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Vfb Oldenburg Im Dfb-Pokal Viele Zuschauer, viele Gegentore

Oldenburg - Im Ligabetrieb war der VfB Oldenburg zumeist in der obersten mehrgleisigen Liga zu Hause, ob es nun die Regionalliga (zweite Liga von 1963 bis 1974), die Oberliga (1974 bis 1994) oder wiederum die Regionalliga (dritte Liga von 1994 bis 2008 bzw. vierte Liga seit 2008) war. Hin und wieder gelang dem Verein der Aufstieg in bundesweite Ligen und sonnte sich somit für kurze Zeit im Licht der Öffentlichkeit. Doch manchmal kam die große, weite Fußballwelt auch so nach Oldenburg: im DFB-Pokal. Einige der Pokalduelle haben längst Legendenstatus erreicht.

Lothar Emmerich geht ein Licht auf

Dazu gehört wohl vor allem die Erstrundenpartie am 27. Januar 1968 gegen Borussia Dortmund. Der BVB kam damals als amtierender Europapokalsieger und mit so klangvollen Namen wie Dieter Kurrat, Reinhard „Stan“ Libuda, Rudi Assauer, Sigfried Held und Lothar Emmerich. Torjäger „Emma“ war es auch, der sich vor dem Spiel noch verwundert fragte: „Ich verstehe gar nicht, warum die nicht in ihrem größeren Stadion spielen. Mit uns könnten die doch mal richtig Kohle machen.“ Als er die 17000 Zuschauer auf dem Platz an der Donnerschweer Straße sah – und vor allem: hörte – wurde ihm schlagartig klar, warum.

Das lautstarke Publikum hätte um ein Haar eine Pokalsensation miterlebt: Erwin Jung schoss den VfB mit 2:0 in Führung, ehe die Borussen durch Libuda (67.) und Emmerich (71.) ausglichen. Kurz vor Schluss „schenkte“ (so sahen es zumindest einige Augenzeugen) Schiedsrichter Ewald Regely der Borussia einen Elfmeter, der die Partie letztlich entschied: Wolfgang Paul traf zum Sieg, der Bundesligist marschierte in die nächste Runde.

32.000 Zuschauer im Marschwegstadion

Knapp sechs Jahre später war wieder Pokalzeit in Oldenburg, wieder kam eine Borussia, nur gegen Mönchengladbach strömten am 1. Dezember 1973 sagenhafte 32.000 Zuschauer ins Marschwegstadion. Sie wollten die späteren Weltmeister Wolfgang Kleff, Berti Vogts, Rainer Bonhof, Herbert Wimmer und Jupp Heynckes sowie den legendären Trainer Hennes Weisweiler in Oldenburg sehen. Einen solchen Massenandrang sieht Oldenburg nicht alle Tage – und die Polizei machte ganz neue Erfahrungen: Immer wieder mussten betrunkene Stadionbesucher abtransportiert werden – die Ausnüchterungszellen waren an dem Wochenende „voll ausgelastet“, wie ein Polizeioberrat damals der NWZ in den Block diktierte.

Das Spiel selbst berauschte damals aber auch viel zu wenig: Mit 0:6 ging der damalige Regionalligist gegen den Titelverteidiger unter: Heynckes (2x), Bernd Rupp, Wimmer, Bonhof und Horst Köppel erzielten die Tore für die Gäste, die in Bestbesetzung aufgetreten waren, um kein Risiko einzugehen. Die hochmotivierten Oldenburger Fans bemerkten schon in der ersten Halbzeit schnell, dass hier nichts zu holen war. Bürgermeister Günther Fehlhaber (FDP) versteckte seine zur Unterstützung mitgebrachte Hupe bereits nach einer halben Stunde wieder in seinem Mantel.

Große Namen in Oldenburg zu Gast

Der VfB war nie ein Pokaldauergast, zu sporadisch gelang es den „Blauen“, sich für den Wettbewerb zu qualifizieren. Über die Jahrzehnte waren Mannschaften wie der 1.FC Köln (1974, 2:6), Schalke 04 (1975, 0:6), der VfL Bochum (1977, 0:2, und 1987, 0:0 nach Verlängerung zu Hause, 1:4 im Entscheidungsspiel in Bochum), Bayer Uerdingen (1984, 1:6) und Werder Bremen (1996, 1:2) Gäste in Oldenburg. Den größten Erfolg im Pokal – und wohl auch das denkwürdigste Spiel – erlebten die Oldenburger in der Saison 1980/81: Der damalige Zeitligist VfB erreichte das Achtelfinale und traf auf Eintracht Frankfurt.

Eintracht Frankfurt bekommt weiche Knie

Und das Spiel vor 22000 Zuschauern am Marschweg hatte es in sich. In der 37. Minute führten die Hessen zwar bereits mit 3:1 (Tore durch Werner Lorant (2x), Bum-Kun Cha sowie Peter Darsow für Oldenburg), die Oldenburger steckten aber nicht auf. Selbst dann nicht, als nach dem schnellen Anschlusstreffer (38., Wilfried Klinge) der Bundesligist seine Führung weiter ausbaute (53., Bruno Pezzey und 62., Cha). Das Spiel schien entschieden zu sein, und selbst nach dem 3:5 durch Wilfried Osterkamp (75.) werden die meisten Zuschauer nicht mehr mit großer Spannung gerechnet haben.

Der Treffer von Reinhold Specht in der 90. Minute aber ließ in buchstäblich letzter Minute die Oldenburger Hoffnungen auf eine Sensation noch einmal aufkeimen, im gleichen Maße, wie die Frankfurter urplötzlich weiche Knie bekamen. Denn direkt nach dem darauf folgenden Anstoß verlor die Eintracht den Ball an Herbert Pösger, der frei auf Eintracht-Keeper Jürgen Pahl zulief. Doch Pösger legte sich den Ball zu weit vor, die Chance war vertan, und Schiedsrichter Walter Eschweiler pfiff ab. Die Eintracht war weiter, die Fans hatten ein nervenaufreibendes Spiel gesehen, und einige bekamen am Ende sogar noch ein Autogramm von Bernd Hölzenbein, der sich seinen Weg zu Kabine durch Scharen von VfB-Fans bahnen musste.

In den vergangenen 20 Jahren gelang dem VfB nur noch einmal die Qualifikation für den Pokal: am 30. Juli 2011 kam der Hamburger SV an den Marschweg. Mehr als 15552 Zuschauer durften nicht ins Stadion – kaum zu glauben, dass gegen Borussia Mönchengladbach 38 Jahre zuvor noch fast doppelt so viele Fans ins Stadion gelassen wurden. Der VfB, damals Fünftligist, verkaufte sich ordentlich gegen den HSV und verlor nur mit 1:2. Das Tor für Oldenburg erzielte Sebastian Ferrulli, für Hamburg trafen Heiko Westermann und Mladen Petric.

Christian Schwarz
Christian Schwarz Online-Redaktion
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