und Ziele der innerstädtischen Begrünung zu erfüllen.
Eine starke Mischung von Baumarten und -sorten im Stadtgrün der Zukunft werden von allen empfohlen. Selbst Alleen sollten nicht aus einheitlichen Bäumen gepflanzt werden. Als geeignete Zukunfts-/Klimabäume führten die Baumschulen auf: Feldahorn, Südlicher Zürgelbaum, Blumen-Esche, Fächerblattbaum, Lederhülsenbaum, Amberbaum, Schwarze Tulpenbaum, Hopfenbuche, Wildkiefer, Eisenholzbaum und Schnurbaum.
