OLDENBURG - OLDENBURG - Uwe Schneidewind ist ein wenig nervös. Unter dem Tisch wippt der Präsident der Oldenburger Universität stetig mit dem rechten Bein, während er sich durch die Zeilen kämpft – immer beäugt von der fünfköpfigen Jury. Doch Schneidewind liest sich frei. Schon nach wenigen Minuten wirkt er souveräner, das Bein wippt nicht mehr und er hat zunehmend Spaß an dem Buch „Schwein gehabt, Zeus“. Dass er am Ende der strahlende Sieger des 2. Oldenburger Vorlesewettbewerbs für Prominente sein wird, ahnt er zu diesem Zeitpunkt freilich noch nicht.

„Er hat sich gut in die Geschichte reinversetzt“, lautet das Urteil, das Jurorin Rosalie Gloistein über Schneidewinds Auftritt fällt. Rosalie geht – wie auch die vier anderen Jurymitglieder – in die sechste Klasse. Das ist das Besondere an diesem Wettbewerb: Kinder befinden über die Vorlesefähigkeiten von Erwachsenen.

Wer nun meint, von 12- bis 13-Jährigen seien keine kritischen Töne zu erwarten, der irrt. Hochkonzentriert wirken die fünf Kampfrichter, die alle schon Vorlesewettbewerbe gewonnen haben. Ein kleiner Versprecher, und umgehend klicken am Jurytisch die Kugelschreiber – jeder Patzer wirkt sich auf den Stimmzetteln der Jury aus.

Die erste Vorleserin, Piccoplant-Geschäftsführerin Elke Haase, kommt noch ungeschoren davon. Aber wenig später gibt es für Kulturdezernent Martin Schumacher den ersten Dämpfer. „Es war ziemlich flüssig“, urteilt Thore Singmann, „aber manchmal hat er nicht richtig betont.“ Damit sind Schumachers Siegchancen dahin.

Selbst Titelverteidigerin Jutta Moster-Hoos, wissenschaftliche Leiterin des Horst-Janssen-Museums, muss sich Kritik gefallen lassen: „Sie hat nicht so oft ins Publikum gesehen“, merkt Annika Duwe an. Dennoch bekommt Moster-Hoos hohe Punktzahlen. Am Ende unterliegt sie erst im Stechen dem späteren Sieger Uwe Schneidewind.

Die letzte der fünf Prominenten, die an dem kleinen Tisch im Küchengarten Platz nimmt, ist Box-Weltmeisterin Heidi Hartmann. Nicht allen Tücken des Textes kann sie so geschickt ausweichen, wie sonst den Schlägen ihrer Gegnerinnen. Dennoch stellt ihr Jurorin Anna Fiedler letztlich ein gutes Zeugnis aus: „Sie war sehr ausdrucksstark und inhaltlich klar.“

Zum Sieg reicht es an diesem Tag dennoch nicht. Den heimst der Universitäts-Präsident ein. „Ich kann das gar nicht fassen“, sagt dieser, nachdem er seine Trophäe – die „Oldenburger Vorlesebrille“ – erhalten hat, „beim Vorlesen mit meinen Kindern schlafe ich immer als Erster ein.“