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Oldenburger Wissenschaftler Henrik Mouritsen Vogelforscher entschlüsselt den sechsten Sinn

Erfolg nach jahrelanger Arbeit im Labor: Doktorandin Jingjing Xu und Prof. Dr. Henrik Mouritsen, Universität Oldenburg

Erfolg nach jahrelanger Arbeit im Labor: Doktorandin Jingjing Xu und Prof. Dr. Henrik Mouritsen, Universität Oldenburg

Oldenburg - Wie funktioniert der magnetische Kompass von Zugvögeln? Auch wer sich für diese Frage weniger interessiert, wird Henrik Mouritsen an den Lippen hängen. Der Oldenburger Vogelforscher hat sein ganzes Leben der Beobachtung und Erforschung von Vögeln gewidmet und lebt dieses Thema. Kraftvoll, begeistert und zudem sehr anschaulich kann der 49-Jährige erzählen, was das Einzigartige am Magnetsinn ist, welche Geheimnisse das Eiweiß eines Rotkehlchens verbirgt und warum die Ergebnisse seiner Forschung den Natur- und Artenschutz voranbringen.

Anfragen aus China

In diesen Tagen interessieren sich Fernseh- und Radiostationen weltweit für seine Antworten. Seit bekannt ist, dass die renommierte Fachzeitschrift „Nature“ Mouritsens Forschungen auf den Titel der aktuellen Ausgabe gehoben hat, gibt der Professor für Neurosensorik ein Interview nach dem anderen. Das BBC Fernsehen hat ein Live-Interview geführt, Washington Post, Le Monde und der österreichische Radiosender O1 haben ebenfalls berichtet. „Größeres Interesse kam auch von chinesischen Medien, weil Erstautorin Jingjing Xu, eine unserer Doktorandinnen, aus China stammt.“

Die Veröffentlichung ist der Ritterschlag auf einem Weg, der schon vor 17 Jahren begonnen hat. Damals war der Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und der Orientierung der Zugvögel bekannt. Doch auf welchem Weg die Tiere Orientierung finden, war unbekannt. „Wir haben allein 13 Jahre benötigt, um das verantwortliche Rotkehlchen-Protein im Labor produzieren zu können“, erzählt Mouritsen. Die Akribie, Ausdauer und Neigung seiner Doktorandin, alle Abläufe im Labor immer wieder zu hinterfragen, habe wesentlichen Anteil am Durchbruch. Dass der Magnetsinn der einzige Sinn ist, dessen Wirkmechanismen nicht bekannt waren, spornte den gebürtigen Dänen zusätzlich an.

Enge Partner in Oxford

Henrik Mouritsen wird nicht müde, den Anteil der Partner aus Oxford und weiterer Fachleute zu betonen. „Ohne das Spektrometer aus Oxford, das tausendmal genauer messen kann als alle anderen Spektrometer auf der Welt hätten wir die Reaktionen der Proteine nie untersuchen können.“

Mouritsen, der seit fast 20 Jahren in Oldenburg forscht, verweist auf den praktischen Nutzen der Ergebnisse. Wer die Navigationsabläufe bei den Tieren kenne, könne Zugvögel schützen und zu sicheren Lebensräumen verhelfen. „Ohne dieses Wissen geht das nicht.“

Die Notwendigkeit von Erkenntnissen zum besseren Schutz von Vögeln rechtfertigt für Mouritsen, unter bestimmten Voraussetzungen Tiere zu Versuchszwecken einzusetzen. Für die Ergebnisse, die „Nature“ aufgegriffen habe, seien keine Versuche an Tieren erforderlich gewesen. „Aber es gibt Fragestellungen, wo man sie braucht.“ Wenn alle Vorgaben und Bedingungen beachtet werden, seien Versuche an Tieren ethisch nicht nur zu rechtfertigen, sondern sogar geboten, ist Mouritsen überzeugt, der seit Kindesbeinen Vögel in der Natur beobachtet. „Weil sie dem Schutz und Erhalt von Populationen dienen.“

Die Universität ist mächtig stolz auf den Forscher, der es als einziger Wissenschaftler aus Oldenburg bereits zum zweiten Mal auf den Titel der angesehenen Fachzeitschrift geschafft hat. Die Höhe der Fördermittel, die Mouritsen beim Bund und beim Europäischen Forschungsrat einwerben konnte, belegen die hohe Wertschätzung. Wer vermutet, die Ergebnisse wanderten nun in die Schublade, irrt. „Wir wollen das, was wir im Labor gezeigt haben, nun möglichst auch unter natürlichere Bedingungen nachweisen.“

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)
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