Oldenburg - Papst Franziskus muss um sein Leben fürchten. Die Konfrontation mit seinen Gegnern in der katholischen Kirche und innerhalb des Vatikans sei dermaßen eskaliert, dass mit allem zu rechnen sei, sagt Andreas Englisch. „Ich hätte mir eine solche Dramatik nicht vorstellen können“, bekennt der Vatikan-Beobachter.
Die Erklärung ist ebenso simpel wie nachvollziehbar: Nichts sei schmerzhafter, als Privilegien zu verlieren, meint Journalist Englisch, der am Freitag auf Einladung des katholischen Sozialverbandes KKV im Neuen Gymnasium vor vollem Haus sprach. Und die haben im Kirchenstaat und darüber hinaus viele Würdenträger nach der Papstwahl 2013 verloren. Papstlimousine, Hermelin-Gewänder, Prunkgemächer, Butler, Landsitz - von all dem will der Papst aus Argentinien nichts wissen. Und auch von seinen Priestern, Bischöfen und Kardinälen erwarte er, dass sie eine arme, dienende Kirche vorlebten.
Hochrangige römische Adelige, die bislang direkten Zugang zu Päpsten hatten, habe Franziskus verprellt, indem er ihnen die Tür weise. Nach der Düpierung seines Vorgängers Joseph Ratzinger durch die Rehabilitierung des sozialistischen Priesters Ernesto Cardenal aus Nicaragua hätten Ratzinger-Freunde vor Wut mit den Zähnen geknirscht.
Englisch ist ein glänzender Redner, der seine Zuhörer mit lebendigen Erzählungen fesselt. Das hilft darüber hinweg, dass aktuelle kirchenpolitische Fragen keinen Raum finden. Wer Hintergründe zur Weltsynode erfahren will, die Anfang des Monats in Rom begonnen hat, wird enttäuscht. Auch zu den Querelen um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, dem Rom nach Kritik an dessen Amtsführung eine Auszeit verordnet hat, und generell zur römischen Sicht auf den Missbrauchs- und Vertuschungsskandal, erfährt der Zuhörer nichts. Die Enttäuschungen, die Franziskus unter seinen Anhängern durch ausbleibende Reformen auslöst, kommentiert Englisch leider ebenso wenig.
Umso gewichtiger ist Englischs Einschätzung, die Katholische Kirche treibe auf eine Spaltung zu. Progressive und konservative Gruppen drifteten auseinander, beobachtet der Vatikan-Insider. Ob Sorge um das Leben des Papstes oder um Kirchenspaltung: Englisch schildert die römische Entwicklung in drastischen Worten. Aber die Abgründe in der 2000-jährigen Kirchengeschichte zeigen: Der Blick ist nicht abwegig.
