Oldenburg - Hase muss warten. Wegen Corona sogar vor der Tierarztpraxis. Dabei ist er prominent. „Ist das der Hase aus der Zeitung?“ So oft hörte ich diese Frage, dass ich schon nach einem Dschungelcamp für Haustiere recherchiert habe.

Dennoch lässt man Hase warten. Ein Unding aus seiner Sicht. Ob Fußballstar Robert Lewandowski auch nur eine Minute im Wartezimmer von Promi-Doc Müller-Wohlfahrt absitzen muss? Natürlich nicht. Der Kater maunzt genervt.

Das könnte jedoch auch daran liegen, dass er hinter Gittern in der Transportbox sitzt. Der Kater hasst diese Box. So wie er von Anfang an eine auffällige Scheu an den Tag legte, wenn es darum ging, in dunkle Verstecke hineinzukriechen. Den Kratzbaum mit der Höhle haben wir daher irgendwann wegen Nichtnutzung abgeschafft. Vielleicht noch Nachwirkungen seiner schlimmen Verletzung, mit der er ins Tierheim kam und nach deren Behandlung er längere Zeit in einer Box verbringen musste?

Jedenfalls ist es jedes Mal eine Herausforderung, den Kater in den Transportkasten zu verfrachten. Selbst die Taktik meines Sohnes, ihn mit einer von Spur von Leckerlis in die Box zu locken, geht nicht auf. Am Eingang schlägt die Angst vor dem beengten Kasten sogar Hases legendäre Gier nach Fressbarem.

Immerhin hab ich Gefäß und gewünschten Inhalt so zumindest schon einmal im selben Raum. Da sowohl verbale als auch kulinarische Argumente keinerlei Wirkung zeigen, bleibt wohl oder übel die körperliche Überredungskunst als letzte Option übrig. Zur Not auch unter Zuhilfenahme des großen Ofenhandschuhs, mit dem ich – einem Falkner gleich – den mit den Krallen übermittelten Widerspruch zu ignorieren vermag.

So sitze ich also doch gemeinsam mit einem beleidigten Kater vor der Tierarztpraxis. Es ist übrigens nichts Schlimmes: Hase braucht nur ein paar Augentropfen. Mein Hinweis auf seinen Promi-Status und seine Erwartung einer dementsprechend bevorzugten Behandlung wird vom (übrigens total netten) Praxisteam mit dem Versprechen beantwortet, beim nächsten Mal einen roten Teppich auszurollen. Ich werde jedoch das Gefühl nicht los, dass das nicht ganz ernst gemeint ist.

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)