Oldenburg - Die Inflation lag im September bei 10 Prozent, in den vergangenen Monaten sind Lebensmittel deutlich teurer geworden und die Energiekrise bereitet vielen Menschen Sorge. Immer mehr Menschen haben Angst, in die Armut zu geraten, wie Daniela Schrotz von der Caritas Oldenburg bestätigt. „Wir bemerken eine deutlich höhere Nachfrage unserer Beratungsangebote“, erklärt Schrotz, die für die Soziale Schuldnerberatung zuständig ist.
Um den Erfahrungsaustausch und das offene Gespräch geht es bei der Selbsthilfegruppe „Armut im Alter“.
Die Gruppe trifft sich zwei Mal im Monat in den Räumlichkeiten der Bekos, Lindenstraße 12a.
Interessierte können telefonisch unter 0441/884848 oder per E-Mail an info@bekos-oldenburg.de Kontakt aufnehmen.
Schon vor Beginn der Corona-Pandemie habe das angefangen und sich in den vergangenen Monaten weiter verschärft. „Mittlerweile kommen neue Personengruppen zu uns und bitten um Hilfe“, sagt sie. Es hätten schon immer Menschen aus allen sozialen Schichten die Hilfsangebote der Caritas in Anspruch genommen. Derzeit bemerke man jedoch, dass auch diejenigen, die vorher noch einigermaßen gut „über die Runden gekommen“ seien, Hilfe benötigen. „Viele Menschen zahlen Kredite ab und haben finanzielle Verpflichtungen, die nicht mehr so leicht eingehalten werden können“, sagt Schrotz.
Zermürbende Angst
Von der „Angst vor der Armut“ berichten auch mehrere Mitglieder der Selbsthilfegruppe „Armut im Alter“, die vor kurzem von der Beratungs- und Koordinationsstelle für Selbsthilfegruppen (Bekos) ins Leben gerufen wurde. Im Gespräch mit unserer Redaktion haben sie sich anonym zu ihren Sorgen geäußert.
„In den letzten Jahren hatte ich meistens zwei Jobs gleichzeitig“, sagt eine 52 Jahre alte Oldenburgerin. Sie habe mittlerweile nicht mehr nur Angst vor einer geringen, nicht ausreichenden Rente, sondern auch vor den steigenden Preisen. „Es wird immer zermürbender“, sagt die Frau, die in den vergangenen Jahren krankheitsbedingt Probleme gehabt habe, sichere Jobs zu finden.
„Es ist mehr als beunruhigend zu merken, dass man kein Geld mehr für Notfälle zur Seite legen kann“, erklärt eine 72 Jahre alte Oldenburgerin, die zwar eine auskömmliche Rente beziehe, aber Angst davor habe, was passieren könnte, wenn ihr Mann vor ihr stirbt. „Man kann es wirklich als Angst vor der drohenden Armut bezeichnen. Mein Mann und ich sind beide krank und obwohl wir lange gearbeitet haben, geht das mittlerweile nicht mehr“, sagt sie.
Da ihre Rente höher als die ihres Ehemannes sei, werde sie keine Witwenrente bekommen. „Dann darf nichts passieren und man lebt von der Hand in den Mund“, so die Oldenburgerin.
Die Treffen der Selbsthilfegruppe seien in erster Linie tröstend. „Wir sitzen alle im gleichen Boot und können uns austauschen, Tipps geben und unsere Sichtweise auf die eigene Situation verändern“, sagt die Rentnerin, die besonders den Ausführungen des bislang einzigen männlichen Gruppenmitglieds gerne zuhört.
In seinem Leben hat der heute 71-Jährige nur wenig gearbeitet. Das habe verschiedene Gründe gehabt. Heute erhalte er nur eine kleine Rente. „Meine Kleidung kaufe ich bei der Caritas und viele Lebensmittel bekomme ich bei der Tafel“, sagt er. Außerdem sammle er Altmetall, das er an einen Schrotthändler verkaufe.
Niedrigschwellig
Das Thema Armut sei für viele Menschen mit Scham behaftet, betont Schrotz. Die Caritas-Schuldnerberatung gebe jedoch einfache Hilfestellungen, um die individuelle Lage der jeweiligen Person zu analysieren und weitere Schritte einzuleiten. „Wir machen gemeinsam eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung und überdenken variable Kosten“, erklärt sie. In den Gesprächen werde auch über Rückzahlungsmöglichkeiten und mögliche Insolvenzverfahren gesprochen. Dabei arbeite die Caritas eng mit weiteren Einrichtungen und Stellen in Oldenburg zusammen. Die Allgemeine Sozialberatung sowie die Soziale Schuldnerberatung der Caritas sind telefonisch erreichbar unter 0441/9254514.
