Oldenburg - Vor etwas mehr als einem Jahr wurde die neue Fußgänger- und Fahrradbrücke über die Haaren eingesetzt. Damit einher ging auch eine Umgestaltung der Kreuzung. Hat sich das bewährt? Unsere Redaktion hat dazu Meinungen eingeholt.
Die Situation
Die Brücke wurde damals bewusst um einige Meter versetzt, damit Radfahrer auf gerader Linie von der Auguststraße zur Fahrradstraße Haarenufer und umgekehrt fahren können. In Richtung Auguststraße funktioniert das sehr unproblematisch. Immer wieder erreichen unsere Redaktion jedoch Stimmen von Lesern, die die Situation in Gegenrichtung für nicht ideal halten.
Die Radfahrer auf der Auguststraße werden (wenn sie nicht ohnehin dort schon fahren) bereits weit vor der Kreuzung auf einen rot markierten Schutzstreifen am rechten Fahrbahnrand geführt. Bei roter Ampel können die Radler rechts an den wartenden Autos vorbeifahren, an erster Stelle auf einer breiten Aufstellfläche warten und bei Grün als erste losfahren.
Problematischer sehen manche Auto- und Radfahrer die Situation bei Grünlicht: Die rechts abbiegenden Autos müssen dann die geradeaus verlaufende Radspur kreuzen. Anders als bei vielen anderen Kreuzungen verläuft diese aber eben nicht mehrere Meter weiter rechts beim Fußgängerüberweg, sondern direkt neben dem Auto. Der genaue Blick über die Schulter und in den Spiegel ist hier also extrem wichtig, um nachträglich herannahende Radfahrer nicht zu übersehen.
ADAC
Aus Sicht von Nils Linge, Sprecher des Automobilclubs ADAC, gibt es an der Kreuzung grundsätzlich eine normale Abbiegesituation. Durch die Nähe zwischen Auto und Fahrrad stuft er sie jedoch als „etwas gefährlicher“ ein.
Was er sich fragt: Warum der Fahrradbereich nur mit einer gestrichelten Linie an der rechten Seite und einigen Piktogrammen gekennzeichnet ist. Er spricht sich dafür aus, eine Fahrradspur mit roter Farbe komplett über die Kreuzung zu ziehen, um die besondere Situation deutlicher zu machen.
Radfahrern rät Linge, beim Anfahren an die Kreuzung aufmerksam zu sein. „Man sollte nicht davon ausgehen, dass man auf jeden Fall gesehen wird.“ Autofahrer sollten vorausschauend ihre Spiegel benutzen.
ADFC
Der Vorsitzende des Fahrradclubs ADFC in Oldenburg, Heinrich Book, hält die Kreuzung „nach den damaligen Planungsrichtlinien für gut gestaltet“.
Er hat allerdings auch Verbesserungsvorschläge. So spricht auch er sich für durchgehende Piktogramme und rote Farbe aus.
Eher unauffällig sei die Kreuzung nach einer ersten Eingewöhnungsphase in Bezug auf Hinweise oder Beschwerden von Bürgern, heißt es von der Verwaltung. Unfälle zwischen Radfahrern und Kfz-Verkehr habe es bislang nicht gegeben, wie auch die Polizei bestätigt.
Eine getrennte Schaltung der Ampeln für den Auto- und Radverkehr sei wegen des Schutzstreifens nicht möglich. „Dieser Schutzstreifen darf vom Autofahrer überfahren werden. Deswegen kann und darf hier kein Radfahrer auf dem Schutzstreifen anhalten und warten, während der Kfz-Verkehr in gleicher Richtung Grün hat“, so Stadtsprecher Stephan Onnen.
Eine rote Markierung der Radfahrspur auf der Kreuzung, wie vom ADAC und ADFC befürwortet, könne die Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer erhöhen, so Onnen weiter. Die Stadt arbeite derzeit im Zuge des Rahmenplans Mobilität und Verkehr aus, wie Kreuzungsbereiche in Zukunft noch sicherer werden können. Farbliche und eindeutige Markierungen seien Elemente, die dabei stärker als bisher zum Einsatz kommen könnten. „Für die modellhafte Erprobung könnte sich die Kreuzung Ofener Straße/Auguststraße eignen.“
Wie ist ihre Meinung? Halten Sie die Gestaltung der Kreuzung für gelungen? Oder wünschen Sie sich eine Veränderung? Im Internet können Sie abstimmen.
Um deutlich mehr Platz für Radler zu schaffen, könnten aus Books Sicht die derzeit zwei Kfz-Spuren (eine für Rechts-, eine für Linksabbieger) zu einer zusammengefasst werden. „Diese Radspur könnte evtl. auch von Linienbussen genutzt werden, die somit auch Vorrang gegenüber dem Autoverkehr bekämen.“
Noch mehr Sicherheit würde aus Sicht von Book ein Rundum-Grün schaffen: „Hierbei erlaubt die Ampelschaltung die gleichzeitige Freigabe für den Radverkehr aus allen Richtungen, während der Kfz-Verkehr warten muss. Dieses Kreuzungsdesign wird in vielen ausländischen Städten unter dem Gesichtspunkt Sicherheit erfolgreich praktiziert.“ Um den Radfahrern in diesem Bereich generell mehr Aufmerksamkeit zu geben, könne zudem die Auguststraße ab Haareneschstraße/ Katharinenstraße in eine Fahrradzone umgewidmet werden mit Regeln ähnlich einer Fahrradstraße. „Die aktuelle Novelle der Straßenverkehrsordnung gibt diese Möglichkeit her.“
